Kontakt mit dem Schleimrübling

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Berchtesgaden - In einer Pilzausstellung des Kongresshauses Berchtesgaden haben Pilzfreunde auf der 5. Bayerischen Mykologischen Tagung ihre Fundstücke aus der Umgebung präsentiert.

Im Nationalpark Berchtesgaden wurden in den vergangenen Tagen Pilze gesucht und gefunden – „wir haben viele Stellen ausmachen können, die für Pilz-Experten eine Besonderheit darstellen“, so Holzer. Die Funde seien grundverschieden gewesen. Von essbaren Pilzen, über unverträgliche, hin zu giftigen. „Einige sind auch tödlich“, weiß der Experte, der mit großem Eifer bei der Sache ist und den vielen Interessierten, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Möglichkeit des Pilz-Beschaus nutzten, hilfreiche Informationen gibt.

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Seltenen Pilzarten auf der Spur

Welche Pilze lassen sich besonders gut essen, wann ist der ideale Zeitpunkt zum Sammeln, worauf muss man achten? Grundsätzlich gilt: "Keinen Pilz roh essen", sagt Holzer, der mit seinen großen Händen ein um das andere Mal Fruchtkörper herumreicht, dreht, inspiziert. Etwa den Zunderschwamm, ein bis zu 30 Jahre alt werdender Pilz, dessen Fruchtkörper konsolenförmig angeordnet ist und eine beeindruckende Größe erreichen kann. Die Mittelschicht des Pilzes, die Trama, wurde bereits in der Vergangenheit zu Zunder verarbeitet, sagt er. Daher auch der Name. In einem aufwändigen Verfahren wurde jene Schicht eingeweicht, dann gekocht, später geklopft, in Urin oder Salpetersäure eingelegt. Schließlich wurde sie getrocknet. Die filzartige Masse, die dabei herauskommt, wurde – auch in der Neuzeit – zu Kappen oder Westen verarbeitet. Heinrich Holzer hat einige Exemplare mit dabei, die er den beeindruckten Besuchern vorführt.

Kontakt mit dem Schleimrübling

Den Namen des „Zunderschwammes“ trägt der Pilz, weil jene Masse, die nach besagten Arbeitsvorgängen herauskommt, bei Funkenberührung zu glimmen beginnt. Einst war die Nachfrage nach dem Pilz so groß, dass dieser etwa aus den skandinavischen Ländern importiert werden musste. Heutzutage hat er – wenn überhaupt – noch dekorative Zwecke, so Holzer, der Experte. Auch einen ganz besonderen Fruchtkörper reicht der Mann aus dem Bayerischen Wald herum, vorsichtig, denn das Gewächs entstammt einer verpuppten Larve. Pilzsporen waren in eine Raupe eingedrungen, hatten sich dort festgesetzt und das Insekt von innen aufgefressen. Der Fruchtkörper hat sich dann durch die Hülle geschoben und wächst dort nun auf seinem Wirt. „Mit den Funden sind wir zufrieden“, erklärt der Pilz-Fachmann, der unzählige Varianten vor sich liegen hat. Ob Fliegenpilz, Wurzelnder Schleimrübling, Ranziger Trichterling oder Gesäter Tintling – die Namen sind so unterschiedlich wie das Aussehen verschieden ist.

Ob Pilzesammeln im Berchtesgadener Raum wieder unbedenklich ist? „Naja“, sagt Holzer, „der Vorteil der Region ist, dass hier Kalkböden sind, die das Cäsium aus Tschernobyl besser einlagern, als etwa im Nationalpark Bayerischer Wald.“ Dort sei die Gefahr verseuchter Pilze deutlich höher. „Es kommt halt immer drauf an“, sagt er. Das Berchtesgadener Land und der Bayerische Wald seien nun mal jene Gebiete, die nach der Atomkatastrophe am meisten in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Die Halbwertszeit von Cäsium beträgt etwa 30 Jahre.

kp

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