Kampf an der Zapfsäule

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Viele der Kunden sind froh, wenn sie an den Tankstellen noch das altbekannte "Super" finden.

Berchtesgaden/Schönau am Königssee/Bischofswiesen: Der E10-Kraftstoff spaltet die Gemüter an den Tankstellen im Berchtesgadener Talkessel.

Die Einführung des umstrittenen Bio-Kraftstoffes E10 ist nun beschlossene Sache, wenngleich die allgemeine Informationspolitik bisweilen eher Fragezeichen aufwerfe, denn Antworten liefere, so die Ansicht eines Esso-Tankstellen-Mitarbeiters aus Berchtesgaden.

Im Talkessel hat sich E10 noch nicht durchgesetzt, nur eine der insgesamt vier befragten Tankstellen bietet den Kraftstoff zum jetzigen Zeitpunkt an. Der Informationsdurst der tankenden Zunft ist dennoch groß: „Ich fühle mich verarscht“, sagt eine junge Autofahrerin. „Man soll etwas vorgesetzt bekommen und weiß noch nicht einmal, ob es das eigene Auto überhaupt verträgt.“

Der Benzingipfel ist vorbei, jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Das Ziel scheint klar: Den Tankstellen-Nutzern die Panik vor E10 zu nehmen, jenem Bio-Sprit, der ohne großes Tamtam eingeführt worden war und nun unter der Bevölkerung für Aufsehen sorgt, weil klar ist, dass nicht jedes Fahrzeugmodell den mit zehn Prozent Bioethanol angereicherten Kraftstoff verträgt.

Mineralölwirtschaft und Regierung wollen nun in Kooperation mit dem ADAC Aufklärungsarbeit leisten. „Das ist auch dringend notwendig“, sagt die Dame an der Zapfsäule. „Ich tanke das Zeug sonst nicht“. BK-Tankstellenbetreiber Roman Raich aus Berchtesgaden zeigt sich zufrieden: „Gott sei Dank haben wir E10 noch nicht. Die Leute kennen sich einfach nicht aus“, sagt er.

Autofahrer sind "total verunsichert"

Kaum einer wisse über den Kraftstoff Bescheid, wie auch, wenn die Einführung grundlegend schief gelaufen sei. „Total verunsichert“ seien die Autofahrer und solange sich da nichts ändere, werde E10 wohl auch nicht getankt werden.

Obwohl an den Tankstellen Broschüren ausliegen, sind viele Autofahrer verunsichert.

Wann Raichs Tankstelle den E10-Kraftstoff anbieten werde, könne er noch nicht sagen. „Zunächst müssen Umbauarbeiten erfolgen, neue Aufschriften für die Zapfsäulen“, sagt er. Und die Tankstelle selbst, was macht sie gegen die anhaltend hohe Verunsicherung? „Wir werden Listen auslegen, auf welchen draufsteht, ob das jeweilige Modell E10 verträgt“. Andere Möglichkeiten bleiben kaum.

Bislang gibt es den Kraftstoff erst an etwa 7000 der deutschlandweit 15.000 zu findenden Tankstellen, wobei diese Zahl schnell ansteigen dürfte. „Bei uns wurde noch nichts geliefert“, sagt Franz Zeughan von der Agip-Tankstelle in Bischofswiesen/Strub. Zwar sei die Umstellung auf E10 bereits vollzogen, „verkauft wird der Kraftstoff allerdings noch nicht“, weiß er.

Die Umstellung werde seiner Ansicht nach noch größere Probleme für grenznahe deutsche Tankstellenbetreiber mit sich bringen, als jene, die sowieso schon vorherrschten. Denn die Umstellung in Österreich dürfte noch eine Zeit lang dauern, der Tanktourismus daher nicht besser werden, weiß Zeughan, der nach eigener Aussage bereits seit dem ersten Tag nach Einführung von E10 eine Verträglichkeitsliste ausgelegt hat.

Informationspolitik gleich "null"

Die Antwort auf die Frage nach der Informationspolitik seitens der Verantwortlichen fällt nüchtern aus: „Informationspolitik? Null“, so die knappe Auskunft des Tankstellenbetreibers. „Der Kunde weiß nicht Bescheid und auch wir hätten uns eine bessere Aufklärung gewünscht“, sagt Zeughan.

Ein Liter Super Plus kostet nach ADAC-Angaben in Deutschland derzeit acht Cent mehr als ein Liter E10, das zum Preis des herkömmlichen Super-Kraftstoffes verkauft wird. Der Preisabstand zwischen E10 und Super Plus soll nach Aussagen des Mineralölverbandes auch wieder sinken – aber erst dann, wenn vermehrt E10 getankt wird.

Die Langzeit-Auswirkungen des Bioethanol auf die Motoren ist noch unklar.

Allerdings dürfte sich in dieser Hinsicht lange Zeit nichts tun, wenn nicht definitiv geklärt wird, ob eine E10-Tankfüllung keine schädlichen Auswirkungen auf den Fahrzeug-Motor hat. Für die Industrie geht es beim E10 um eine Menge Geld, denn eine gesetzlich geforderte Bio-Quote von 6,25 Prozent muss von der Mineralölindustrie erfüllt werden – gelingt dies nicht, drohen empfindliche Strafen.

Darüber hinaus ist die derzeit im Umlauf befindliche E10-Ware, die „Winterware“, nur bis Ende April zu verkaufen. Restbestände könnten hohe Verluste nach sich ziehen. Auch bei der Aral-Tankstelle am Königssee ist die Verunsicherung unter den Kunden groß, weiß Alfred Zange, wenngleich diese nicht sein müsste. „Es gibt Listen, die fahrzeugbezogen aufzeigen, ob man tanken darf oder nicht“, sagt er. Über 90 Prozent dürften den Kraftstoff tanken, „der Autofahrer wird in Zukunft darum wohl nicht mehr herumkommen“.

kp

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