Doch kein Glasfaserkabel für Marktschellenberg

Zurück in die Steinzeit? Telekom kündigt Eigenausbau an

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Marktschellenberg - Der Breitbandausbau im Berchtesgadener Talkessel ist ein ganz brisantes Thema. Die Ankündigung zum Eigenausbau in Marktschellenberg wirft die Marktgemeinde massiv zurück auf ihrem Weg in die digitale Zukunft.

Das Internet in Marktschellenberg ist nicht wirklich das Schnellste. Rund 50MBit pro Sekunde können hier maximal und nur im Ortskern erreicht werden. Und das teilweise auch nur dank Vektoring, was allerdings nur über DSL-Leitungen möglich ist. Um die Geschwindigkeit zu erhöhen sind zahlreiche Gespräche mit der Telekom geführt worden, die allerdings aufgrund von viel zu unattraktiven Vertragskonditionen zu keiner Lösung geführt haben. Ein Abbruch der Verhandlungen war das Ergebnis.

Wo bleibt der flächendeckende Ausbau des schnellen Internets?

Die Rettung sahen viele in möglichen Fördermaßnahmen vom Staat, die allerdings nur dann greifen, wenn kein Eigenausbau der Telekom realisiert wird. " Bis zum Jahr 2025 soll Deutschland ein flächendeckendes konvergentes Gigabitnetz bekommen. Die Umsetzung soll rund 80 Milliarden Euro kosten" so Infrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) im März bei der Vorstellung der Zukunftsoffensive Gigabit-Deutschland in Berlin. Damit wären mancherorts und auf längere Sicht sogar Übertragungsraten bis rund 250MBit pro Sekunde möglich.  

Wirft man einen Blick über die Grenze in das gerade einmal 15 Kilometer entfernte Salzburg, dann werden dort sogar fast doppelt so schnelle Übertragungsraten gehandelt. Durch die Kombination aus Glasfaser- und Kabel-TV-Netz gilt dort die Realisierung von bis 400 Mbit/s als zukünftiger neuer Standard

Zurück in die Steinzeit des Internets?

Mit der Entscheidung der Telekom, diesen Eigenausbau nun doch durchzuführen, scheint der Traum vom schnellen Internet in Marktschellenberg nun erstmal wieder auf Eis gelegt. Wie Bürgermeister Franz Halmich berichtet, hat die Telekom angekündigt den Ortskern und den Bereich Ettenberg selber auszubauen. Allerdings nicht mit Glasfaserleitungen sondern mit Kupfer. 

Hintergrund für die Entscheidung zugunsten einer Kupferleitung sind die aufwendigen und langwierigen Sanierungsmaßnahmen. Fällt ein Baum auf den Masten einer Glasfaserleitung und zerstört diese, dann kann sie nicht wie bei Kupfer kurzfristig repariert werden, sondern erfordert aufwendige Schweißarbeiten.

Das Resultat dieser Entscheidung: Kein Glasfaserausbau für den Ortskern Marktschellenberg und gesunkene Chancen, dass die anderen Bereiche von einem Zweitanbieter zukunftsorientiert ausgebaut werden können. Die Menge an zu versorgenden Haushalten im Ausbaubereich den die Gemeinde dann über die Breitbandförderung machen würde, wäre viel zu unrentabel.

Rubriklistenbild: © dpa

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