Gemeinderat und Bürger diskutieren Chalet-Projekt in Marktschellenberg

"Wir wissen doch gar nicht, was für Leute da kommen"

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Marktgemeinderat Marktschellenberg diskutiert über Chalet-Projekt
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Marktschellenberg - Ein Investor aus Stuttgart will in Marktschellenberg Luxus-Chalets bauen und sich dort auch persönlich niederlassen, um die Anlage zu betreiben. Das Projekt wurde in der vergangenen Gemeinderatssitzung vorgestellt und kontrovers diskutiert:

Es tut sich was in Marktschellenberg: Ein zum Verkauf stehendes Grundstück am Buchenweg ist in das Interesse eines Stuttgarter Investors gerückt, der "seit Jahren mit seiner Familie im Talkessel Urlaub macht und dem das Berchtesgadener Land sehr ans Herz gewachsen ist", so Bürgermeister Franz Halmich während der Marktgemeinderatssitzung, in der das Thema besprochen wurde.

Vor der Sitzung war über das Projekt noch nicht öffentlich diskutiert worden und trotzdem "brodelt die Gerüchteküche", so Halmich. Um diesen Vermutungen ein Ende zu bereiten, wurden nun die ersten Infos veröffentlicht.

Kontroverse Diskussion um das Chalet-Projekt 

Ergänzend zur Präsentation der Projektinfos zu Beginn der Sitzung, fügte Bürgermeister Halmich noch hinzu: „Über kurz oder lang wird es immer schwieriger, einen Pächter zu finden, der die Stelle dort mäht. Es ist zwar ein optischer Eingriff, aber den haben wir bei jeder Baumaßnahme." 

Außerdem sei das ganze Leben eine Veränderung: "Ich glaub nicht, dass wir über Marktschellenberg einen Deckel drüber stülpen können. Seit drei Jahren diskutieren wir über qualitativen Tourismus. Ich möchte hier oben weder ein Explorer Hotel, noch ein Hotel Edelweiss, aber so ein Projekt täte Marktschellenberg schon gut."

Kaum hatten Franz Halmich und der verantwortliche Architekt die Vorträge beendet, startete auch schon eine kontroverse Diskussion.

 "Das ist ein Ausverkauf unserer Heimat"

Man weiß doch gar nicht, was da für Leute dann kommen, wenn man die eigene Tür aufmacht“, polterte ein Gemeinderatsmitglied los.

Und Anton Angerer kritisierte: "Wir sehen das Projekt sehr kritisch, zumal hier schon vom Flächennutzungs- und Bebauungsplan die Rede ist. Die Folge wäre eine Zersiedlung. Dazu kommt, wenn wir das jetzt genehmigen, dann schaffen wir einen Präzedenzfall und wenn zukünftig jemand mit einem ähnlichen Projekt daherkommt, können wir nicht mehr so einfach ablehnen. Wir haben hier schließlich auch eine moralische Verpflichtung."

Eine derartige Entscheidung würde zudem bei der Bevölkerung auf Unverständnis stoßen. Schließlich sei jahrelang alles abgelehnt worden, was im Außenbereich entstehen sollte.

"Wir wollen sanften Tourismus"

Bürgermeister Halmich entgegnete: "Ich sehe das hier nicht als Präzedenzfall, sondern sehe das als positive Angelegenheit und Chance". Drei Punkte, die für so ein Projekt nötig sind, seien vorhanden:

  • Das Grundstück stand vor Jahren schon mal zum Verkauf. Jetzt wird es wieder verkauft
  • Dann haben wir eine rechtliche Grundlage
  • und einen Investor, der unbedingt nach Marktschellenberg will
Ein derartiges Projekt lebe von den Rahmenbedingungen und die seien an dieser Stelle nicht einfach. Außerdem stünden dort bereits einige Hütten und Stadl, die auch nicht anders als die geplanten Chalets ausschauen würden. "Wir haben immer gesagt, wir wollen sanften Tourismus und den hätten wir hiermit," folgerte der Bürgermeister.

Clemens Wagner erkundigte sich daraufhin: "Man muss sich auch die Frage stellen, welchen Nutzen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Arbeitsplätze oder bezüglich der ökologischen Erhaltung des Landschaftbildes wir von diesem Projekt haben. Und welche Vorteile sich der Bürgermeister für die Gemeinde verspricht. Bisher reden wir immer nur von den Vorteilen für den Investor".

Franz Halmich führte daraufhin den positiven Effekt auf den Tourismus an und wies auf "eine mögliche, zukünftige Strukturverbesserung" und eine "Verbesserung der Übernachtungszahlen" hin. 

Zusätzlich ergänzte er: "Von so einem Projekt haben wir alle im Ort etwas. Vom Bäcker bis zum Gasthaus und den Handwerkern, die dafür gebraucht werden. Außerdem können wir in Marktschellenberg nicht einfach auf der Stelle stehenbleiben, sondern müssen auch an unsere Kinder und deren Zukunft denken."

Initialzündung für Marktschellenberg?

Als nächster mischte sich Marktgemeinderatsmitglied Dr. Michael Köhler in die Diskussion ein. "Aufgrund der Hanglage, wird ein Großteil der Chalets von unten gar nicht zu sehen sein. Ich sehe mit diesem Projekt für Marktschellenberg die Möglichkeit zu einer absoluten Initialzündung".

Desweiteren erinnerte er an die Zeit, als das Hotel Edelweiss in Berchtesgaden im Begriff war zu entstehen: "Als das Edelweiss gebaut wurde, hat jeder rum gewettert, obwohl damals in Berchtesgaden abends um acht die Bürgersteige hochgeklappt wurden. Jetzt freuen sich alle darüber, dass endlich etwas los ist. Und das wird auch Zeit für Marktschellenberg. Im Moment kann man niemandem empfehlen auch nur auf den Markt zu gehen, so viel wie bei uns leer steht und einfach nur fürchterlich ausschaut."

Bürgermeister Halmich beendete die Diskussion mit dem Hinweis, dass es ihm ein großes Anliegen war, die Öffentlichkeit über diese Projekt zu informieren. Als nächstes wird es eine öffentliche Versammlung geben, denn "wir brauchen als Gemeinderat den Input der Gemeinde für unseren Meinungsbildungsprozess. (...) Wir wollen nicht im Rahmen von Spekulationen diskutieren, sondern über Fakten sprechen."

Außerdem rief er alle beteiligten Nachbarn und Institutionen, wie zum Beispiel den Bund Naturschutz, dazu auf, seine Sichtweise darzustellen und sich an der Diskussion zu beteiligen.

Lesen Sie in einem weiteren Artikel auf BGLand24.de, welche Einwände die Bürger von Marktschellenberg gegen dieses Projekt haben und was der Bund Naturschutz dazu sagt.

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