Premiere der Ganghofer-Stücke im Insula-Saal

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Bischofswiesen - Die Schauspieler der Ruperti Bühne führen die Ganghofer-Stücke „Das Kasermandl“ und „Das Testament“im Insula-Saal auf.

Das Publikum ist begeistert. Das liegt nicht nur an einer in jeder Hinsicht gelungenen, ausverkauften Premieren-Aufführung der Ruperti Bühne, die sich im Saal der Insula an zwei Ganghofer-Stücke gewagt hat – „Das Kasermandl“ und „Das Testament“. Sondern auch an Max Reichenwallner höchstpersönlich, der nicht nur Regie führte, sondern in der Rolle des Sebastian Vurnegger, wegen Krankheit zum Sterben verurteilt, einen meisterhaften Auftritt absolvierte.

Die Bühne sei zwar klein, sagt Reichenwallner, der Recht hat. Doch ist das, was dort oben heute stattfand, „großes Kino“. Drei erste Bürgermeister aus dem Talkessel hatten es sich nicht nehmen lassen und waren der Premieren-Einladung gefolgt. Wissend, dass das, was sie erwarten würde, zumindest den Vermutungen entsprechen würde. Reichenwallner war es, der bereits für die viel gelobten Nationalpark-Festspiele, für „Die Martinsklause“ im vergangenen Jahr, verantwortlich zeichnete, Regie führte. Ein Erfolg, an den sich so mancher noch gerne zurückerinnert, und der die Messlatte weit nach oben gesetzt hatte.

Zu Hause beim Kasermandl

So waren es gleich zwei Stücke, die die Ruperti Bühne aufzeigte: „Das Kasermandl“ und „Das Testament“. Drei Stunden Unterhaltung auf hohem Niveau sollte die Zuschauer erwarten. Alles begann mit einer einfachen Mutprobe der jungen Magd Mali (Alexandra Baschek), im realen Leben Leiterin der Tourist-Info Schönau am Königssee, sonst – auf der Bühne - für die Küche zuständig, die ein Versprechen des Roßmooserbauern (Peter von der Leiten) eingelöst sehen will.

Mit dem Kasermandl auf Erbenschau

Derjenige, der sich auf die Suche nach dem Kasermandl macht, das sich hoch droben in den Bergen herumtreiben soll, und als Beweis den Muslöffel bringt, soll eine Kuh des Bauern kriegen. Keiner traut sich, Rückzieher auf allen Seiten, beim Altknecht (Adi Angerer), beim Hüterbub (Jokkerl Maltan), nur Magd Mali, die Mutige, stimmt zu. Zuhause hat sie eine kranke Mutter, das Geld ist knapp. Also warum es nicht wagen? In überzeugendem Ton macht sie sich auf, zur Verblüffung des Bauern, der sein Versprechen nun nicht mehr brechen kann. Und so kommt es nach einem Szenenwechsel im dunklen Kaser zur schicksalhaften Begegnung zwischen der Magd und dem Kasermandl. Der Schreck sitzt tief in Mali, die auf dem Boden kauert, ihr Leib zittert, „ein Gespenst“, sagt sie. Das Kasermandl steht unweit neben ihr, schwingt den Kochlöffel. Eigentlich ein sympathischer Kerl, wäre doch sein Gesicht nicht so schmutzig, die Erzählungen über den „schwarzen Mann“ nicht ganz so düster. Und so ist die Unterhaltung zwischen den zwei Protagonisten zwar recht kurz, doch die anfängliche Anspannung in Mali ist bald wie weggeblasen. Ein Bussl soll es richten, den „bösen Fluch“ vom dort droben Hausenden nehmen, Mali darf ziehen. Klar, dass die Magd in unverblümt-naiver Weise „Ja“ sagt, den Zuschauer freut das. Den Ausgang der Geschichte kennt indes nur jener, der die Rupert Bühne besucht.

Dem Testament zu Dank verpflichtet

Der Ernsthaftigkeit, der Tiefgründigkeit verpflichtet ist Ganghofers „Das Testament“. In der Hauptrolle Max Reichenwallner höchstpersönlich als Sebastian Vurnegger, der kurz vor dem Ableben steht. Ein gezeichneter Mann, den Reichenwallner da auf die Bühne bringt. Jede Bewegung in seinem Schaukelstuhl nimmt man dem Protagonisten ab, jedes Zittern in seiner Stimme, selbst den einen, den letzten Wunsch, nochmal herzlich lachen zu dürfen. Lachen möchte der Vurnegger also, und deshalb hat er sich einige Späßchen erlaubt, die er jenen aufbürdet, die sich um sein Erbe streiten. Die, die sich am wenigsten vertragen, sollen den Hof erben – „und bis an ihr Lebensende zusammen führen.“ Ist man noch so weit entfernt verwandt, hat man sich noch so lange nicht blicken lassen – wenn es ans Erben geht, sind plötzlich alle zur Stelle. So, wie im richtigen Leben – das wusste Ganghofer nur zu gut. Ja, auch Bürgermeister Dirrigl (Bernhard Lochner). Versprochen hat ihm der Vurnegger ein Päckchen, Aufschrift „60.000 Mark“. Da drin enthalten sind aber nur 32 Kalender, „in dem alle Dummheiten des Gemeinderats stehen und alle boshaften Schindludereien, die dieser verübte“, sagt der Sterbende in zynischer Manier. Reichenwallner gelingt es, seinen Charakter nach allen Möglichkeiten der schauspielerischen Kunst darzustellen – der Fokus bleibt das gesamte Stück über auf ihn gerichtet. Auf seinen Taten, auf seine wenigen Bewegungen, auf Gestik und Mimik.

Die Meisterleistung gelingt in der darstellerischen Umsetzung. Allein der Dialog mit dem Notar (Steffan Hillebrand), währenddessen Vurnegger die einzelnen Bestimmungen vorträgt, die im Testament aufgeführt sein sollen, beschreibt eine Szene, der man als Beobachter nur zu gerne folgt. Die mit viel Tiefgang versehene Unterredung zwischen Kaplan Schmittmayer (Florian Kranawetvogl), das Auf-den-Zahn-Fühlen der zunächst Zerstrittenen, die Geplänkel zwischen den potentiellen Erben, die sich zum Affen machen. Nein, zum Hund. Weil Vurnegger auch einen Hund hatte, der so schön bellen konnte. „Wer es schafft, so zu bellen, soll mein Erbe sein“, sagt der Zyniker, der in so manchem Moment auch menschelt. Die Erben in spe fangen zu kläffen an, „mein Hund hat das immer auf vier Beinen gemacht“, sagt Vurnegger. Dann fallen sie auf die Knie, kriechen über den Bühnenboden entlang, lautgebend, schallendes Gelächter auf Seiten des Publikums. Auch dem Kranken huscht ein letztes Lachen über das Gesicht. Die Erben sind noch nicht gefunden. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Einen guten.

kp

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