Mario Guggenberger schnitzt echte "Larven"

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Berchtesgaden - Den letzten Feinschliff verpasst Bildhauer und Schnitzer Mario Guggenberger seinen traditionellen Holzlarven. Bis zum Kramperllauf muss alles fertig sein.

Mario Guggenberger befindet sich auf der Zielgeraden. Zumindest was das Larven-Schnitzen für dieses Jahr anbelangt. Denn am 5. und 6. Dezember findet das Kramperl- und Buttnmandllaufen im Berchtesgadener Talkessel statt. Ein alter Brauch. In Stroh und Fell Gekleidete, die Larven tragen – aus Fell oder Holz. Der Tradition verpflichtet entscheiden sich viele der meist jungen Burschen für echte Berchtesgadener Masken – unverkennbar, wenig naturalistisch, handgeschnitzt. Guggenberger fertigt die Masken an, bemalt sie, stattet sie mit echten Kuhhörnern und Ziegenfell aus. Früher war er selbst ein Kramperl – aber ohne Holzlarve.

Mario Guggenberger schnitzt Traditionsmasken

Guggenberger ist gelernter Bildhauer. Mitte der 80er Jahre hat er auf der Berchtesgadener Schnitzschule gelernt. Zu dieser Zeit war er selbst ein Aktiver. „Zehn Jahre lang war ich in einer Pass“, sagt er. Eine Pass ist eine Gruppe von jungen Männern, die zusammen mit dem Nikolaus von Haus zu Haus ziehen, zu den Familien. Fast 40 solcher Passen gibt es im Talkessel. Und obwohl Guggenberger Schnitzer ist, hat er selbst nie eine Maske aus Holz getragen. „Bei uns hatte jeder eine Fellmaske“, sagt er.

Der Brauch ist viele Jahrhunderte alt. Holzlarven waren nicht die Regel – nicht jeder konnte schnitzen, die Herstellung war teuer. Und deshalb gibt es auch heutzutage noch viele Kramperl und Buttnmandl, die reine Fellmasken tragen. Im Laufe der Jahre hat sich Mario Guggenberger mit seinen Masken einen Namen gemacht. Es gibt weitere Schnitzer, die Berchtesgadener Larven herstellen – an einer Hand abzählbar. „Übung macht den Meister“, so lautet Guggenbergers Credo.

„Die jungen Burschen kommen zu mir und wissen meist ganz genau, was sie wollen“, sagt er. Jedes hölzerne Machwerk sei ein Einzelstück. Die Kunden bringen in der Regel Bilder mit, Vorstellungen dessen, was sie später für ihre Masken erwarten. Berchtesgadener Larven sind unverkennbar. Nicht so naturalistisch wie etwa Perchten. Am Anfang steht der einfache Holzblock: „Drei Holzstücke sind dort miteinander verleimt“, erklärt Guggenberger. Kiefernholz, ein leichtes Holz. Das sei wichtig, da die fertigen Objekte auf dem Kopf getragen werden. Ebenso ist es ein weiches Holz. Das erleichtert die Bearbeitung, sagt der Schnitzer. Kaum vorstellbar, dass aus dem Holzblock, der in Guggenbergers Werkstatt steht, am Ende eine typische Larve entsteht. Sobald die Masken-Maße feststehen, geht es an die Arbeit.

Mit der Kettensäge. Große Massen müssen zu Beginn abgetragen werden, schließlich soll am Ende ein wild dreinschauendes Konterfei dabei herauskommen. Zwischen sechs und acht Stunden dauert die reine Schnitzarbeit. „Je nachdem“, sagt er. Die Nase sei der höchste Punkt. An diesem gelte es sich zu orientieren. „Dann arbeite ich mich immer weiter in die einzelnen Ebenen hinunter“, berichtet der Handwerker. Dabei sei auch viel Fantasie erlaubt. „Aber es müssen die typischen Merkmale einer Berchtesgadener Larve enthalten sein.“ Keine künstlichen Glasaugen etwa, sondern Sehschlitze, die auch der Maskenträger

zum Beobachten nutzt. Viele Details gilt es zu beachten. Die Darstellung etwa soll nicht zu realistisch sein, nicht zu abschreckend. Sind Fehler erlaubt? „Ja“, sagt er, da sie jederzeit wieder herausgearbeitet werden können. Denn immerhin handelt es sich bei einer Berchtesgadener Larve um kein Porträt, wo detailversessene Genauigkeit verlangt wird.

In früheren Zeiten schon sei Berchtesgaden „die Hochburg für Grob- und Kerbschnitzerei“ gewesen, daher habe sich dieses Handwerk bis heute erhalten und werde regelmäßig nachgefragt. Momentan befindet sich Guggenberger in der Hochsaison. „Zwei Monate vor dem Kramperl- und Buttnmandllaufen im Dezember habe ich am meisten zu tun“, sagt der Schnitzer. Alles Auftragsarbeiten - die Kunden wüssten, was sie wollen. Erst die Grob-, dann die Feinarbeiten. Später die gewünschte Farbbemalung, dann das Anbringen von Ziegen- oder Schafsfell. Und auch die obligatorischen Kuhhörner gehörten zu einer echten Berchtesgadener Larve dazu. Holz war nicht immer Standard, sagt Guggenberger.

Pappmaché war ein beliebtes Material, aus dem früher die Masken gefertigt wurden und selbst von Blechvarianten in früherer Zeit ist die Rede. Heutzutage findet man solche aber nicht mehr. Um Einblicke zu bieten, was es in Sachen Traditionsmasken gibt, welche Farben, Formen und Verzierungen möglich sind, hat Mario Guggenberger zusammen mit den Maskenschnitzern Philipp Motz und Walter Schmiedberger eine Ausstellung anberaumt. Am Freitag, 25. November, und Samstag, 26. November, können Interessierte bei einer Ausstellung in Guggenbergers Werkstatt, Bräuhausstraße 18, von jeweils 9 bis 22 Uhr Berchtesgadener Masken aller Art bestaunen und sich darüber austauschen.

kp

Rubriklistenbild: © kp

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