Kunstflugschau am Königssee sorgt für Unruhe

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Schönau am Königssee - Kunstflieger Hannes Arch sorgte für große Unruhe bei einer Kunstflugschau am Königssee. Nun hat er eine Klage der Staatsanwaltschaft am Hals.

Die Gewährleistung eines sicheren Luftverkehrs, das Abwehren von Gefahren für die Allgemeinheit, ein angemessener Schutz vor Fluglärm – „dies ist Maßstab aller unserer Entscheidungen“, heißt es auf dem Internet-Auftritt des Luftamtes Südbayern, jener verantwortlichen Luftfahrtbehörde für die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Schwaben. Von Seiten des Bund Naturschutzes und weiterer Berchtesgadener Bürger wird dies deutlich angezweifelt. Eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ist nun die Folge. Denn: Das Luftamt Südbayern hat anlässlich der vor drei Wochen zu Ende gegangenen Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft an der Kunsteisbahn Königssee einen spektakulären Kunstflug genehmigt. Der „Red Bull Air Race“-Weltmeister Hannes Arch zeigte mit seinem Flieger über den Köpfen zahlreicher Zuschauer abenteuerliche Flugmanöver. Zu abenteuerlich, bestimmte Auflagen wurden nicht eingehalten, wie nun auch das Luftamt Südbayern einräumt. Dem Piloten wird nun ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren angehängt.

 „Diese Fluggenehmigung zeichnet sich durch Ignoranz, Dummheit und Unvermögen aus“, sagt etwa Kurt Smetana aus Berchtesgaden, einer jener Bürger, der vollkommenes Unverständnis über die besagte Flugshow äußert. „Es muss immer erst etwas passieren“, sagt er. Passiert ist zwar nichts, dennoch lässt sich nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Ereignisses durchaus fragen, wie einige Berchtesgadener Bürger meinen. Zumal die gewählte Örtlichkeit, das Gebiet rund um die Kunsteisbahn Königssee, am Rande des Nationalparks Berchtesgaden liegt. Dessen Leiter, Dr. Michael Vogel, bestätigt, dass sich der Deutsche Bob- und Schlittenverband in Form von Generalsekretär Thomas Schwab im Vorfeld bei ihm gemeldet hatte. „Klar war, dass ein Kunstflug nicht im Gebiet des Nationalparks stattfinden darf.“ Nicht erkennbar sei, dass der Luftfahrzeugführer in den Nationalpark hineingeflogen war, sagt Vogel, der während der Show nicht selbst vor Ort war. „Ich habe mir nur den im Internet verfügbaren Mitschnitt eines Zuschauers angesehen“. Und dieses sechs Minuten und 45 Sekunden dauernde Video zeigt, dass der Pilot, zumindest am Ende seiner Show, gegen die vom Luftamt Südbayern auferlegten Forderungen, was die Flughöhe angeht, verstößt. „Ein die Sicherheit gefährdendes Flugmanöver zur Steigerung des Eventerlebnisses einer kleinen Bevölkerungsgruppe“, sei dies gewesen, sagt der Bund Naturschutz im Berchtesgadener Land. Nah über den Köpfen der Zuschauer raste das Flugzeug im Video hinweg, beeindruckend laut der Motor.

"Erlaubnis war erforderlich"

Ines Schantz, Pressesprecherin bei der Regierung von Oberbayern, Stabsstelle P, sagt: „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Kunstflug in Höhen über 450 Meter über Grund, sofern er nicht über Städten, anderen dicht besiedelten Gebieten und Menschenansammlungen stattfindet, keiner luftrechtlichen Erlaubnis bedarf. Im vorliegenden Fall war eine Erlaubnis erforderlich, weil die Vorführung bis zu einer Mindesthöhe von 100 Metern über Grund stattfand. Für die Beantragung genügte ein formloser Antrag mit einem entsprechenden Lageplan, in dem der vorgesehene Kunstflugraum eingezeichnet war.“ Wichtig sei bei der Genehmigung von Ausnahmen im Einzelfall die Sicherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, insbesondere dadurch, dass der Kunstflugraum über unbebautem Gebiet festgelegt ist und ein horizontaler Mindestabstand von 100 Metern zwischen Zuschauerraum und Vorführraum eingehalten wird. Der Bescheid der Regierung von Oberbayern schlüsselte insgesamt neun Auflagen für den Kunstflug-Piloten Hannes Arch auf, der sich nun mit einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren seitens des Luftamtes Südbayern konfrontiert sieht. Die Liste der Auflagen liegt der Heimatzeitung vor. So war eine Erteilung der Flugerlaubnis daran gekoppelt, dass „weder Personen noch Sachen gefährdet werden können“, dass sich der „Luftfahrzeugführer vor der Durchführung der Flüge über das Vorhandensein ausreichender Notlandemöglichkeiten“ informiert hat und der „Abstand zwischen Zuschauerbereich und der Begrenzung des Kunstflugsektors mindestens 100 Meter“ beträgt. Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, mochte sich zum Thema Sicherheit explizit nicht äußern, hält die Veranstaltung insgesamt aber für eine „gelungene Aktion und eine Aufwertung der Bob- und Skeleton- Weltmeisterschaft am Königssee.

"Unnötige und leichtfertige Gefährdung von Anwohnern und Zuschauern"

„Allein die örtlichen Gegebenheiten widersprachen aber dieser amtlich genehmigten Flugschau“, sagt etwa Kurt Smetana. Eine Veranstaltungsgenehmigung hätte, seines Erachtens, nicht erteilt werden dürfen, denn der „Flugbereich im bebauten Talkessel“ sei zu eng, dadurch ergebe sich eine „unnötige und leichtfertige Gefährdung von Anwohnern und Zuschauern“. Hinzu komme eine „immense Lärm- und Abgasentwicklung für Anwohner und Wild im Nationalpark Berchtesgaden“, der in unmittelbarer Umgebung angrenzt. Lorenz Brandner und Gaby Hopfgartner aus Schönau am Königssee fragen sich, was man als Bürger noch alles in Kauf nehmen müsse. „Fliegerangriff aus Salzburg“ kündigte sich an, sagen die Beiden. Nun sollen etwa „Sturzflüge über Hunderten von Zuschauern an der Rodelbahn völlig ungefährlich sein“, so die in den Raum gestellte Frage, bei der die Antwort klar scheint. Ob die Gefahr nicht doch deutlich vernachlässigt würde angesichts diverser Flugschau- Katastrophen in der Vergangenheit. Ganz nach dem Motto: "Alles für den Nervenkitzel". Die Pressestelle der Regierung von Oberbayern gibt sich auf Nachfrage zugeknöpft, eine ausweichende Antwort ohne Substanz. Ines Schantz dazu: „Kunstflüge sind für Piloten, die eine sogenannte Kunstflugberechtigung besitzen, bei Einhaltung der gesetzlichen Voraussetzungen, grundsätzlich genehmigungsfrei zulässig.“

Für diejenigen, die sich über den Kunstflug nun aufregen, ist jene Antwort unbefriedigend und dennoch lenkt das Luftamt Südbayern ein und leitet ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren gegen Hannes Arch, den Piloten, ein. „Erhalten wir - wie in vorliegendem Fall - Kenntnis, dass möglicherweise gegen die Auflagen in unserem Bescheid verstoßen wurde, leiten wir die erforderlichen Maßnahmen, in der Regel ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren, ein“, sagt Michaela Krem, ebenfalls Pressesprecherin bei der Regierung von Oberbayern. Grundsätzlich gehe man aber davon aus, dass Auflagen in einem behördlichen Bescheid „vom Adressaten auch beachtet werden“, meint Krem. Im Regelfall sei auch immer ein Sachbearbeiter für Luftaufsicht des Luftamtes Südbayern vor Ort, „der die Veranstaltung überwacht und, falls im Einzelfall erforderlich, luftaufsichtliche Maßnahmen trifft.“ Demgegenüber sei vorliegend lediglich eine Einzelgenehmigung zur Unterschreitung der Mindestflughöhe anlässlich eines einzelnen Kunstflugs erteilt worden, so die Pressesprecherin. „Aufgrund der Vielzahl dieser erteilten Genehmigungen ist es naturgemäß aber nicht möglich, dass bei jedem einzelnen Flug ein Sachbearbeiter für Luftaufsicht persönlich vor Ort anwesend ist“, sagt die für Presseanfragen zuständige Dame. Solange keiner hinschaut, passiert auch nichts. In diesem Fall hat der Bürger ein genaues Auge auf die Sache geworfen, die begangene Ordnungswidrigkeit seitens des Piloten dürfte aber kaum schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. Nächster Flug, neues Glück!

Kilian Pfeiffer

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