DB: Kein Interesse an Barrierefreiheit

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Berchtesgaden - Schlechte Nachrichten für Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwägen: In Sachen Barrierefreiheit soll sich am Bahnhof nichts ändern. Was die Bahn sagt:

Für Rollstuhlfahrer, Reisende und Mütter mit ihren Kinderwägen ist die Situation am Bahnhof nicht zufriedenstellend. Eine Rampe beim Eingangsbereich, die Barrierefreiheit garantieren würde, gibt es nicht (wir berichteten). Ein Schild, angebracht von der Deutschen Bahn, verweist darauf, dass man eine Wegstrecke von 300 Metern um das Bahnhofsgebäude zurückzulegen hat, um bei der Wartehalle mit dem angeschlossenen Gleisbereich anzugelangen. Nun, nach über einer Woche Wartezeit, hat sich auch die Deutsche Bahn in dieser Sache zu einer Stellungnahme entschlossen. Mit ernüchterndem Ergebnis.

Franz Lindemair, leitender Pressebeauftragter der Region Bayern, sagt, die Pläne der Deutschen Bahn in Sachen Bahnhof Berchtesgaden seien derzeit nicht zufriedenstellend. „Aber ich erkläre Ihnen auch gerne, warum das so ist“, so Lindemair. Fakt ist, dass die Deutsche Bahn momentan überhaupt keinen Plan hat, in nächster Zukunft eine Rampe zu errichten. „Das begründet sich damit, dass auf die drei Stufen, wo eine Rampe möglich erscheint, eine schwere Holztür folgt“, meint der Bahn-Sprecher. Spätestens dort würden Rollstuhlfahrer erneut auf Hilfe angewiesen sein. „Und dann stünden wir wieder vor einem Problem.“ Eine Rampe wäre also keine Hilfe, erklärt er. Die gegenwärtige Lösung sei in den Augen der für den Bahnhof Berchtesgaden Verantwortlichen die beste Lösung. „Auch, wenn es einen Umweg darstellt, 300 Meter zu den Gleisen zu laufen.“ Bei der Bahn sei man sich schon bewusst darüber, „dass die Situation nicht befriedigend ist“, sagt Lindemair. Eine Änderung herbeizuführen, kommt scheinbar aber nicht in Frage.

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Wie schaut es mit einem elektrischen Türöffner aus? Also eine Lösung per Druckknopf. Sven Hosse, der Vorsitzende der Behinderten-Integration Berchtesgaden, hatte in der Vergangenheit gegenüber der Heimatzeitung berichtet, derartige Möglichkeiten seien vielerorts Standard. „Ja, so etwas gibt es schon“, sagt Lindemair. Nur nicht in Berchtesgaden. Und da wird es auch nicht so schnell hinkommen. „Die Prioritäten liegen woanders.“ 1.010 Bahnhöfe gibt es in Bayern, weiß Lindemair. Ein Zukunfts-Programm zusammen mit der Bundesregierung und der Deutschen Bahn soll den „barrierefreien Ausbau an deutschen Bahnhöfen ermöglichen.“

Hierzu wurden Mittel bereitgestellt. Allerdings werden die Mittel „nur bei großen Bahnhöfen, die tausende Reisende haben“, eingesetzt. Ab 2013 werde verhandelt, wo die Maßnahmen durchgeführt werden, sagt er. Eine Reihe von Bahnhöfen stehe auf der potenziellen Liste, die in die engere Wahl kommen könnte. „Berchtesgaden ist nicht darunter. Dazu ist der Bahnhof zu klein.“ Zum Schluss des Gesprächs hat er dennoch eine positive Mitteilung abzugeben. „Der Berchtesgadener Bahnhof hat zwar nicht so viele Reisende, aber es werden deutlich mehr in der letzten Zeit. Das freut uns sehr“, sagt er.

Pressemitteilung Kilian Pfeiffer

Rubriklistenbild: © red

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