Kein Kindersitz: Teuer bezahlter Oberarmbruch

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Großes Medienecho: Der Fall von Andrea Wächter sorgte für landesweites Medieninteresse in Österreich.

Salzburg - Die Berchtesgadenerin Andrea Wächter war mit ihrem verletzten Sohn in Österreich im Auto unterwegs – ausnahmsweise ohne Kindersitz: Jetzt soll sie 220 Euro Strafe zahlen.

Andrea Wächter aus Berchtesgaden ist mit ihrem damals achtjährigen Sohn Max unterwegs, der einige Tage zuvor eine schwere Oberarmfraktur erlitten hatte, angeschnallt ist, aber der Kindersitz wurde entfernt – mit Absicht. „Der Anschnallgurt hätte Max bei erhöhter Sitzposition auf die Verletzung gedrückt“, sagt Andrea Wächter heute.

Bei Grödig kommt das Auto der Familie in eine Fahrzeugkontrolle, eine Polizistin fragt nach den Papieren. Soweit ist alles in Ordnung, bis die Dame Max auf der Rückbank erblickt. Die Anzeige folgte, 200 Euro Strafe soll Familie Wächter zahlen. Andrea Wächter hat Berufung eingelegt, die Strafe lautet nun: 220 Euro. In Österreich hat es der Fall landesweit in die Medien geschafft.

Gegen 12.05 Uhr des 7. Julis, Grödiger Landesstraße, wird Andrea Wächter von einer Polizistin der Polizeiinspektion Anif aufgehalten. „Auf der Rückbank befand sich ihr Sohn Max, welcher lediglich mittels Sicherheitsgurt, jedoch ohne entsprechenden Kindersitz befördert wurde“, so die Polizistin einer Stellungnahme zu den Einspruchs- und Rechtfertigungsangaben. „Faktum ist, dass Andrea Wächter keine Ausnahmebescheinigung über irgendeine Befreiung (ärztliches Gutachten) mitführte. Es wurde auch im Gespräch während der Amtshandlung nicht erwähnt, dass es sich um eine Ausnahmesituation handle und daher ein entsprechender Kindersitz nicht benötigt werde“, so die Polizistin.

Andrea Wächter ist sich ihres Vergehens auch durchaus bewusst, gibt es doch gewisse Regeln, die das Gesetz der Straße vorschreibt. „In diesem Fall geht es mir um die Menschlichkeit“, sagt Wächter. „Als die Polizistin meinen Sohn auf der Rückbank entdeckt hatte, ging es nicht mehr um meine Papiere, sondern nur noch um den fehlenden Kindersitz“. Konsequenzen werde das haben, zitiert die besorgte Mutter die damals diensthabende Polizistin. „Ich bin ganz sicher, dass in dieser Ausnahmesituation auch der österreichische Gesetzgeber hier vorsieht, dass bei der gegebenen Situation die Kindersitzfläche entfallen kann, eine Angurtung hat ja bestanden“, sagt Wächter.

Dass der Sohn offensichtliche Schmerzen hatte, weil er vier Tage zuvor über einen Hühnerzaun gestolpert war und sich einen komplizierten Oberarmbruch zugefügt hatte, ließ die Dame außer Acht. „Die Anzeige folgt“, wurde der Familie mitgeteilt. Eineinhalb Monate später trifft postalisch der Strafbescheid ein – 200 Euro soll die Familie zahlen, ein Schock. Eine Berufung wird eingelegt, die Beschwerde wird Anfang August abgewiesen. Nun soll die Familie 220 Euro zahlen – eine zusätzliche Verwaltungsgebühr wird der Berchtesgadenerin aufgebrummt.

Andrea Wächter wendet sich an den Unabhängigen Verwaltungssenat des Landes, der wiederum neu entscheiden soll. Reinhold Mayr, Leiter der Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung erfuhr aus dem Radio von dem Vorfall. Freude habe er mit dieser Entscheidung zwar keine, wenngleich formalrechtlich „korrekt eingeschritten“ wurde. Andrea Wächter wünscht sich indes eine Einstellung des Verfahrens, „in eventueller Situation eine wesentliche Reduzierung der über mich verhängten Strafe“, sagt sie und pocht auf die Menschlichkeit. „Es geht mir nicht darum, dass ich von der Schuld freigesprochen werden möchte. Ich habe Fehler gemacht. Es geht nur um die Frage, wie man an so eine Sache herangeht“.

Reinhold Mayr von der Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung macht Wächter Hoffnung: „Der Unabhängige Verwaltungssenat entscheidet völlig neu. Er kann alles bestätigen, es aber auch bei einer Ermahnung belassen."Auf diese hofft die Fahrzeuglenkerin. Wenn nötig „ziehe ich aber auch bis vor das höchste Gericht“.

kp

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