Keiner kann’s so wie der „Klufti“

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Großes Interesse an Kommissar Kluftingers Romanen zeigten die Besucher der „Best of Klufti“-Lesung.

Berchtesgaden – Er ist schrullig, aber liebenswert, in manchem Moment fern der Zeit, ein wenig trottelig, darf man so sagen – aber in jedem Fall lesenswert: Kommissar Kluftinger, der Kemptner „Super-Bulle“.

Im Kongresshaus Berchtesgaden fand kürzlich eine kriminalistisch-komödiantische Lesung des Erfolgsautoren-Duos, Volker Klüpfel und Michael Kobr, statt – eigentlich. Erschienen war nämlich nur der Kobr, was ihm im ersten Moment aber keiner der Zuschauer im ausverkauften Saal abnehmen wollte. „Der Volker liegt krank im Hotel, ich mach’s heute alleine“.

„Ein Autogramm, bitte!“ Erfolgsautor Michael Kobr erfüllte den Wunsch umgehend.

Fünf Kriminalfälle rund um den Erfolgskommissar sind bislang auf dem Buchmarkt erschienen, der sechste Fall folgt im Juni. Und dass die Anhängerschaft des Kommissars in Berchtesgaden so groß ist, damit hatte auch ein Ehepaar aus dem Publikum nicht gerechnet: „Ich dachte, wir sind hier heute unter uns“. Falsch gedacht! Kommissar Kluftinger, der Kässpatzn essende Ermittler mit der eigenwilligen Vorgehensweise, lockt seine getreuen Leser von nah und fern. Dass die Lesung dann alles andere als monoton sein sollte, wurde schon nach wenigen Momenten deutlich: Michael Kobr gelang es in einzigartiger Weise Passagen aus den fünf bislang erschienenen Kluftinger-Büchern vorzutragen, mit Leben zu erfüllen – vor allem seines Dialekts wegen, den er dem Kommissar maßgeschneidert auf den Leib zauberte, in den Mund legte, so, als säße man dem Allgäuer Kommissar von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Nicht nur, dass die Romane wunderbar leicht zu lesen sind, liebenswert das Setting, der verschrobene Polizist in Haferlschuhen, nein, das besondere Augenmerk gilt dem darstellerischen Können Michael Kobrs, der seine Sache auf der Bühne, an seinem Tischchen, auf dem fünf Romane und eine Packung „Russisch Brot“ Platz finden, ganz besonders gut macht. Mit viel Einfühlungsvermögen übernimmt er Kommissar Kluftingers Rolle, füllt diese aus, spendiert dem Ganzen eine zusätzliche Würze dank seines Lesestils. Zwar kam man als Zuhörer nicht in den Genuss, das Erfolgsautoren-Duo, das seine Bücher bislang hunderttausendfach verkaufen konnte, gemeinsam zu bewundern, und dennoch war man mit dem Auftritt des Einzelprotagonisten mehr als zufrieden. Das „Russisch‘ Brot“ war zwar eher erheiterndes Beiwerk, die einzelnen Buchstaben, wahllos aus dem Haufen trockenen Gebäcks gezogen, kündigten Episoden aus den Krimi-Büchern an. Eine gewöhnliche Lesung geht anders. Und doch war man froh, in einer ungewöhnlichen zu sitzen. In einer, bei der das kabarettistische Vermögen zum wahrlich beeindruckenden Ausdruck kam. Kobr machte das in seiner für sich eher zurückgenommenen Art, er scheut den Applaus, Zugaben mochte er nicht geben, er umging die typische Förmlichkeit eher. Zum Lachen verleitend hatte Kobr jene „Best of“-Stellen aus den Romanen ausgewählt, die weniger mit Kluftingers Ermittlungen zu tun hatten, als vielmehr mit Episoden aus seinem Privatleben, dort, wo auch sein äußerst unbeliebter Bekannter, Martin Langhammer, der Dorfarzt, vorkommt. Jenem Arzt gelingt es immer wieder, den Kommissar der Lächerlichkeit auszusetzen, ihn in Situationen zu bringen, wo der Fremdscham überwiegt. Ohne Zweifel hervorragend gewählt sind jene besagten Szenen, Lachgarantie zuhauf. Der „Klufti“ hat schon so manche peinliche Situation durchgemacht, so dachte man als Zuhörer immer wieder, sobald man mit den verdichteten Szenen einer jahrelangen Allgäuer Ermittler-Karriere konfrontiert wurde. Dass der Autoren-Auftritt von Erfolg gekrönt war, ließ sich spätestens im Anschluss an die Lesung feststellen. Vom liebenswerten Vortrag überzeugt, bildete sich eine Schlange Wartender, die an der reichhaltig mit Büchern bestückten Verkaufstheke ihr ganz eigenes Exemplar mit nach Hause nehmen wollten.

„Die coolste uncoole Sau aus dem Allgäu“

Das Erfolgsautoren-Duo hinter "Kommissar Kluftinger": Volker Klüpfel (l.) und Michael Kobr.

Kommissar Kluftinger ist Kult. Hunderttausendfach verkauft, sind die Werke des Erfolgsautoren-Duos Michael Kobr und Volker Klüpfel weit über die Grenzen ihrer Heimat, das Allgäu, bekannt. Eine Lesung in Berchtesgaden, „Best of Klufti“, sorgte kürzlich für einen ausverkauften Kongresshaussaal. Im Vorfeld hatte bgland24.de Gelegenheit, mit dem Autoren-Team zu sprechen.

Sie haben mit Ihren Büchern unglaubliche Erfolge einfahren können. Was ist, Ihrer Ansicht nach, das Erfolgsgeheimnis?

  • Volker Klüpfel: Da Sie ja schon festgestellt haben, dass es ein Geheimnis ist, dürfen wir natürlich nicht darüber sprechen.
  • Michael Kobr: Es steht und fällt natürlich mit Kommissar Kluftinger. Den haben die Leute – auch wir – mittlerweile so ins Herz geschlossen, dass sie einfach wissen wollen, wie es mit diesem Herrn weitergeht.

Wie war Ihre Erwartungshaltung zu Beginn? Wird der Druck mit zunehmendem Erfolg nicht unerträglich?

  • Klüpfel: Wir gingen davon aus, dass jeder unserer nächsten Verwandten mindestens ein Buch kauft und eins verschenkt. Und Druck spüren wir nicht, das Schreiben ist unverändert geblieben: Man sitzt alleine vor seinem Computer. Die Menschen, die es später lesen, bleiben eine abstrakte Vorstellung.
  • Kobr: Volker kann sich ja auch immer denken: Ich hab ja den Michi, der wird das schon wieder hinbiegen, wenn ich was falsch mache…

Kommissar Kluftinger – was ist das eigentlich für ein „Typ“?

  • Klüpfel: Die coolste uncoole Sau, die im Allgäu rumläuft.
  • Kobr: Das ist mal eine eher populärwissenschaftliche Einschätzung meines Co-Autors. Aber vielleicht hat er damit ja tatsächlich recht.

Eine Romanfigur zu erschaffen, hat oft mit einer sich zugetragenen Begebenheit zu tun. Wie war es bei Kommissar Kluftinger?

  • Klüpfel: Nichts dergleichen. Klufti ist eine reine Kopfgeburt. Dafür hat er sich aber prächtig entwickelt, wenn man bedenkt, welchen Köpfen er entsprungen ist.
  • Kobr: …aber er entstand – was mich angeht, zumindest – aus einem Bedürfnis, einen ganz normalen Typen abzubilden. Keinen zerknitterten Psychopathen, der dreimal geschieden ist und jetzt dem Suff anheimgefallen ist, keinen Derrick, der in seiner Freizeit offenbar so abartige Dinge tut, dass man die gar nicht zeigen kann, aber auch keinen Lackaffen, der wahnsinnig schlau ist und dem alles gelingt.

Was konnte das Publikum bei Ihrem Programm „Best of Klufti“ erwarten?

  • Klüpfel: Als wir festgestellt haben, dass, wenn wir „Best of“ wirklich wörtlich nehmen, nur etwa fünf Minuten Programm füllen können, haben wir uns entschlossen, die Zuschauer als Teilnehmer eines fiktiven Literaturseminars zu behandeln. Was dabei rauskommt, ist eine einzigartige Mischung aus Interaktivität und Inkompetenz.
  • Kobr: Exakt beschrieben, ich bin als Deutschlehrer ja vom Fach, von mir kommt also die Interaktivität.

Und die Personen hinter Kommissar Kluftinger? Was gibt es über die zu sagen?

  • Klüpfel: Also, Erika hat ihn trotz allem lieb, und sein Sohn ist auch okay.
  • Kobr: Bei „Best of Klufti“ spielen die natürlich eine ganz zentrale Rolle. Denn nur im Kontrast zu ihnen kann der Klufti wirklich zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt ist.

kp

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