Die Jugend hat das Ruder fest in der Hand

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Laufen - Wer über 30 ist, gehört hier bereits zu den Alten: Bei der BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe Laufen-Leobendorf hat die Jugend seit Jahren das Ruder fest in der Hand.

Vorsitzender Christoph Scharf berichtete auf der Jahreshauptversammlung im Gasthof Leobendorf vom wetterbedingt sehr ruhigen Einsatzjahr der mit 33 aktiven Mitgliedern kleinsten Wasserwacht-Ortsgruppe im Berchtesgadener Land, die sich hinsichtlich Ausbildung und Engagement aber nicht hinter ihren großen Nachbarn verstecken muss. Die Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) war 2010 sechsmal im Einsatz; bei acht Erste-Hilfe-Leistungen, zwei Erstversorgungen für den Landrettungsdienst, drei Vermisstensuchen und drei Bootseinsätzen waren die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer immer rasch zur Stelle, um anderen zu helfen. Zwei ihrer Patienten wurden vom Rettungsdienst zur weiteren Behandlung in eine Klinik transportiert.

Die Jugend hat das Ruder fest in der Hand

Kommunen unterstützen ihre Wasserwacht

Nur elf Mitglieder der BRK-Wasserwacht Laufen-Leobendorf, also gerade einmal ein Drittel der Aktiven sind älter als 27 Jahre. „Das zeugt von einer guten Nachwuchsarbeit, die wichtiger denn je ist, da wir in den Einsatzorganisationen gerade unter der Woche immer mehr Probleme haben, dass bei Notfällen ausreichend Leute am Ort sind“, sagte Laufens Bürgermeister Hans Feil. Die Stadt Laufen unterstützt die Wasserwacht mit einer jährlichen Förderung von 300 Euro und hat wie die Gemeinde Saaldorf-Surheim 2007 den Bau der neuen Bootshütte mit bezuschusst. „Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass es euch gibt. Wir wollen euch unterstützen, denn ihr leistet hervorragende Arbeit für uns“, lobte der Bürgermeister von Saaldorf-Surheim, Ludwig Nutz in seinem Grußwort. „Wenn finanziell Not am Mann sein sollte, haben wir immer ein offenes Ohr für euch!“

Schlechtes Wetter: So wenig Wachstunden wie die letzten zehn Jahren nicht mehr

„Im vergangenen Jahr haben wir aufgrund des schlechten Wetters mit wenig Badebetrieb nur 396 Wachstunden am Abtsdorfer See verbracht; so wenig wie die letzten zehn Jahre nicht mehr“, bedauerte Scharf. Trotzdem ist der ehrenamtliche Dienst, den die Wasserwacht leistet, für die Stadt Laufen und die Gemeinde Saaldorf-Surheim nicht mehr wegzudenken: Von ihrem 2007 neu gebauten Rettungsstützpunkt am Seeufer aus passen sie am Wochenende und an Feiertagen bei Badewetter und während der Eiszeit auf, dass nichts passiert und sind im Notfall rasch zur Stelle. Das Motorrettungsboot kann im Ernstfall mit einer Winde ins Wasser abgesetzt oder per Anhänger auch zu Einsätzen an anderen Gewässern wie der Salzach transportiert werden. Dafür teilt sich die Wasserwacht ein Einsatzfahrzeug mit der örtlichen BRK-Bereitschaft. Aus der ursprünglich nur stationären SEG ist damit schleichend auch eine mobile geworden. „Unser flexibles Konzept hat sich bereits mehrmals bewährt“, freute sich Scharf.

Erfahrungen im Landrettungsdienst gesammelt

„Ein Patient unterscheidet nicht, ob ein Helfer seine Arbeit ehrenamtlich macht oder beruflich; er erwartet, dass alle gleich gut ausgebildet sind und professionell arbeiten“, erklärte Scharf und erinnerte an den großen Zeitaufwand, den ein Ehrenamtlicher im Roten Kreuz allein für die Aus- und Fortbildung aufbringen muss. „Gerade unsere Jugend sammelt sehr viel Praxiserfahrung im Landrettungsdienst; 2010 haben wir 1.680 ehrenamtliche Stunden auf Rettungs-, Kranken- und Notarztwagen verbracht“, berichtete die Technischer Leiterin Sabrina Schauer in ihrem Jahresrückblick. 658 Stunden investierten die Rettungsschwimmer in die Aus- und Fortbildung, wobei Schauer von einer Eisrettungsübung vor rund einem Monat erzählte, bei der die Jugendgruppe verschiedene Techniken mit Eisrettungsschlitten und Leitern ausprobieren konnte. Die Qualifikationen der Laufener Wasserretter können sich sehen lassen: Unter den Aktiven sind ein Arzt, drei Rettungsassistenten, vier Rettungssanitäter, zwei Rettungsdiensthelfer, zwei Ausbilder für Rettungsschwimmer, drei Rettungs- und Bergetaucher, acht Bootsführer, vier SEG-Leiter und ein Einsatzleiter Wasserrettung. Alle im Wasserrettungsdienst Mitwirkenden sind als Sanitäter ausgebildet.

Ehrenamtliche Retter leisten als Erstversorger im Landrettungsdienst wichtige Dienste

„2010 war ein sehr ruhiges Einsatzjahr für uns; es war einfach oft am Wochenende kein gutes Badewetter und deshalb auch am See wenig los. Trotzdem konnten wir ein paarmal wertvolle Hilfe leisten“, berichtete Scharf. Mehrmals war die Wasserwacht nicht direkt bei Einsätzen an oder im Wasser, sondern als Ergänzung oder Erstversorger für den Landrettungsdienst gefordert. Am 3. Mai war die SEG zur sanitätsdienstlichen Absicherung des Gefahrgut-Einsatzes auf der B20 mit im Einsatz, am 27. Juni leisteten die Wasserretter einem Patienten mit Unterzucker im Abtseehaus Erste Hilfe, am 11. Juli musste die Wasserwacht einen Bewusstlosen in Triebenbach erstversorgen und später zu einer groß angelegten Vermisstensuche an den Tachinger See ausrücken, am 10. August wurde am Abtsee ein Vermisster gesucht und am 14. und 17. September beteiligte sich die Wasserwacht an einer Vermisstensuche auf der Salzach.

Nur acht Wochen lang zwei Jugendgruppen

Ihrem Nachwuchs kann die Laufener Wasserwacht einiges bieten: Die Kinder und Jugendlichen dürfen im Wachdienst am See Erfahrungen sammeln, absolvieren eine umfangreiche Ausbildung und nehmen am regelmäßigen Schwimmtraining teil. Trotz ihrer attraktiven Angebote konkurriert die Wasserwacht mit anderen Organisationen und Vereinen um die oft knappe Freizeit der Jugendlichen. „Aktuell haben wir nur noch eine Jugendgruppe mit fünf Mitgliedern von zehn bis 16 Jahren; die zweite Gruppe mit weiteren vier Kindern von zehn bis zwölf Jahren bestand nur rund acht Wochen lang im Sommer, da die Mitglieder aufgrund anderer Hobbys einfach zu wenig Zeit für regelmäßiges Schwimmtraining hatten“, bedauerte die stellvertretende Jugendleiterin Marion Scharf. Derzeit sind die Wasserwacht-Jugendlichen gut im Training; die Technische Leiterin Marion Schauer organisiert ein regelmäßiges Training im Freilassinger Badylon, wobei alle das Silberne Rettungsschwimmabzeichen absolvierten und möglichst bald auch die Ausbildung zum Wasserretter durchlaufen sollen. Beim Jugendrotkreuz-Kreiswettbewerb in Ainring schaffte es die Laufener Wasserwacht-Jugend auf den zweiten Platz.

In Material und Ausbildung wurde die letzten Jahre viel Geld investiert

„Unsere Kinder und wir sind froh, dass wir die Wasserwacht am See haben und uns im Notfall jemand retten würde“, lobte Josef Roppelt von der Dorfgemeinschaft Abtsdorf, der eine Spende über 350 Euro aus den Einnahmen des Christkindlwegs an Christoph Scharf überreichte. Geld, das die Wasserwacht gut gebrauchen kann, denn das neue Boot, der Hüttenbau und die Ausrüstung und Ausbildung für viele junge Helfer haben während der letzten Jahre schwer zu Buche geschlagen. „2010 starteten wir mit einem Defizit von 1.100 Euro, das wir mit Spenden der Gemeinde Saaldorf-Surheim und der Stadt Laufen sowie Gerichtsbußen ausgleichen konnten“, freute sich Kassenwart Alexander Schug.

Erwin Scharf ist seit 25 Jahren in der Wasserwacht aktiv

Kreiswasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer zeichnete Erwin Scharf für 25-jährige aktive Mitarbeit in der Wasserwacht aus. Clemens Hellenschmidt wurde für 15 Dienstjahre geehrt. Matthias Scharf und Andreas Herner absolvierten 2010 an der Rettungshubschrauber-Station „Christoph 14“ die theoretische und praktische Ausbildung zum Wasserwacht-Luftretter. „Ohne die Spenden der Bürger und Kommunen wären wir in vielen Bereichen nicht mehr in der Lage, unsere Dienste in dieser Form aufrecht zu erhalten“, sagte Schierghofer, der in seinem Grußwort der Stadt Laufen, der Gemeinde Saaldorf-Surheim und den privaten Spendern für ihre finanziellen Zuschüsse dankte.

Pressemitteilung BRK BGL

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