Höhlen-Drama: Patient stabil, Rettung naht!

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Der verunglückte Höhlenforscher Johann Westhauser
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Marktschellenberg - Die Hoffnung steigt: Der Transport des durch einen Steinschlag verletzten Forschers in der Riesending-Schachthöhle soll in Kürze beginnen. Die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen.

UPDATE, 18.10 Uhr:

Seit Mittwochabend sind die Ärzte vor Ort und können sich ein Bild vom Zustand des Patienten machen. Während der letzten Nacht ist die Entscheidung gefallen, dass der Patient transportfähig ist und somit mit der technischen Rettung begonnen werden kann. Der gesundheitliche Zustand des Patienten ist unverändert stabil.

Am Donnerstag Vormittag sind internationale Retterteams mit zusätzlichen Medikamenten und Rettungsmaterial in die Höhle eingefahren und zum Verletzten unterwegs. Die Ärzte bereiten den Verletzten medikamentös auf den Transport vor. Sobald alle nötigen Maßnahmen erfolgt sind, wird dieser umgelagert und der Transport kann beginnen.

Aufgrund der beengten Verhältnisse in der Höhle handelt es sich trotz des Einsatzes modernster Rettungsgeräte um eine große logistische Herausforderung. Insbesondere ist die Trage flexibel aufgebaut, um den Transport des Verunfallten auch in sehr engen Passagen zu ermöglichen. Es wird nicht zu vermeiden sein, dass einige Passagen ohne Trage zu bewältigen sind. Glücklicherweise kann der Verunfallte laut Entscheidung der Ärzte in diesen Passagen selbst mitarbeiten.

Durch die vorbereitende Arbeit der italienischen und österreichischen Höhlenretter wird die Arbeit der Transportteams sehr erleichtert. So wurden verschlissene Seile ausgetauscht, Seilstrecken verbessert, ergänzt und an einigen Stellen sogenannte Trittstifte in den Fels gebohrt, um das Vorankommen zu erleichtern. Jetzt werden die Biwak-Plätze erweitert und so aufgerüstet, dass größere Rettungsgruppen hier lagern können.

Die Wettersituation lässt weiterhin ein Arbeiten in der Höhle zu und wird ständig von der Einsatzleitung beobachtet. Auch am Abend sind Niederschläge zu erwarten. Solange sie kleinräumig bleiben kann ungehindert weiter gearbeitet werden. Auch Starkregen stellt für die Retter keine lebensbedrohliche Gefahr dar.

UPDATE, 14.45 Uhr:

Am frühen Nachmittag gab eine erneute Pressekonferenz Aufschluss über die Entwicklungen des Tages. Stefan Schneider von der Bergwacht Bayern erklärte, dass der verletzte Forscher nach eingehenden Untersuchungen durch die beiden hinabgestiegenen Ärzte am Morgen für transportfähig erklärt wurde. Somit kann die eigentliche Rettung des Patienten in Kürze beginnen.

Die Kommunikation funktioniere bestens und es seien insgesamt sechs Teams in der Höhle im Einsatz, um die Rettung zu koordinieren. Noch habe der Transport des Patienten aber noch nicht begonnen, weil ein wichtiger Teil der Ausrüstung - ein Tragesystem - noch nicht beim Patienten eingetroffen ist.

Arzt Michael Petermayer berichtete anschließend über den medizinischen Zustand des Patienten. Seinen Aussagen zufolge sei W. sowohl "psychisch als auch körperlich stabil". Petermayer wörtlich: "Wenn wir nichts anderes hören, gehen wir davon aus, dass alles gut läuft!" Bei seinem Aufstieg solle der Patient zum Schutz der Kopfes unter anderem eine Halskrause tragen. Allerdings sei der Forscher in der Lage, in gewissen Passagen die Trage zu verlassen. Auch die Gefahr einer Unterkühlung sei gebannt. Die Dauer der Rettung sei aber nach wie vor ungewiss. Darüber könne derzeit weiter nur spekuliert werden.

Abschließend erklärte Andreas Wolf, Einsatzleiter der Bergwacht, umfassend die technischen Herausforderungen des Einsatzes. Um die Rettung möglichst effizient zu gestalten, sei ein sogenannter "Logistik-Highway" zwischen den Biwaks 1 und 5 eingerichtet worden. Die Rettungsteams hätten aber keine baulichen Veränderungen in der Höhle, zum Beispiel durch den Einsatz eines Presslufthammers, vorgenommen. Das sei nicht nötig, so Wolf.

UPDATE, 9.10 Uhr:

In der vergangenen Nacht wurde von den Ärzten die Entscheidung getroffen, den Patienten zu transportieren. Momentan befindet sich ein Team mit zwei Ärzten und fünf Höhlenrettern beim Verletzten und bereitet ihn für den Transport vor.

Am Vormittag beginnen sechs Teams mit dem Einstieg in die Höhle. Sie transportieren die angeforderten Medikamente und das benötigte Rettungsmaterial zum Patienten. Die Vorbereitungen der letzten Tage in der Höhle erleichtern den Rettern die Arbeit.

Die momentane Wettersituation wird von der Einsatzleitung laufend beobachtet. Kleinräumige Niederschläge sind für Donnerstag zu erwarten, stellen aber für die Höhlenretter keine Gefahr dar.

Rettungsteams im Einsatz

UPDATE, 7.30 Uhr:

In der Nacht zum Donnerstag traf auch der zweite entsandte Arzt aus Österreich bei dem verletzten Stuttgarter ein, wie ein Sprecher der Bergwacht Bayern mitteilte. Der Schwerverletzte sei transportfähig, müsse jedoch zuvor behandelt werden. „Die Ärzte werden jetzt einen medikamentösen Schutzmantel um den Mann legen“, sagte der Sprecher. Dazu hätten sie spezielle Medikamente angefordert, die am Donnerstag bei dem Forscher eintreffen sollten. Sobald der Zustand des Patienten es erlaube, sei geplant, mit der Hilfe von sechs internationalen Höhlenretter-Teams die Bergung des Mannes aus der Höhle zu starten.

Bilder von der Rettungsaktion:

Höhlenrettung am Untersberg

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle am Untersberg

Der Mediziner aus Österreich war gut einen Tag über senkrechte Wände und enge Schächte unterwegs, ehe er den 52-Jährigen erreichte. Westhauser, der seit Jahren in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands forscht, hatte bei einem Steinschlag am frühen Sonntagmorgen ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, das normalerweise auf der Intensivstation behandelt wird.

LIVE-Ticker:

Westhauser habe von der Verletzung her wahrscheinlich das Schlimmste überstanden, sagte der Frankfurter Neurochirurg Michael Petermeyer. „Die Schwelle der maximalen Gefährdung ist überschritten, aber er ist noch nicht über den Berg“, sagte Petermeyer. „Was jetzt mehr oder minder schicksalhaft und nicht vorhersehbar ist, sind Blutungen.“ Der höhlenerfahrene Mediziner verstärkt die Einsatzleitung und kann bei Bedarf selbst in die Höhle gehen.

Petermeyer berät die Retter und ist in Kontakt mit seinen beiden Kollegen unter der Erde. Neben dem Arzt aus Österreich ist auch ein Kollege aus Italien eingestiegen. Man müsse abwägen zwischen einer zusätzlichen Gefährdung des Patienten beim Transport und einem weiteren Abwarten in der Tiefe bei etwa vier Grad, wo es zudem keine intensivmedizinische Betreuung gebe, sagte Petermeyer.

dpa

Das Video von der PK am Mittwoch:

Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse:

Hintergründe zum Unglück in der "Riesending"-Höhle

Am 7. Juni gegen 12 Uhr stieg eine dreiköpfige Forschergruppe in die Riesending-Schachthöhle ein. Die Höhle ist nicht nur die tiefste Höhle Bayerns, sondern sogar Deutschlands. Sie liegt im Untersberg an der deutsch-österreichischen Grenze. Unter Tage erstreckt sich das System auf vielen Kilometern im Berg. Ein riesiger Irrgarten, wie zum Beispiel das bereits mit über 30 Kilometer lang erforschte und kartierte "Gamslöcher-Kolowrat-System" auf der österreichischen Seite. Die deutsche Seite wurde erst vor circa 20 Jahren von der schwäbischen Arbeitsgemeinschaft "Höhlenkunde Bad Cannstatt" zur Erforschung in Angriff genommen. Im Jahr 2002 entdeckte eine achtköpfige Forschergruppe dann die tiefste Höhle, die jemals in Deutschland entdeckt wurde und benannten sie mit dem aussagekräftigen Namen "Riesending" aufgrund der enormen Größe.

Medienandrang am Untersberg:

Medienandrang am Untersberg

Diese Darstellung zeigt die vermutete Lage des verletzten Höhlenforschers. (Zum Vergrößern der Karte hier klicken)

Am 8. Juni gegen 1.30 Uhr nachts wurde gut 1000 Meter unter dem Eingang ein Höhlenforscher von einem fallenden Stein getroffen. Er erlitt eine Kopfverletzung und war kurzzeitig bewusstlos. Die Schwere der Verletzungen macht es ihm unmöglich, den Rückweg aus eigener Kraft zu bewältigen. Bei dem Schwerverletzten handelt es sich um den 52-jährigen Johann. W. aus dem Raum Stuttgart. Er ist einer der Mitentdecker der Höhle.

ÜBUNG: Höhlenrettung in der großen Spielberghöhle:

Nachdem ein Mitglied der Gruppe nach zwölf Stunden den Aufstieg hinter sich brachte, konnte er im nahegelegenen Stöhrhaus einen Notruf absetzen. Sofort wurden die umliegenden Bergwachten und die Höhenrettung Salzburger Land alarmiert. Da es sich bei der Riesending-Höhle allerdings um eine für Höhlenforscher konditionell und technisch sehr anspruchsvolle Höhle handelt, sind nur wenige Personen überhaupt in der Lage, Ab- und Aufstieg zu bewältigen. Aus diesem Grund sind mittlerweile die wenigen Experten, die es in ganz Europa gibt, an der Rettungsaktion beteiligt.

Die Pressekonferenz am Dienstag:

Für den notwendigen Transport von Johann W. ist es zwingend erforderlich, dass zuerst ein Arzt eine genaue Einschätzung seiner Verletzungen vornimmt. Erst nach einer ärztlichen Begutachtung kann das weitere Vorgehen geplant und veranlasst werden - was in der Nacht auf Donnerstag offenbar glückte, denn zwei Ärzte haben den Abstieg geschafft und den Verletzten für transportfähig erklärt.

Der Ort des Geschehens:

Aufgrund des komplizierten Aufbaus der Höhle, dem tiefen Unfallort des Verletzten in rund 1000 Metern Tiefe und den teils winzig engen Passagen kann nun mit der Rettung des Verletzten begonnen werden. Die Rettungskräfte gehen davon aus, dass es mindestens sechs Tage dauern wird, bis der Verunglückte an die Oberfläche gebracht werden kann.

Bilder vom Rettungseinsatz:

Rettungseinsatz am Untersberg

Rettungseinsatz am Untersberg (3)

Ein Risikofaktor ist hier auch das Wetter. Bei Regen können bestimmte Teile der Schachthöhle unpassierbar werden. Für die Retter stehen aber genügend Rückzugsgebiete zur Verfügung.

Die Pressekonferenz am Montag:

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