Lob und Kritik für Wegezustand im Nationalpark

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Nationalpark-Leiter Dr. Michael Vogel (r.) und Nationalpark-Mitarbeiterin Michaela Künzl (l.) präsentierten den Wirtsleuten vom Kärlingerhaus, Gabi und Siegfried Hinterbrandner, die neuen Infoeinheiten.

Berchtesgaden - Hauptthema der diesjährigen „Herbstbesprechung“ der Nationalparkverwaltung mit rund 30 Vertretern von Politik, Bergwacht, Deutschem Alpenverein und Hüttenwirten war der Zustand der Wanderwege.

Viel Lob gab es für die Sanierung einzelner Wege und Steige in den Bereichen Stubenalm, Klausbachtal und am Königssee. Diskussionspunkte bleiben die Verbindungen von der Röth zum Funtensee sowie der Steig über den Mandlgrat zum Hohen Göll.

„Die Probleme am Funtenseeweg sind uns bekannt und das erforderliche Baumaterial zur Sanierung liegt schon vor Ort bereit“, erläutert Dr. Roland Baier, stellvertretender Leiter des Nationalparks Berchtesgaden. „Die Erneuerung des Weges war in diesem Jahr geplant. Doch leider hat der Borkenkäfer derart große personelle und finanzielle Kapazitäten gebunden, dass wir die Maßnahmen auf 2011 verschieben mussten.“

Auch aus den Berichten der drei Revierleiter des Nationalparks wurde deutlich, dass die Bekämpfung des Borkenkäfers einen Großteil der Arbeitszeit der vergangenen Saison eingenommen hatte. Dennoch blieben finanzielle Ressourcen für den Unterhalt der Wege und Steige: Rund 425.000 Euro hat der Nationalpark im Jahr 2010 in die Sanierung der Wege und Steige investiert. Eine große Summe, die nach Ansicht von Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer dennoch nicht ausreicht: „Der derzeitige Zustand der Wege ist kein Aushängeschild für den Nationalpark“, beanstandete das Gemeindeoberhaupt. „Die Wege im Nationalpark sind die Perlen unserer Wanderregion. Hier muss mehr Geld und Personal von Seiten des Ministeriums zur Verfügung gestellt werden.“

Die Kritik griff Josef Seidenschwarz als Vertreter des Bayerischen Umweltministeriums direkt auf: „Vor zwei Jahren haben wir das Budget des Nationalparks für den Wegebau aufgestockt. Mehr geht im Moment leider nicht.“ Seidenschwarz betonte, dass aufgrund der wirtschaftlichen Lage in absehbarer Zeit nicht mit zusätzlichen Geldmitteln oder Personal für den Wegebau zu rechnen sein wird. „Ich empfehle Ihnen, Schwerpunkte in Ihrer Arbeit zu setzen, es geht nicht alles auf einmal“, so sein Appell an die Nationalparkverwaltung.

Hoch erfreut zeigte sich Dr. Baier über die trotz schwieriger Haushaltslage gesicherten Geldmittel für die Borkenkäferbekämpfung im kommenden Jahr. „Die Finanzierung ist für 2011 gesichert, außerdem werden wir die bewährte Steigbautruppe wieder einsetzen können.“ Vier bis sechs Mitarbeiter des Nationalparks werden in der kommenden Wandersaison jeweils von Montag bis Donnerstag ausschließlich im Steigebau eingesetzt, um effektiv und kurzfristig dort eingreifen zu können, wo es erforderlich ist.

Die Revierleiter des Nationalparks stellten im Folgenden die Arbeitsschwerpunkte der vergangenen Saison sowie ihre Planungen für 2011 vor. Im Revier von Matthias Hofbeck am Königssee standen 2010 der Fischunklweg und der Landtal-Steig sowie mit das Freischneiden des Kaunersteiges nach einem großen Windwurf auf dem Programm. Im kommenden Jahr plant Hofbeck vor allem die Sanierung des Funtenseeweges sowie des Mandlsteiges.

Im Revier Au-Schapbach hat Revierleiter Hans Neubauer den Wanderweg Nr. 443 bei Herrenroint abschnittsweise wieder instand gesetzt, ebenso wurde die Kührointstraße in Teilbereichen aufgekiest. 2011 werden der Watzmann-, Stuben- und Wimbachweg ebenfalls neu gekiest.

Werner Vogel, Revierleiter am Hintersee, berichtete über die Fertigstellung der neuen Hängebrücke mit Klammsteg im Klausbachtal sowie von Instandsetzungsarbeiten nach Hochwasserschäden nahe der Bindalm. Hinzu kam neben weiteren Aufgaben die Sanierung des Wanderweges zur Eiswandbrücke. „Im kommenden Jahr werden wir schnellstmöglich den unteren Anschlussweg zur Hängebrücke fertig stellen“, betont Revierleiter Vogel. „Dann können Wanderer die Bindalm vom Klausbachhaus bequem und sicher erreichen, ohne auf die Hirschbichlstraße ausweichen zu müssen“.

Im zweiten Teil der Herbstversammlung stellte der Wegereferent den Nationalparks den aktuellen Stand der neuen Beschilderung vor. Lorenz Köppl hat bislang rund 500 Stück der neuen, gelben Schilder in großen Teilen des Nationalparks aufgestellt. Im kommenden Jahr werden die Schilder auch im Steinernen Meer stehen. 2012 soll das Projekt mit dem Aufstellen der neuen Wegweiser am Hohen Göll abgeschlossen sein. „Eigentlich wollten wir mit der Neubeschilderung schon deutlich weiter sein, doch der so genannte Schwarzmarkierer hat uns im Sommer 2010 einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erläuterte der Wegereferent. „Die illegal angebrachten Wegemarkierungen im hinteren Klausbachtal mussten in aufwändiger Arbeit von unserem Team wieder entfernt werden, um zu verhindern, dass sich ortsunkundige Wanderer in weglosem Gelände verirren. Das hat Zeit gekostet.“

Zum Abschluss der Veranstaltung sprach Suitbert Kastner als Vertreter der Bergwacht die schlechte Beschilderung im Kehlstein-Gebiet an. Die Kennzeichnung der Wege sei „katastrophal“ und orientierungslose Wanderer machten immer wieder Einsätze der Bergwacht erforderlich. Teile des Kehlsteingebietes sind gemeindefreies Gebiet außerhalb des Nationalparks. „Wer ist hier der richtige Ansprechpartner“, fragte Kastner die Anwesenden. Peter Renoth als Vertreter des Forstbetriebs Berchtesgaden stellte klar, dass der Forstbetrieb Grundeigentümer sei und sicherte seine Unterstützung zur Verbesserung der Beschilderungssituation am Kehlstein zu.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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