Mehr als 200 unbesetzte Lehrstellen

Betriebe kämpfen weiter um jeden Azubi

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Marktschellenberg - Zahlreiche Lehrstellen sind zu Beginn des Ausbildungsjahres noch unbesetzt. Denn die Unternehmen bekommen keine Bewerbungen mehr. Das wird zum Problem im Landkreis:

Die Bewerberlücke in der regionalen Wirtschaft verharrt auch heuer auf hohem Niveau. Zu Beginn des Ausbildungsjahrs sind in den Betrieben im Berchtesgadener Land noch mehr als 200 von über 800 angebotenen Lehrstellen frei, so die aktuellste Statistik der Arbeitsagentur. Damit bleibt fast jeder vierte Ausbildungsplatz unbesetzt.

Unternehmen bekommen immer weniger Bewerbungen

"Vor allem kleine und mittlere Unternehmen müssen um jeden Azubi kämpfen. Aufgrund der guten Konjunktur und des absehbaren Fachkräftemangels bieten sie reichlich Lehrstellen an, sie bekommen aber immer weniger Bewerbungen", sagt Irene Wagner, Vorsitzende des IHK-Gremiums Berchtesgadener Land. Insgesamt treten im Berchtesgadener Land mit Beginn des Ausbildungsjahres 316 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen an, wie aus der vorläufigen Zwischenbilanz der IHK für München und Oberbayern mit Stand Ende August hervorgeht. Dies ist ein Plus von 14,9 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Damals begannen 275 Jugendliche eine Ausbildung.

"Die endgültige Bilanz am Ausbildungsmarkt wird erst zum Jahresende gezogen – nachdem wir 2014 ein Minus von 8 Prozent hatten, wäre dies ein willkommener Ausgleich", kommentiert Wagner die Zahlen. "Es bleibt aber festzuhalten, dass die Betriebe noch viel mehr Lehrstellen besetzen könnten, wenn es genügend Bewerber gäbe", so die IHK-Gremiumsvorsitzende. Die zahlenmäßig stärksten fünf IHK-Ausbildungsberufe im Landkreis sind Kaufleute im Einzelhandel, Bankkaufleute, Hotelfachleute, Industriekaufleute und Kaufleute für Büromanagement.

Problem geht quer durch alle Branchen

Besonders groß ist der Azubimangel im Einzelhandel und in der Gastronomie. Wagner unterstreicht jedoch, dass das Problem quer durch alle Branchen gehe. "Es sind auch noch etliche Lehrstellen in den Bereichen Holzverarbeitung, Energietechnik und Metallbau frei", so die IHK-Gremiumsvorsitzende.

"Der Mangel an Ausbildungsbewerbern wird für unsere Wirtschaft immer mehr zum Dauerzustand", beklagt Wagner. "Die fehlenden Azubis von heute sind aber der Fachkräftemangel von morgen. Die Wirtschaft braucht dringend Unterstützung, um die Ausbildung für mehr Jugendliche attraktiv zu machen", fordert Wagner. Die IHK-Gremiumsvorsitzende führt den Bewerberengpass auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie dem Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 27 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 54 Prozent. "In der Berufsorientierung müssen die hervorragenden Karrierechancen durch eine Ausbildung wieder mehr Stellenwert bekommen, wir brauchen nicht noch mehr Studienabbrecher“, so Wagner. Mit Schulpatenschaften, der Teilnahme an Bildungsmessen oder Ausbildungstagen im Unternehmen können Betriebe den Schülern bei der Berufsorientierung helfen, sagt die IHK-Gremiumsvorsitzende.

Insgesamt sind 245 IHK-zugehörige Unternehmen im Berchtesgadener Land in der Ausbildung aktiv und stehen für rund 50 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.

Pressemitteilung IHK München und Oberbayern

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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