Bekommt Marktschellenberg ein Chaletdorf?

Bund Naturschutz lehnt Neubau von zehn Chalets ab

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Bekommt Marktschellenberg ein Chalet-Dorf?
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Marktschellenberg - Ein Stuttgarter Hotelier möchte gerne in Marktschellenberg ein Chaletdorf bauen. Auf der vergangenen Gemeinderatssitzung wurden dazu die ersten Infos vorgestellt. Der Bund Naturschutz ist wenig begeistert, das Bürgerfeedback sehr gemischt:

"Ich sehe dieses Projekt als eine absolute Initialzündung für Marktschellenberg", "Wir wissen doch gar nicht was für Leute da dann kommen" - zwei unterschiedliche Meinungen zu ein und demselben Konzept. Es geht um die Anfrage eines Stuttgarter Hoteliers, der in Marktschellenberg ein Chaletdorf mit zehn Einheiten bauen möchte. Vorgestellt wurde das Projekt auf der vergangenen Gemeinderatssitzung in der Marktgemeinde Marktschellenberg.

Der Sitzungssaal der Feuerwehr war übervoll, ein Teil der Bürger kam mit Protestschildern in die Sitzung. Ein anderer Teil hörte interessiert zu. Nach der Sitzung wurde noch lange diskutiert.

Fragen über Fragen

So machte eine Bewohnerin ihrem Unmut Luft: "Ich finde das nicht in Ordnung. Dieser Aufwand macht für 20 Betten einfach keinen Sinn. Und von der Gastronomie haben wir Schellenberger auch nichts, denn wir können ja nicht einfach zum Essen hochgehen, weil die nur für seine Gäste ist". Außerdem kritisierte sie: "Alles was die Einheimischen in der Vergangenheit bauen wollten, wurde abgelehnt, nur weil er Geld hat, geht jetzt auf einmal alles."

Ein anderer Bewohner Marktschellenbergs sah den Erfolg des Chaletdorfes mit sehr skeptischen Augen: "Es gibt schon einige Chaletdörfer in anderen Gemeinden, da haben sie genau das gleiche gemacht und dann haben sie nach einiger Zeit festgestellt, dass es nicht funktioniert. Daraufhin haben sie sich dazu entschlossen die Chalets als Eigentumshäuser zu verkaufen und dann ist ein Haufen Preußen gekommen um die als Ferienwohnung zu kaufen. Die kommen dann drei Wochen im Jahr und ansonsten stehen die Häuser leer. Und die eigenen Leute die hier aufgewachsen sind finden nix."

Diskussion auf Facebook

Auch auf Facebook wird über das Projekt diskutiert und vor allem über die kritischen Stimmen zu diesem Projekt:

"Des san de eignahtn, war oiwei schon so bloß nix neues" und "Endlich gäd a moi wos weida bei uns im Talkessel. Ned owei de Schoiklapn vor de Augn, Weida so", so schallt es den Kritikern des Projektes dort entgegen.

Kritik vom Bund Naturschutz 

Auch ein Vertreter vom Bund Naturschutz war während der Veranstaltung vor Ort. "Der unwiederbringliche Verlust Jahrhunderte alter landwirtschaftlicher Kulturfläche in exponierter und gut einsehbarer Hanglage wäre die Folge", so Paul Grafenwallner. 

Und ergänzt: "Der durch einen Baden Würtembergischen Investor verursachte Flächenfrass hat nun auch die bislang ländlich strukturierte und vom alpenländischen Baustil geprägte Marktgemeinde erreicht. Aber in der Bayerischen Verfassung ist verankert, dass es zu den vorrangigen Aufgaben auch von Gemeinden gehört, kennzeichnende Orts- und Landschaftsbilder zu schonen und zu erhalten, zudem ist der Boden als natürliche Lebensgrundlage zu schützen".

Kommt es zum Bürgerentscheid?

Abschließend betont der Paul Grafenwallner noch: "Die Stimmung der an der Gemeinderatssitzung teilgenommenen zahlreichen Bürgerinnen und Bürger jedenfalls hat deutlich gemacht, dass sie das Projekt vehement ablehnen und notfalls die Entscheidung über einen Bürgerentscheid selbst in die Hand nehmen werden. 

Der Bund Naturschutz wird die Bevölkerung dabei nach Kräften unterstützen."

Bürgerinformationsveranstaltung 

Für Mittwoch 4. Oktober 2017 lädt der Markt Marktschellenberg nun zu einer Informationsveranstaltung ein, in der über das Projekt gesprochen und diskutiert werden soll. Auch der Hotelier wird an dieser Veranstaltung persönlich teilnehmen und Fragen beantworten.

Die Veranstaltung beginnt ab 19 Uhr im Sitzungssaal der Feuerwehrhauses Marktschellenberg. BGLand24.de berichtet im Anschluss.

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