So viele Masken hat kein anderer!

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Sammler Johann Baumgartner besitzt eine eindrucksvolle Maskensammlung

Berchtesgaden - Johann Baumgartner ein passionierter Sammler von Brauchtumsmasken. Jetzt zeigt er in einer Ausstellung seine Werke:

Die Museumsleiterin Friedl Reinbold hat zusammen mit Maskensammler Magister Johann Baumgartner lange verhandelt, sagt sie – „und jetzt haben wir es geschafft.“ Baumgartner ist im Besitz einer der eindrucksvollsten Maskensammlungen überhaupt. Brauchtums-Masken verschiedener Jahrhunderte, aus Österreich und Deutschland, vor allem aber aus dem Alpenraum. Über 300 Masken zählt die Sammlung. So viele hat kaum ein anderer. „Den Wert meiner Masken kann ich nicht beziffern – Sammlerpreise“, sagt Baumgartner. Jedes Ausstellungsstück ist mit einer Summe von 3.000 Euro versichert. Die Ausstellung „Das andere Gesicht“ finden Besucher noch bis zum 6. Januar im Heimatmuseum in Berchtesgaden.

Johann Baumgartner ist stolz auf seine Masken. Das ganze Leben, sein Leben, dreht sich nur um Masken. „Zuhause haben wir schon überhaupt keinen Platz mehr“, sagt der Salzburger. Trotzdem möchte er, Jahrgang 1936, weitersammeln. Baumgartners Leidenschaft, die sich wie ein roter Faden durch ein arbeitsreiches Leben zog, begann im Jahr 1954. Er verhandelte damals mit einem Totengräber. Es ging um eine Perchtenlarve, der Anfang eines ungewöhnlichen Hobbys. "200 Schilling, eine Flasche Schnaps und meine alte Maske wollte er für seine Perchtenlarve haben", sagt Baumgartner. Er blieb dran und erwarb ein historisches Stück Zeitgeschichte. Die Maske stammt aus dem Jahr 1850. Zwischenzeitlich hat Baumgartner viele Masken ähnlichen Alters.

"Masken": Ausstellung von Johann Baumgartner

Über 300 Sammelobjekte befinden sich in seiner Sammlung – Perchtenmasken und Fasnachtsmasken machen den wesentlichen Teil aus. „Ein Großteil stammt aus der Zeit nach 1800“, sagt er. Einige gut erhaltene Stücke datieren auf die Zeit davor. Im Heimatmuseum zeigt er nun auch viele seiner persönlichen Lieblingsstücke. Diese seien zwar schwer zu benennen, es gibt sie aber, wie er sagt. Eine besondere Maske etwa ist eine Perchtenmaske aus dem Jahr 1933. Die Nase mit riesigen Ausmaßen setzt sich aus Pinienzapfen zusammen. Johann Baumgartner war zeit seines Lebens Bankbeamter. "Mich hat schon immer das Gesicht der Menschen interessiert", sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Das Gesicht sei das „Spiegelbild der Seele“. Da lag es dann nahe, dass auch Masken in sein Interessengebiet fallen könnten. Baumgartner ist seit einigen Jahren in Pension. Aufgehört zu lernen hat er aber nie. Nach seiner Arbeit als Bankbeamter hat er sich ganz der Wissenschaft verschrieben.

Er hat Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Salzburg studiert, nachdem er bereits in jungen Jahren archäologisch gearbeitet hatte. Vor sieben Jahren schloss er sein Studium mit dem Diplom ab. Das Thema seiner Abschlussarbeit: der Salzburger Kommunalfriedhof. Daheim dreht sich alles um das Thema "Masken", sagt Baumgartner. Im Laufe der Jahre wurde viel über ihn geschrieben, TV- Beiträge wurden gedreht. Das Bewegt-Material lässt sich im Internet abrufen. Teufelsmasken lehren im Küchenbereich den Besuchern das Fürchten. Und auch der Rest des Hauses ist ganz in Maskenhand: sogenannte Schiachperchten sind dort zu finden, Schönmasken ebenso.

Viel Geschichtswissen ist notwendig, um zu benennen, warum welche Maske in welcher Zeit getragen wurde. Was es damit auf sich hatte, das weiß Baumgartner natürlich bei jedem seiner Stücke. Ob zum Vergnügen der Bevölkerung, als religiöse Spielszene, als Zerrspiegel der Realität oder als groteske Karikatur der Gesellschaft. „Masken entmenschlichen“, sagt der Sammler. „Mit einer Maske darf man so sein, wie man sonst nie ist.“ Tiroler Teufelsmasken mit zerfurchtem Gesicht, rot umrandeten Augen, geschnitzten Zähnen und spitzen Ohren hat er mitgebracht. Friedl Reinbold, die Museumsleiterin, freut sich über das einmalige Sammelsurium, das ihr der Österreicher zur Verfügung gestellt hat. Primitiv geschnitzte, alte Perchten von Anfang des 19. Jahrhunderts, Krampusmasken aus Gastein, einfach geformte Larven mit rundem Gesicht aus der Schweiz. Der Experte datiert die Entstehung auf das 18. Jahrhundert. Archaische Formen, sogar eine Drahtmaske ist unter den ausgestellten Stücken. Die Gesichtsform des ehemaligen Trägers ist noch deutlich zu erkennen. „Ein Stück mit großem Seltenheitswert“, sagt Baumgartner, in dessen Besitz sich auch Exemplare aus Ägypten und Guatemala befinden. Über 300 Masken – „mir geht der Platz langsam aus und auch das Geld“, scherzt der Kenner.

Daheim, im Holzlager, hat er Exemplare, aber auch in der Garage sind diese ausgestellt und warten darauf, dass sie in Ausstellungen gezeigt werden. Bei Versteigerungen ist Baumgartner ein gern gesehener Gast. „Die wissen schon Bescheid, dass ich Interesse habe und rufen mich im Vorfeld an“, sagt er. 1.000 Euro für eine Maske sind keine Seltenheit. Im Gegenteil: Die Preise können auch deutlich darüber liegen. Und dann erblickt Baumgartner in der Ausstellung selbst noch eine Maske, ein museumseigenes Stück aus Berchtesgaden, datiert aus dem Jahr 1790. „Das wollte ich kaufen“, sagt er. Auch tauschen würde er es. Ein ganz besonderes Machwerk sei diese Ausführung. „Aber leider ist es unverkäuflich“, fügt er hinzu. Nächstes Mal wird er wieder mehr Glück haben. Seine Leidenschaft ist ein Lebenshobby.

Die Ausstellung im Heimatmuseum in Berchtesgaden ist noch bis zum 6. Januar geöffnet. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, von 10.00 bis 17.00 Uhr.

kp

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