Unfall eines Höhlenforschers in Berchtesgaden

Höhlendrama: Arzt erreichte verletzten Forscher nicht

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Dieses Bild zeigt den laut Medieninformationen schwerverletzten Höhlenforscher Johann W.
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Berchtesgaden - Der Zustand des bei einem Steinschlag in der Riesending-Höhle schwer verletzten Höhlenforschers soll nicht so schlecht sein. Ein Expertenteam ist bald bei ihm.

UPDATE 12 Uhr:

Der schwerverletzte Höhlenforscher Johann W. soll bis Ende der Woche gerettet werden. Laut der Bergwacht Bayern gehen die Retter von ungefähr drei bis fünf Tagen für die Rettungsaktion aus. Etappenweise soll der 52-Jährige zu den einzelnen Biwakstationen gebracht werden.

Laut Informationen vor Ort ist mittlerweile ein weiteres schweizer Spezialteam angekommen. Auch ein Team aus Italien ist vor Ort und soll noch vor dem Mittag in die Riesending-Höhle einsteigen. Weiter wird derzeit nähe des Einstiegs ein provisorischer Landeplatz eingerichtet. Förster sind vor Ort und fällen Bäume, um den Hubschraubern eine Landung auf dem Untersberg zu ermöglichen. Dadurch muss Personal sowie und Material nicht mehr aufwendig per Winde abgesetzt werden.

Der Arzt, der sich vor einem Tag auf den Weg zum Verletzten gemacht hat, ist mittlerweile wieder über Tage. Er erreichte den Verletzten nicht. Da er vor seinem Abstieg eine 36-Stunden-Schicht absolvierte, war er konditionell nicht in der Lage, den anstrengenden Abstieg zu schaffen. Außerdem soll es für ihn zu gefährlich geworden sein. Dafür wird ein österreichischer Arzt in den nächsten Stunden mit dem Abstieg beginnen.

UPDATE 8.20 Uhr:

In den nächsten Stunden soll das Expertenteam aus der Schweiz den verletzten Höhlenforscher erreichen. Nach Angaben eines Sprechers der Bergwacht Chiemgau soll der Zustand des 52-Jährigen nicht so schlecht sein, wie zunächst vermutet. Der Mann sei ansprechbar und könne sogar für kurze Zeit aufstehen. Beim Steinschlag habe er eine blutende Kopfverletzung erlitten.

Pressegespräch zum Höhlenunglück am Untersberg

UPDATE 6.55 Uhr

Die Rettungsaktion wurde am Dienstagmorgen fortgesetzt. Die ersten Teams zur Rettung des in der Riesending-Schachthöhle festsitzenden und verletzten Höhlenforschers sind an die Oberfläche zurückgekehrt. Das teilte am Dienstagmorgen die Polizei mit.

Das Expertenteam aus der Schweiz, das sich am Montagabend auf den Weg zu dem 52-Jährigen gemacht hatte, sei allerdings noch nicht bis zu ihm vorgedrungen.

Zusammenfassung vom Rettungseinsatz am Montag:

UPDATE 19.30 Uhr - Pressekonferenz

Zu Beginn der Pressekonferenz gingen die Beteiligten auf die bisherige Situation ein. Der 52-jährige Verletzte Johann W. wurde durch einen Steinschlag am Kopf getroffen und verletzte sich dadurch schwer. Mittlerweile ist vom ursprünglichen Höhlenforscherteam nur noch der Schwerverletzte in der Riesending-Höhle. Der zweite Begleiter fing seinen Aufstieg an, als das Rettungsteam vor Ort war. Der Begleiter ist mittlerweile wieder über Tage. 

Um 17.30 Uhr stieg das Schweizer Spezialistenteam ohne Arzt in die Höhle ein. Dieser ist bereits voraus unterwegs, muss aber viele Pausen einlegen, da von einer 36-Studen-Schicht kam. Er ist aber durchaus geeignet und einer der wenigen, die aufgrund der Fitness überhaupt in Frage gekommen wären.

Die Forschergruppe ist sehr erfahren und war sehr gut vorbereitet. Auch in Ersthilfe sind sie bestens ausgebildet und ausgerüstet. 

Mittlerweile wird auf internationaler Ebene nach Rettungskräften gesucht, die bisherigen Helfer unterstützen und ablösen sollen. 

Diese Darstellung zeigt die vermutete Lage des verletzten Höhlenforschers. Zum Vergrößern der Karte hier klicken.

Momentan wird der Schwerverletzte durch einen Notfallsanitäter betreut. Johann W. soll abwechselnd Wach- und Schlafphasen haben. Da bisher allerdings kein Arzt den Verletzten begutachten konnte, gibt es keine fundierte medizinische Auskunft. Erst der Arzt kann entscheiden, ob der Verletzte ausreichend transportfähig ist. Aufgrund vieler Engstellen ist es notwendig, mal den Kopf oder den Bauch einzuziehen. Der Arzt muss klären, ob Johann W. dazu in der Lage ist. Erst wenn der Arzt eine fundierte Einschätzung getroffen hat, kann das passende Material in die Höhle transportiert werden.

Rettungseinsatz am Untersberg

Die bestehenden Erfahrungswerte in der Höhlenrettung sind in diesem Fall nur zum Teil anwendbar aufgrund der komplizierten Höhlenbeschaffenheit. Pro Person, die in die Höhle einsteigt, kann jeweils nur ein Transportsack mitgenommen werden. Da der Eigenbedarf an Material wie Essen, Kletterausrüstung, Technik, sehr hoch ist, kann nur wenig transportiert werden. Auch das Transport-Tempo wird dadurch verlangsamt.

Zusammen mit einem Bergwachtarzt wurde ein Notfallpaket geschnürrt, basierend auf den Schilderungen des Melders. Dieses Paket befindet sich auf dem Weg. 

Derzeit ist noch nicht sicher, ob der Patient wirklich stabil ist.

Momentan befinden sich an der Unfallstelle neben dem Schwerverletzten noch drei weitere Personen. Auf dem Abstieg befinden sich sowohl der Arzt als auch das Schweizer Team. Mit der Rückkehr des Schweizer Teams wird in 20 bis 25 Stunden gerechnet.

Problematisch ist die Suche nach geeigneten Rettungskräften aufgrund der hohen Fitnessanforderung. Es können aufgrund der engen Verhältnisse in der Höhle nur zwölf Personen gleichzeitig arbeiten. Außerdem besteht jederzeit die Gefahr von Steinschlägen.

Da momentan erst auf die Rückmeldung des Arztes gewartet wird und ein einfacher Weg zwischen 10 bis 12 Stunden dauert, kann sich die tatsächliche Rettung von Tagen bis auf Wochen verzögern.

Die Temperaturen an der Unfallstelle in der Riesending-Höhle schwanken um den Nullpunkt.

Ein Video von der Pressekonferenz und Bilder der Rettungsarbeiten folgen!

UPDATE 15.30 Uhr

Aktuell warten die Einsatzkräfte auf eine Rückmeldung des Arztes, der sich noch auf dem Weg zum Verletzten befindet. Aufgrund der großen Anstrengungen unter Tage musste der Mediziner bereits eine Pause einlegen. Ein weiteres Team von Höhlenrettern aus der Schweiz ist eingetroffen und übernimmt nun die Bergung. Die Spezialisten steuern dann einen weiteren Arzt zu den Rettungsmaßnahmen bei, der bereits über Erfahrungen in der Höhlenrettung verfügt.

Bei dem verletzten Forscher soll es sich laut Medieninformationen um den 52-jährigen Johann W. aus dem Raum Stuttgart. Er sei ein Mitentdecker der Riesending-Höhle. Er soll bei dem Steinschlag ein schweres Schädelhirn-Trauma erlitten haben. 

Nicht nur die verschachtelte Höhle an sich, sondern auch die Temperaturen in der Höhle erschweren die Rettung. Da im Riesending Temperaturen von vier bis acht Grad herrschen, droht eine Unterkühlung des Verletzten. Der verletzte Forscher befindet sich jedoch glücklicherweise in einer recht geschützten Umgebung ohne große Feuchtigkeit und Zugluft.

Hintergrundinformationen über die Riesending-Höhle

Sechs Kilometer nördlich von Berchtesgaden liegt der Untersberg. An der deutsch-österreichischen Grenze gelegen, besteht der Untersberg aus Kalkstein und Dolomit. 1972 Meter hoch, doch was sich in den letzten Tagen und auch heute ereignet, findet ausnahmsweise nicht auf oder in der Nähe des Gipfels statt. Der verunglückte Hobbyforscher befindet sich unter der Erde. Genauer gesagt sogar mehr als einen Kilometer tief im Untersberg. Bereits Kaiser Barbarossa und Karl der Große wurde dort vermutet, viele Sagen und Legenden drehen sich um das Höhlensystem, das bis heute noch nicht vollkommen erforscht ist.

Unter Tage erstreckt sich das System auf vielen Kilometern im Berg. Ein riesiger Irrgarten, wie zum Beispiel das bereits mit über 30 Kilometer lang erforschte und kartierte "Gamslöcher-Kolowrat-System" auf der österreichischen Seite. Die deutsche Seite wurde erst vor circa 20 Jahren von der schwäbischen Arbeitsgemeinschaft "Höhlenkunde Bad Cannstatt" zur Erforschung in Angriff genommen. Im Jahr 2002 entdeckte eine achtköpfige Forschergruppe dann die tiefste Höhle, die jemals in Deutschland entdeckt wurde und benannten sie mit dem aussagekräftigen Namen "Riesending" aufgrund der enormen Größe.

Erkundungsgänge nehmen dabei meistens bis zu eine Woche Zeit in Anspruch. Im bisher erforschten Bereich sind über 6000 Meter Seil verbaut, in die Erschließung des Systems flossen mittlerweile mehr als 25 000 Euro an Materialkosten. In unterschiedlichen Tiefen wurden Biwakplätze eingerichtet. An einem dieser Plätze liegt der schwerverletzte Forscher mit einer schweren Kopfverletzung, die ihm den Aufstieg aus eigener Kraft nicht mehr möglich machen. Ein großes Problem stellt aktuell die Kommunikation dar, eine kabelgebundene Lösung zur Kontaktaufnahme steht im Moment nur bis zu einer Tiefe von 350 Metern bereit, weiß Stefan Schneider von der Bergwacht Bayern.

Rettungseinsatz für Höhlenforscher

Der Aufstieg aus dem Höhlensystem gestaltet sich sehr schwierig. An vielen Stellen können die Forscher nur mit Hilfe von Metallklemmen, die mit kleinen Widerhaken besetzt sind, die senkrechten Felswände erklimmen. Dabei kommen immer zwei, sogenannte Steigklemmen zum Einsatz. Eine Klemme greift das Seil, die andere kann entlastet werden und weiter nach oben geschoben werden. Danach wird gewechselt. "Eine sehr mühsame Angelegenheit, der komplette Aufstieg aus der Tiefe kann somit bis zu zwölf Stunden in Anspruch nehmen", erklärt Stefan Schneider.

Die Rettungskräfte bewegen sich in der Höhle "Riesending" auf absolut anspruchsvollen Terrain, das mit keinem anderen auf der Welt zu vergleichen ist. In absoluter Dunkelheit bei Temperaturen um sechs Grad Celsius bewege man sich in einem Bereich, der von Höhlenforschern als "Schallmauer", vergleichbar mit der physischen und psychischen Belastung eines Achttausenders, angesehen werde, so Schneider. Schneefrei ist das "Riesending" im kurzen Zeitraum zwischen Juni und Oktober.

Mit Hilfe der Radon-Isotop-Methode können Experten die tatsächlich Größe der Höhle annäherungsweise bestimmen. Es wird vermutet, dass das System aus Spalten und Gängen zum jetzigen Zeitpunkt nur zu einem Drittel vermessen wurde. Dabei wechseln sich immer wieder unterschiedliche Beschaffenheiten ab. Mal ist die Höhle trocken, mal feucht, an manchen Stellen haben sich unterirdische Seen gebildet. Auch der Luftzug ist stets unterschiedlich. Der verletzte Forscher befindet sich jedoch glücklicherweise in einer recht geschützten Umgebung ohne große Feuchtigkeit und Zugluft.

UPDATE 13.20 Uhr

Die Einsatzleitung und die Feuerwehr Marktschellenberg ziehen sich vom Hubschrauberlandeplatz zurück, der als Einsatzzentrale diente. Neuer Standort der Einsatzleitung wird die Feuerwehr Berchtesgaden sein. Ein Umzug ist aus einsatztaktischen Gründen, wie die Kommunikation und die Internetverbindung, erforderlich.

Auf Grund der Komplexität dieses Einsatzes wurden über das europäische Höhlenrettungssystem Spezialisten für Schachthöhlen angefordert. Nach der Vorbereitung werden diese heute noch ihren Einsatz beginnen. In der Zwischenzeit werden hierzu alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um einen zügigen Abstieg der Schachtspezialisten zu ermöglichen.

Bilder vom Rettungseinsatz am Montag:

Rettungseinsatz BRK am Untersberg

Rettungseinsatz am Untersberg (3)

Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse:

Am 7. Juni gegen 12 Uhr stieg eine dreiköpfige Forschergruppe in die Riesending-Schachthöhle ein. Bei der Höhle handelt es sich sowohl um die tiefste Höhle Bayerns als auch Deutschlands. Sie liegt im Untersberg an der deutsch-österreichischen Grenze. 

Am 8. Juni gegen 1.30 Uhr nachts wurde gut 1000 Meter unter dem Eingang ein Höhlenforscher von einem fallenden Stein getroffen. Er erlitt eine Kopfverletzung und war kurzzeitig bewusstlos. Die Schwere der Verletzung machte es ihm unmöglich, den Rückweg aus eigener Kraft zu bewältigen. Bei dem Schwerverletzten handelt sich um einen 52-jährigen Mann aus dem Raum Stuttgart. Er ist laut der bayerischen Bergwacht einer der Mitentdecker der Riesending-Höhle. Darum handelt es sich wahrscheinlich um ein Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt e.V.

Anschließend verweilte ein 38-jähriger Forscher bei dem Schwerverletzten. Das dritte Mitglied der Gruppe, ein 42-jährige Forscher, stieg allein zurück zum Eingang auf. Der Aufstieg dauerte rund 12 Stunden, somit konnte er seinen Notruf erst am 8. Juni gegen 14.30 Uhr vom Störhaus absetzen. 

Hierauf wurde die Leitstelle Traunstein verständigt, die sofort die umliegenden Bergwachten und die Höhenrettung Salzburger Land alarmierte. Im Laufe des Sonntags und Montagmorgen stiegen daraufhin Teams in die Höhle ein, darunter ein spezialisierter Höhlenarzt, ein Team zur Herstellung der Kommunikation und weitere Teams für die Versorgung und Sicherung der Höhlenretter. Die Verbindung mit den Höhlenrettern findet soweit als möglich über ein inzwischen verlegtes Höhlentelefon und über das sich im Aufbau befindlichen Funksystems „CaveLink“ statt. Am Montagmorgen um 5.45 Uhr ist das erste vierköpfige Rettungsteam zum Lagerort des Verletzen vorgestoßen. Mittlerweile ist bis in eine Tiefe von 400 Metern auch eine Kommunikation über Telefonleitung möglich.

Für den Einsatz sind derzeit 52 Höhlenretter der Bergwacht Bayern und 28 Höhlenretter aus Salzburg vor Ort. Die Landespolizei und die Bundespolizei unterstützen die Logistik mit ihren Hubschraubern. Insgesamt sind rund 200 Einsatzkräfte vor Ort.

Aufgrund des komplizierten Aufbaus der Höhle, dem tiefen Unfallort des Verletzten in rund 1000 Metern Tiefe und den langen Kommunikationswegen ist mit einer mehrtägigen Rettungsaktion zu rechnen. 

Die Höhenrettung am Unterberg könnte noch zusätzlich durch das Wetter erschwert werden, da aufgrund der momentanen Hitze mit Wärmegewittern zu rechnen ist.

Zusammenfassung des ersten Rettungstags am Unterberg:

Bilder vom Rettungseinsatzsatz am Sonntag:

Rettungseinsatz am Unterberg (2) 

Rettungseinsatz im Riesending

Beeindruckende Bilder der Riesending-Höhle zeigte auch das ZDF im Mai 2014.

Quellen: Bergwacht Bayern, aktivnews, Polizeipräsidium Oberbayern, BRK BGL, Verband österreichischer Höhlenforscher, redbgl24

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