Kranke Eschen am Königssee gefällt

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Die Eschen verbleiben nach der Sprengung als Hochstämme im Bestand. In den toten Stämmen werden Spechte, Fledermäuse, Bilche und weitere Arten wertvolle Brut- und Nistplätze finden.

Schönau am Königssee - Eine Spezialfirma für Sprengschnittverfahren hat am Dienstag auf St. Bartholomä mit der Fällung von 18 kranken Eschen begonnen.

Ein Pilz mit dem Namen „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ hat die Bäume befallen und das so genannte „Eschentriebsterben“ ausgelöst. Starke, tote Äste in den Kronen der Bäume drohten, auf den Wanderweg zu fallen. Aufgrund ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Verkehrssicherung hat die Nationalparkverwaltung entschieden, die Eschen zu fällen.

„Wir hatten keine Wahl und haben aus der Not eine Tugend gemacht“, erklärt Dr. Roland Baier, stellvertretender Leiter des Nationalparks, der die erforderliche Fällung der rund 100-jährigen Eschen zutiefst bedauert. „Nun bieten die Stämme neuen Lebensraum für Spechte, Bilche, Käuze und Fledermäuse. Starkes, stehendes Laubtotholz ist auch bei uns im Nationalpark selten.“

Sprengberechtigter Thomas Knollmann bereitete am Dienstag um 7 Uhr morgens die Sprengung der ersten Esche am Königssee vor.

Anstatt die Bäume bodennah zu fällen, werden die Eschen als so genannte Hochstämme in sechs bis acht Metern Höhe gekappt. „Der Anblick der toten Stämme mag für den einen oder anderen Betrachter zunächst ungewöhnlich erscheinen. Doch zahlreiche Tierarten freuen sich jetzt über neue Brut- und Nistmöglichkeiten“, erläutert der Experte die Artenschutz-Maßnahme zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Im Frühling werden als Ersatz für die kranken Eschen standortangepasste Laubbaumarten nachgepflanzt.

Zur Fällung der Eschenkronen in rund sechs Metern Höhe bediente sich die Nationalparkverwaltung einer sicheren, aber unkonventionellen Methode: der so genannten Baumsprengung. Thomas Knollmann vom Ingenieurbüro für Prozessautomation (ifp GmbH) in Weyarn bei München hat das bewährte, patentierte Verfahren bei den Eschen am Königssee angewendet: „Der Begriff Sprengung klingt ein wenig rabiat, doch das Verfahren ist ungefährlich für Waldarbeiter und geht sehr schnell“, erklärt der Experte. „Wir haben das so genannte Sprengschnittverfahren schon häufig bei schwierigen Fällungen angewendet. Zum Beispiel bei ineinander verkeilten und unter Spannung stehenden Baumgruppen nach Windwürfen oder bei Bäumen mit großem Totholzanteil in den Kronen.“

Das Expertenteam für Sprengwesen hat in rund sechs Metern Höhe kleine Löcher in die Stämme gebohrt und dort Sprengladungen angebracht. Am frühen Dienstagmorgen wurde der Sprengstoff in der ersten Esche am Rundwanderweg auf St. Bartholomä gezündet. Nach zwei kurzen Detonationen senkte sich die abgestorbene Krone in die zuvor berechnete Richtung. Die weiteren erkrankten Eschen werden in Kürze früh morgens und spät abends gruppenweise gefällt.

Die erste Esche ist gefällt: Roland Baier (2.v.r.), Thomas Knollmann (3.v.r.) und Stefan Drollmann (l.) von der ifp GmbH in Weyarn.

„Der beliebte Rundwanderweg auf St. Bartholomä muss jeweils nur für sehr kurze Zeit gesperrt werden“, freut sich Dr. Baier über den zwischenfallsfreien und schnellen Ablauf der ersten Sprengung. Nach Ansicht des Forstexperten bietet die Baumsprengung bei erhöhtem Unfallrisiko einen weiteren, wesentlichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Fällmethoden: „Bei einer Fällung der teilweise bereits abgestorbenen Bäume mittels Motorsäge hätten tote Äste aus einer Höhe von bis zu 30 Metern auf unsere Waldarbeiter herunter fallen können. Dieses Risiko können wir nicht verantworten“. Zudem wäre die Lärmbelästigung an dem hoch frequentierten Wanderweg bei der Arbeit mit Motorsägen über einen längeren Zeitraum groß gewesen. „Die Geräuschentwicklung beim Sprengschnittverfahren ist nur wenig größer als bei Gewehrschüssen“, erläutert Dr. Baier und rechnet aufgrund der Kürze der Aktion sowie der gewählten Jahreszeit nicht mit einer Beeinträchtigung der Tierwelt.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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