Kasernen-Frage: Vorsichtiger Optimismus!

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Bischofswiesen – „Vorsichtig optimistisch“ ist Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer, wenn er über die Zukunft des Bundeswehrstandortes Bischofswiesen/Strub spricht.

Sein Bauchgefühl könnte schlechter sein, „doch die Signale, die ich in letzter Zeit erhalten habe, stimmen mich hoffnungsfroh.“ Am 26. Oktober will Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière die Entscheidung bekanntgeben, welche Standorte wegfallen, welchen eine Zukunft bevorsteht. „Für Bischofswiesen ist unsere Kaserne ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Diesen sollte man unter keinen Umständen unterschätzen“, so Altkofer.

Auf 1400 Soldaten und Soldatinnen, sagt Bürgermeister Altkofer, ist die Kaserne in Bischofswiesen ausgelegt. Früher waren es einmal 800. Dann wurde aufgestockt. Zum Wohle des Standortes, zum Wohle der Gemeinde. „Es waren zwar nie alle gleichzeitig vor Ort, weil sich ein Teil immer im Ausland aufgehalten hat.“ Doch soll die Zahl verdeutlichen, was die jungen Männer und Frauen für die Gemeinde bedeuten. Für die Kaufkraft, das wirtschaftliche Umfeld, aber auch die Identität von Bischofswiesen. Bischofswiesen ohne Kaserne – so gut wie nicht vorstellbar. Erst vor wenigen Tagen war Toni Altkofer zusammen mit seinem Oberbürgermeisterkollegen Dr. Herbert Lackner aus Bad Reichenhall in München. Bedeutende Gespräche. Nochmals hervorheben, dass die Bundeswehrstandorte in Bischofswiesen und in Bad Reichenhall wichtig seien. Dass man darauf nicht verzichten könne. Gleichzeitig sagt Altkofer aber auch, dass die Entscheidung, die in wenigen Tagen fällt, eine rein militärische sei. Keine politische. Und dass er, der Bürgermeister, natürlich nicht wisse, wie sich die Bundeswehrreform generell auf den hiesigen Standort auswirkte, bliebe er bestehen. „So gut wie sicher ist, dass es dann Reduzierungen bei der Fernmelde- Gruppe in Bischofswiesen gäbe“, sagt Altkofer.

Die deutlichsten Signale, die er erhalten habe und die dafür sprechen, dass die Kaserne in der Strub weitergeführt wird, seien aber die Bauarbeiten, die nun – nach monatelangem Stillstand – wieder aufgenommen wurden. 50 Millionen Euro werden am Standort investiert, „viele Renovierungsarbeiten in bestehenden Gebäuden“, so Altkofer, aber auch Neubauten. „Aus den derzeitig laufenden Baumaßnahmen lassen sich keine Schlüsse über zukünftige Standortentscheidungen herleiten“, erklärte noch im Juni Oberstleutnant Nikolaus Carstens auf Anfrage. Baustellen-Vor-Ort-Besichtigungen? Seien wegen Schwierigkeiten in der Terminplanung nicht möglich. Erst, wenn eine Entscheidung gefallen ist. Man ist vorsichtig geworden. Jeglicher Druck, der öffentlich ausgeübt werde, sei kontraproduktiv, vernimmt man aus Bundeswehrkreisen. Bürgermeister Toni Altkofer vertraut da auf sein Bauchgefühl. „Ich würde lügen, wenn ich sagte, es wäre schlecht.“

Intern dürfte die Entscheidung schon gefallen sein. „Aber alleine wegen unserer Gebirgsjäger, die zunehmend an öffentlichem Ansehen gewonnen haben“, glaubt er an einen Weiterbetrieb der Kaserne. Das Renommee der Gebirgsjäger sei groß. Unzählige Angestellte beschäftige die Bundeswehr in der Strub. Beziffern kann sie Bürgermeister Altkofer nicht, weiß aber, dass es vor allem unmittelbar betroffene Zulieferbetriebe sind, die bei einer Schließung deutliche Einbußen hinnehmen müssten. Der Bäcker, der tagtäglich Hunderte von Semmeln bringt, der Handwerksmeister, der wegen Reparaturarbeiten angefordert wird, der örtliche Lebensmittelhändler. Sollte die Entscheidung negativ ausfallen – die Folgen seien in keiner Weise abschätzbar, sagt Altkofer. So wichtig sei der Standort, dass ein Festhalten daran die einzige Option ist. Allerdings: Die Einflussmöglichkeiten von außen sind begrenzt. Auch das weiß der Gemeindechef – und vertraut weiterhin auf sein Bauchgefühl. Dass ihn im besten Fall nicht trügt.

kp

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