Lebewohl vom Schulweg

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Berchtesgaden - Schülerlotsin aus Leidenschaft war Edeltraud Liebetrau. Mit Leib und Seele sei sie immer dabei gewesen - acht Jahre lang. Jetzt sagt sie "Servus".

Berchtesgaden sagt sie nun Lebewohl, nach 21 Jahren, nun geht es auf in Richtung Gelsenkirchen - der Gesundheit wegen. Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp hat Edeltraud Liebetrau offiziell verabschiedet.

Die Augen sind feucht, die Stimme zittert. Die Dame weiß nicht, was sie sagen soll, als Bürgermeister Rasp ihr einen Alpenstrauß überreicht, „zum Dank für alles, was Sie für uns getan haben.“ In acht Jahren Schülerlotsinnen-Dasein hat Liebetrau eine Menge erlebt, unzählige Male ist sie am Triembachereck gestanden, hat abertausende Schüler über die Straße begleitet, den Verkehr aufgehalten. Freundliche und weniger freundliche Autofahrer hat sie erlebt, solche, die immer wieder gerne stehenblieben, aber auch solche, die das Signal, jetzt anzuhalten, gerne übersahen, noch schnell durchrauschten.

„Sie war immer da, auch in schwierigen Zeiten“, sagt Erika Gugg, die Schülerlotsinnen-Sprecherin, der es schwer fällt, Edeltraud Liebetrau ziehen zu lassen. Besonders herausfordernde Jahre seien jene gewesen, als das Hotel Edelweiß noch eine Baustelle war, tagtäglich große Lastwagen über das Triembachereck in den Markt hineinfuhren. „Das war eine ganz schlimme Zeit“, sagt Erika Gugg. Liebetrau nickt mit dem Kopf, „ja, das war sie.“ Und dennoch schaut sie mit Wehmut zurück.

Gerne war sie im Amt der Schülerlotsin tätig. Zwei Gruppen gab es und gibt es immer noch, die Einteilung obliegt Erika Gugg, die die Pläne per Hand schreibt, in klassischer Weise persönlich aushändigt, Woche für Woche. Sorgen plagen die Schülerlotsinnen. Der Nachwuchs fehlt. „Das ist so eine Sache mit dem Ehrenamt“, sagt Bürgermeister Rasp. Ein Kampf, jedes Mal aufs Neue. Freiwillige Schülerlotsen meldeten sich so gut wie nie - trotz Briefe an die Eltern. „Wir haben da schon viele Dinge probiert.“ Mit wenig Erfolg, so Rasp. Bei Wind und Wetter, Sonne sowie Regen - die Schülerlotsinnen vom Triembachereck sind tagein, tagaus dort anzutreffen, „von sieben bis acht Uhr“, eine Stunde, „unsere Motivation sind die Schüler und Schülerinnen“, sagt Erika Gugg. Damit diese sicher in die Schule kommen.

Edeltraud Liebetrau legt Ihr Ehrenamt nun nieder, der Abschied fällt schwer. „Sie bleiben uns in guter Erinnerung“, sagt Bürgermeister Rasp.

kp

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