„Kein Kitsch, nur ehrliches Handwerk“

Auch an einen Streichelzoo hat man bei den Machern gedacht. Fleißig gefüttert, dankt es einem das tierische Gegenüber.

Berchtesgaden – Unter frostigen Temperaturen und einer großen Schar Interessierter ist am Samstag der „Berchtesgadener Advent“ feierlich eröffnet worden.

Nach Monaten der Vorbereitung ist es der Berchtesgadener Advent GmbH gelungen, einen Adventsmarkt auf die Beine zu stellen, der sich beinahe über den gesamten Marktbereich erstreckt. Inklusive Kinderhütten komme man auf 39 Verkaufsgelegenheiten, so Geschäftsführerin Brigitte Reiter. Bereits am Donnerstag hatte die Vorlaufphase des vorweihnachtlichen Standlmarktes begonnen – „erfolgreicher, als wir uns ausgemalt hatten." Der Berchtesgadener Advent rechnet im ersten Jahr mit etwa 30.000 Besuchern.

Im Markt herrschte am Samstag reges Treiben, viele Besucher waren unterwegs, trotz Minusgraden, die so manchen frösteln ließen. Neben dem Adventsmarkt war es auch die Marktgemeinschafts-Initiative „Ein Tag für Pakistan“, die das Interesse der Besucher weckte. Mit einem Einkauf etwas Gutes tun. Bis zu zehn Prozent des Umsatzes spendeten die Geschäftsleute für Pakistan, für ein Projekt, das 20 Einfamilienhäuser umfasst. 20 Häuser, finanziert durch die Einkäufe jener Marktbesucher, die gespannt der offiziellen Eröffnung des Berchtesgadener Adventes entgegenfieberten.

Ausgestattet hatten sich zu diesem Zeitpunkt die meisten bereits mit einem Glühwein, serviert in einer eigens gestalteten „Berchtesgadener Advent“-Tasse. Einige Zehntausend davon hatte man im Vorfeld geordert, bei den Gesellschaftern hofft man, dass diese an den Kunden gebracht werden. Und fragt man bei Geschäftsführerin Brigitte Reiter nach, macht sich Optimismus breit. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir sehr zufrieden“. Können sie auch sein – der Markt ist gut gefüllt, überall bilden sich Menschentauben, speziell dort, wo ein wenig Wärme auszumachen ist.

Wärmen im Kollektiv, mit einer Glühweintasse in der Hand, rot oder weiß – „da ist aber ordentlich Alkohol drin“, sagt eine Dame mit einem Lächeln im Gesicht, rote Bäckchen, dick in Winterkleidung eingemummelt. Durchaus möglich, dass ihre Tasse bereits eine zweite Befüllung hinter sich hat. „Der schmeckt richtig gut, weiß besser als rot“.

Berchtesgadener Advent eröffnet

In den letzten Jahren sei der ehemalige Christkindlmarkt, so, wie er die letzten Jahre über existierte, immer wieder in der Diskussion gestanden. „Seit 30 Jahren gehörte er zu Berchtesgaden dazu“, sagte Reiter. Allerdings ohne großartige Änderungen, die das Konzept wesentlich verändert hätten. Der Schlossplatz war eng mit dem Christkindlmarkt verbunden, darüber hinaus gab es wenig Weihnachtliches, was den Markt zum Leben hätte erwecken können. „Wir wollten ein paar Veränderungen und deshalb haben sich einige Geschäftsleute zusammengesetzt, um darüber zu beratschlagen“, so Reiter. „Wenn wir etwas machen würden, sollte es etwas Gescheites sein“.

Einen besonderen Dank sprach sie Bürgermeister Franz Rasp aus, der während der gesamten Planungsphase immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden hatte, Änderungen zuließ. So bleibt das alleinige Verkaufsrecht von Getränken bei der Berchtesgadener Advent GmbH, die mehr als 200.000 Euro investiert hatte, um das Konzept umsetzen zu können. Über die Talkesselgrenzen hinaus soll der Berchtesgadener Advent nach und nach an Bedeutung gewinnen, Tagesgäste in einem Einzugsbereich bis 100 Kilometer erreichen. 2012 wolle man bereits 80.000 Besucher zählen, sofern es nach den Vorstellungen der Gesellschafter geht.

Neben den vielen Verkaufsstandln hat man 20 große Holzfiguren schnitzen lassen, an den Berchtesgadener Christbaumschmuck angelehnt, sich für insgesamt 500 Christbäume entschieden, die im Marktbereich aufgestellt wurden, 250 davon allein auf dem Schlossplatz, der auch weiterhin ein beliebter Anziehungspunkt ist. Ein für Kinder angedachtes Baumlabyrinth lockte bereits am Wochenende zahllose junge Besucher und Besucherinnen durch das Wirrwarr an Bäumen – der Weihnachtsgeschichte folgend kam man schließlich auch am gewünschten Ziel an.

„Hat jeder einen Glühwein“, so die Frage des Bürgermeisters in die Traube von Menschen, die sich rund um den Weihnachtsschützenplatz versammelt hatte. „Es ist doch einfach bärig hier“, sagte Rasp, „kein Kitsch, sondern nur ehrliches Handwerk“. Jeder sei „bei uns“ herzlich willkommen. Gutes Essen, etwas „Gescheites“ zu trinken – „eine Freude, hier zu sein“, so Rasps Fazit, der auf das Erreichte, auf Berchtesgadens allgemeine Aufbruchsstimmung, die spätestens seit dem Bau des Hotel Edelweiß eingesetzt hatte, stolz ist. Klar, dass auch Hotelier Peter Hettegger, einer der Gesellschafter des Berchtesgadener Advent, da ist, sich bewusst aber im Hintergrund hält. Er hatte das Konzept, welches bereits auf dem Adventsmarkt im österreichischen St. Wolfgang aufgegangen war, in Berchtesgaden angepriesen, die Initialzündung gegeben, wie aus Gesellschafterkreisen zu hören ist. Mit dem Ergebnis zeigt sich auch Hettegger sichtlich zufrieden. „Gefällt’s Euch?“, fragt er am Schlossplatz, in kleiner Runde. „Aber sicher doch, sehr schön“, so die Antwort. Ein weiteres Etappenziel – erreicht. Noch bis zum 24. Dezember hat der Berchtesgadener Advent geöffnet.

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