Höhlenkunde-Verein: Gemeinden gaben nichts

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Der Vorsitzende des Vereins für Höhlenkunde, Wolf-Dieter Förster (Mitte), freute sich mit den neu gewählten Hüttenreferenten Klaus Czech (links) und Dr. Michael Köhler.

Marktschellenberg - Das Jahr 2012 bescherte den Vorstandsmitgliedern des Vereins für Höhlenkunde Sorgenfalten. 

Zumal musste der Ausfall des Aggregats während der laufenden Saison bewältigt werden. So hatte Vorsitzender Wolf-Dieter Förster bei der Jahreshauptversammlung im Mehrzweckraum der Schellenberger Grundschule von einigen Finanzsorgen zu berichten.

Nach der Begrüßung und dem Totengedenken stieg Förster gleich in seinen Bericht ein und sprach von einem schwierigen Jahr 2012. So gab es 2011 Probleme mit dem Hüttenwirt, was letztlich zur Trennung führte. Auch die neue Wasseraufbereitung hat den Vorstand sehr beschäftigt. Nötig wurde diese Investition aufgrund von EU-Vorgaben. „Wir hatten ein funktionierendes Filtersystem mit einwandfreien Wasserwerten. Aber das durften wir nicht mehr verwenden, weil es sich nicht in der Liste der in der EU zulässigen Aufbereitungsanlagen findet“, schüttelte Förster den Kopf.

Gemeinden spendeten nichts

Gut 11.000 Euro kostet diese Anlage nun, ohne Einbau. Für den Vorsitzenden hieß es daher, Spenden zu sammeln und bei den beteiligten Behörden den notwendigen zeitlichen Spielraum zu erreichen. „Das Landratsamt hatte zunächst den Einbau bis Juli gefordert, das ging aber aufgrund der Schneelage schon gar nicht“, so der Vorsitzende. Auch das Spendensammeln war nicht überall von Erfolg gekrönt. So blieb etwa eine Unterstützungsanfrage beim Vorsitzenden des Tourismuszweckverbands, Stefan Kurz, erfolglos. Und auch von den Landkreis-Gemeinden kamen nicht mal geringe Spenden. „Trotzdem konnte ich insgesamt 7.000 Euro akquirieren, den Rest mussten wir über ein Darlehen finanzieren“, berichtete Förster.

Aggregat-Ausfall Hiobsbotschaft

Eine weitere Hiobsbotschaft ergab sich für den Verein mit dem Ausfall eines Diesel-Aggregats, mit dem die Akkus zur Stromversorgung der Toni-Lenz-Hütte gespeist werden. So musste Mitte August - mitten in der Saison - als Notlösung zunächst ein Miet-Aggregat auf den Untersberg geflogen werden. Für die Neubeschaffung war die Gemeinde Marktschellenberg zuständig, grünes Licht aus dem Rathaus kam laut Förster allerdings erst im Oktober. „Viel hätte nicht mehr gefehlt, und wir hätten die Hütte schließen müssen“, so Förster, „dem Verein sind bis zur Neubeschaffung jede Menge Kosten entstanden.“

Musiker kamen einfach nicht

Einen kritischen Rückblick gab es zudem auf die Bergmesse vergangenen Herbst, bei der die Musiker der Marktschellenberger Musikkapelle trotz Vereinbarung einfach nicht gekommen sind. „Ich finde es befremdlich und auch unfair, dass bis heute kein Grund dafür genannt wurde und auch niemand mit mir geredet hat“, monierte der Vorsitzende. Es gibt heuer aktuell eine Anfrage beim Verein, die aber noch nicht beantwortet wurde.

Neuer Hüttenwirt ein Glücksgriff

Bei allen Schwierigkeiten brachte das vergangene Jahr aber auch einen Lichtblick: „Unser neuer Hüttenwirt Christian Aiglstorfer ist ein echter Volltreffer“, freute sich Förster. Viele positive Rückmeldungen haben den Verein bereits erreicht. Zudem packt der gelernte Zimmerer auch bei der Instandhaltung der Toni Lenz-Hütte kräftig mit an.

Der Vorsitzende dankte zum Schluss seines Rechenschaftsberichts allen Unterstützern und Förderern des Vereins sowie Höhlenreferenten und Höhlenführern. Einen umfangreichen Überblick zur Finanzlage des Vereins gab Kassier Karl Sießmeier, der alle Daten offenlegte. Dr. Michael Köhler bescheinigte für die Kassenprüfer eine einwandfreie Kassenführung und lobte das solide Wirtschaften trotz hoher Ausgaben. Die beantragte Entlastung wurde einstimmig erteilt.

Schellenberger Eishöhle unbekannt

Schriftführer Michael Ernst informierte unter anderem über die Erlebnisse einer Werbefahrt, die er gemeinsam mit dem Vorsitzenden unternommen hat, um Prospektmaterial in Umlauf zu bringen. Ziel war diesmal das Salzburger Seenland und das Salzkammergut. „Bedauerlicherweise bekamen wir dort keine besseren Erkenntnisse als in den Vorjahren. Die Schellenberger Eishöhle ist in den Touristinfos nahezu unbekannt, selbst in Verbindung mit der Untersbergbahn kannte man sie kaum“, so Ernst: „Der Bekanntheitsgrad ist weiterhin ein Problem, an dem dringend gearbeitet werden muss.“

Auch heuer werden die beiden wieder die Touristinfos sowie touristische Einrichtungen in der Region besuchen. Der Bedarf an Werbematerial steigert sich dadurch doch erheblich, was die Vereinskasse belastet. „Aber sinkenden Besucherzahlen muss entgegengewirkt werden“, bekräftigte der Schriftführer.

Mehr Hilfe beim Eishacken nötig

Nachdem die Höhlenführer bei der Jahreshauptversammlung nicht dabei waren, gab der Vorsitzende einen kurzen Bericht. Ein besonderes Problem besteht demnach in der Vorbereitungszeit vor Saisonbeginn. Die Zahl der Helfer beim Eishacken hält sich sehr in Grenzen, die Hauptlast wird lediglich von zwei Höhlenführern getragen. Dies sollte geändert werden, appellierte Förster. Die Eishöhle soll an Pfingsten wieder für die Öffentlichkeit geöffnet werden.

Alle Hände voll zu tun hatte der stellvertretende Hüttenreferent Klaus Czech, der nach dem Rücktritt von Hüttenreferent Hans Ebner stark in die Pflicht genommen wurde. Den Schaden am Aggregat erlebte er hautnah und kritisierte den Zeitaufwand. Durch den schnellen Eingriff des Hüttenwirts konnte innerhalb eines Tages das Mietgerät auf die Hütte geflogen werden. Die Erschwernisse und Miet-Kosten vom Ausfall bis zur Neubeschaffung für den laut Meinung Czechs zu langen Zeitraum von zwei Monaten hätte man bei weniger Zögern der Gemeinde verringern können. Eigenhändig wurden von Czech sehr viele Arbeiten an der Hütte erledigt. Förster dankte ihm ausdrücklich für seinen präzisen, gewissenhaften und unermüdlichen Einsatz.

Neuwahl der Hüttenreferenten

Schließlich stand noch die Neuwahl von Hüttenreferent und Stellvertreter auf der Tagesordnung. Der Wahlausschuss mit Michael Ernst, Heinz Vonderthann und Johann Obermaier sorgte für die zügige Durchführung. Jeweils einstimmig wurden Klaus Czech zum Hüttenreferenten und Dr. Michael Köhler zu seinem Stellvertreter gewählt. 3. Bürgermeister Volkhard Geiger gratulierte, überbrachte die Grüße der Marktgemeinde und kündigte auch weiterhin Unterstützung für den Verein an. Daran wird sich die Gemeinde nun messen lassen müssen, hatte Wolf-Dieter Förster doch gleich einen Brief mit der Bitte um Hilfe im Gepäck.

tj

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