Kein Chaletdorf für Marktschellenberg

"Dieses Ergebnis ist kein Triumph, sondern eine Niederlage für die Bürger und ihren Ort"

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Marktschellenberg - Aus ist er der Traum vom Chaletdorf für Marktschellenberg. Aus für den Investor und Aus für alle Bürger, die hinter diesem Projekt standen. BGLand24.de hat mit Investor Andreas Walker gesprochen.

Update, 8:15 Uhr - Sabrina Köhler, Initiatorin Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren "Pro Chaletdorf"

"Ich bin einfach wahnsinnig enttäuscht und ich kann nicht verstehen wie Menschen so sein können. Wie man sich so benehmen und für den Ort eine derartige Chance ausschlagen kann. Das Ganze ist einfach nur geprägt gewesen von unendlichem Neid und keinerlei Weltoffenheit. 

Dieses Ergebnis ist definitiv kein Triumph für die Gegner, sondern eine absolute Niederlage für Marktschellenberg und seine Bürger.

Update, 6.35 Uhr - Franz Halmich, 1. Bürgermeister Marktschellenberg

"Ich finde es außerordentlich schade, dass auf diese Art und Weise eine Entscheidung zum Thema Beherbergungsbetrieb mit Chalets in unserer Gemeinde getroffen wurde. Das Risiko eines vorzeitigen Verkaufs war ja stets gegeben.

Aber getreu dem Motto: Die Dinge, die man falsch gemacht hat, bereut man nicht so sehr, wie die, die man erst gar nicht versucht hat.

Darum finde ich es erfreulich, dass zumindest der beherzte Versuch gemacht wurde, eine aussagekräftige Meinung zum Thema aus der Bevölkerung zu erhalten. Nicht wenige werden das so sehen. Chance leider vertan!"

Erstmeldung, 5:30 Uhr

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Der Traum vom Chaletdorf für Marktschellenberg ist geplatzt. Das Grundstück ist verkauft worden an einen österreichischen Industriellen. Statt zehn Luxus-Chalets soll hier nun eine Privatvilla entstehen.

Große Pläne hatte der Stuttgarter Hotelier. Gemeinsam mit seiner Familie wollte er seinen kompletten Lebensmittelpunkt nach Marktschellenberg verlegen und sich eine neue Existenz aufbauen. Aber nicht nur für sich. Neue Arbeitsplätze für Einheimische sollten entstehen, bei dem Aufbau eines Lebensmittelgeschäfts wollte er für die Einkommensgrundlage mit seinen Einkäufen sorgen, Landwirte und Jäger sollten ebenfalls Produkte leben. 

Kurzum - eine Win-Win-Situation für alle? Nicht ganz. Schnell formierte sich Widerstand und die Wogen schlugen hoch in der kleinen Marktgemeinde. "Der ist doch gar kein Einheimischer", so polterten die Gegner es auf einer Bürgerversammlung. Aber es  gab auch viele Befürworter auf Seiten der Bürger, die sogar eine Unterschriftenliste für ein Bürgerbegehren der Gemeinde überreichten. 

Obwohl der Gemeinderat dieses Bürgerbegehren auf der jüngsten Gemeinderatssitzung angenommen hatte, ist dieser Traum nun geplatzt.

BGLand24.de hat mit Andreas Walker gesprochen

So lautet seine offizielle Stellungnahme:

"Als Hotelier und Gastronom muss man sich auf neue Ideen und veränderte Märkte schnell um- und einstellen. So bin ich zum Entschluss gekommen, einen Hotelbetrieb mit Chalets im fünf Sterne Bereich im Alpenraum, am liebsten im Berchtesgadener Land, neu zu gründen und dort meine langjährigen Erfahrungen im Bereich der Hotellerie einzubringen. 

Nach langer Grundstückssuche fand sich eine verfügbare Fläche in Marktschellenberg mit traumhaftem Ausblick. Der ideale Standort für meine Projektidee! Die ersten Anfragen verliefen positiv und ich fand offene Türen vor. Nach der ersten Vorstellung im Gemeinderat hatte ich auch den Eindruck, mit offenen Armen empfangen zu werden. 

Marktschellenberg erlebte aber nun im August und September eine öffentliche Debatte, die aus nichtöffentlicher Gemeinderatssitzung entstand. Die Neuigkeiten, die -wie man heute weiß- nicht den Tatsachen entsprachen, verbreiteten sich sehr schnell. Und so entstand eine Stimmungsbarriere gegen das Projekt am Buchenweg. 

In der öffentlichen Versammlung, in der ich mich allen Fragen der Bevölkerung stellte, nahmen viele Zuhörer das Projekt gut auf, aber bei einigen Wenigen fand ich kein Gehör - die Fragen wiederholten sich und zum Teil erlebte ich unverblümte Ablehnung, wie ich Sie bis dahin nie erlebt habe. 

Ich wollte in der Versammlung eigentlich aufklären und nicht verunsichern. Aber einige Bürger der Gemeinde wollten das gar nicht hören. Der Gemeinderat lehnte in der folgenden Sitzung einen Volksentscheid (Ratsbegehren) und die Schaffung von Baurecht am Buchenweg ab. 

Einige Schellenbergerinnen und Schellenberger wollten dies nicht so stehen lassen und initiierten ein Bürgerbegehren, weil eine breite Masse positiv über mein Projekt denkt. Innerhalb weniger Wochen fanden sich über 200 Unterzeichner und das Bürgerbegehren ging am vergangenen Montag seinen Weg im Gemeinderat. 

Hier sollte die Behandlung durch Frau Sophia Stangassinger wiederum und bewusst erst verzögert werden, dann wollten 4 Gemeinderäte das Bürgerbegehren nicht zulassen und mit 7:5 nahm man es nicht an (Einsparungspotential von 10.000 €, die ein Bürgerentscheid verursacht). 

Es kam auch noch auf, dass Herr Kranawetvogel als Gegner meines Projekts und des Bürgerbegehrens in engstem Kontakt mit meinem Mitbewerber um das Grundstück steht. Es liegen nun 3 Monate vor der Schellenberger Bevölkerung und mir. Eine lange Zeit mit viel Ungewissheit. Ungewissheit auch im Falle eines positiven Ausgangs, denn die Mehrheit des Gemeinderats lehnt die Projektidee und somit auch mich ab. 

Bei dem Erlebten gehe ich nicht davon aus, dass sich die Meinung dieser Ablehner auch bei Zustimmung der Bevölkerung ändern wird - denn selbst 200 Unterschriften Marktschellenberger Bürger, bewegten nun 4 Gemeinderäte nicht zur Anerkennung des Bürgerbegehrens. Marktschellenberg ist so ein wunderschöner Ort mit enormem Entwicklungspotenzial, auch aufgrund idealer Lage. Aber offensichtlich ist diese Entwicklung nicht von Jedem gewollt. 

Leider gibt es auch in Marktschellenberg die ewig Gestrigen, die am liebsten noch von Stein zu Stein hüpfen würden, selbstverständlich ohne dabei auch nur einen Käfer zu verletzten. Mir ist es sehr schwer gefallen, nachfolgenden Schritt zu gehen. Und ich tue dies mit schwerem und traurigem Herzen!!! 

Von meiner Projektidee in Marktschellenberg muss ich mich leider in Anbetracht all dieser Ereignisse verabschieden. Ich stehe somit den Veränderungen am Buchenweg, die schon anderweitig eingeleitet wurden, nicht im Wege und will somit keinesfalls den örtlichen Steuerzahlern Kosten von 10.000 € aufbürden. 

Das Berchtesgadener Land hat einen festen Platz in meinem Herzen und vielleicht erfüllt sich mein Traum doch noch, in der Region einen Hotelbetrieb mit Chalets aufzubauen. Ich werde meine Augen und Ohren offen halten. 

Ich danke an dieser Stelle von ganzem Herzen, allen Unterstützern, an erster Stelle Herrn Bürgermeister Franz Halmich, einzelnen Gemeinderäten sowie ganz besonders allen Initiatoren und Helfern des Bürgerbegehrens voran Sabrina Köhler!

 Selbstverständlich gilt mein Dank auch vielen Schellenbergerinnen und Schellenbergern, für den Zuspruch, die lieben Worte, Briefe und die Unterstützung während der letzten Monate.

Gezeichnet Andreas Walker"

Lesen Sie in einem weiteren Artikel auf BGLand24.de Stellungnahmen aus der Marktgemeinde zu dieser Entscheidung.

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