"Neugier für Natur und Technik"

+
Dr. Andreas Kratzer von der Technischen Universität München ist künftig mitverantwortlich für das Schülerforschungszentrum Berchtesgaden.

Berchtesgaden - In einem Interview sprach der Naturwissenschaftler Dr. Andreas Kratzer über die Zukunft des Schülerforschungszentrums in Berchtesgaden.

Kratzer lehrt derzeit an der Technischen Universität München. Ab Oktober wird er in Berchtesgaden regelmäßig am Schülerforschungszentrum anzutreffen sein. Die Heimatzeitung sprach mit dem Naturwissenschaftler über seine Begeisterung für das im Entstehen befindliche Projekt, dessen überregionale Bedeutung und die Einbindung des Forschungszentrums in den schulischen Alltag.

Mit dem Schülerforschungszentrum wird ein ambitioniertes Projekt verfolgt. Was macht es so besonders?

Dr. Andreas Kratzer:

Das Schülerforschungszentrum ist ein sogenannter außerschulischer Lernort. Es zeichnet sich gegenüber anderen Lernorten durch sein Angebot aus, das von Kursen für das Grundschulalter bis hin zu selbständiger Schülerforschung reicht. Zudem dürfte eine solche Einrichtung, die in Zusammenarbeit mit einer Universität betrieben wird, im ländlichen Bereich einmalig sein. Eine weitere Besonderheit ist die Einbindung des Schülerforschungszentrums in die Region. Viele Partnerschaften mit Wirtschaftsbetrieben, Forschungseinrichtungen und Bildungseinrichtungen zeigen, wie wichtig im Landkreis eine hervorragende Qualität der Ausbildung in allen Schularten ist. Eine Besonderheit ist auch der Schulcluster Berchtesgadener Land. Das Schülerforschungszentrum kann sich so in ein bereits funktionierendes Netzwerk von Schulen einbinden. Dies ist sehr wichtig, da das Schülerforschungszentrum ja auch Teil des Schulalltags werden soll.

Die Technische Universität München ist ein wesentlicher Partner. In welcher Hinsicht sind Sie und die Universität involviert?

Kratzer:

Die Technische Universität München ist wesentlich für das Angebot des Schülerforschungszentrums verantwortlich. Zudem unterstützt sie das Schülerforschungszentrum bei der Ausstattung der Laborräume und stellt Personalressourcen zur Verfügung. Es ist außerdem geplant, Studierende sowohl zur Ausbildung als auch zur Kursbetreuung ans Schülerforschungszentrum zu schicken.

Sie selbst sind Feuer und Flamme für das Projekt. Was können Schüler, Jungforscher und Studenten in Zukunft im Schülerforschungszentrum Berchtesgaden erwarten?

Kratzer:

Es soll jungen Menschen ermöglichen, ihre Neugier und Begeisterung insbesondere für naturwissenschaftliche und technologische Themen zu entdecken und zu entwickeln. Ein Kursangebot wird ab der Grundschule selbständiges Experimentieren ermöglichen. Bei der Konzeption der betreuten Kurse wird das wichtigste Ziel, das selbständige Forschen, immer die zentrale Rolle spielen. Außerdem soll eine ganzheitliche Betrachtungsweise den Angeboten zugrunde liegen. Im Gegensatz zum Kursbetrieb können bei der Schülerforschung eigene Themen bearbeitet werden. Das Schülerforschungszentrum versucht, alle notwendigen Geräte, Laborraum und Werkstatt zur Verfügung zu stellen. Ein Kreis von Experten, darunter viele Professorinnen und Professoren der TU München, steht den jungen Forschern bei Bedarf beratend zur Seite. Gelegentlich werden die Arbeiten sicher auch in größere Forschungsprojekte eingebunden sein. In einigen Bereichen soll besondere Kompetenz entwickelt werden. Dazu gehören die Satellitennavigation, die Geoinformationssysteme, die Astrophysik und „Formel 1 in der Schule“.

Wird die finanzielle Unterstützung für das „Leuchtturmprojekt“ (Landrat Georg Grabner) auch in Zukunft gesichert sein?

Kratzer:

Davon gehe ich aus. Ich denke, es ist gelungen zu zeigen, dass eine Region ein solches Projekt auf die Beine stellen kann. Mittlerweile werden wir auch vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus unterstützt. Die Bedeutung für die regionale Nachwuchsförderung wurde erkannt und es entstehen laufend neue Kontakte im Berchtesgadener Land - aber auch im Salzburger Land. Einige Firmen, etwa LEGO Education, Regionen wie Ingolstadt und bundesweite Organisation wurden bereits auf unser Leuchtturmprojekt aufmerksam, haben sich informiert und unterstützen uns zum Teil bereits.

Wie wird das Projekt vernünftig in den schulischen Alltag eingebunden werden können?

Kratzer:

Das ist ein wichtiges Ziel und zwar sollen es nicht gelegentliche Besuche sein, sondern die Angebote sollen fest im Programm einer jeden Jahrgangsstufe verankert sein. Dazu sollen die Angebote, soweit möglich, gemeinsam mit den Lehrkräften ständig weiter entwickelt werden. Bereits jetzt in der Vorbereitungsphase stehen Angebote zur Verfügung, die hervorragend als Schülerexperiment oder Projektarbeit innerhalb der Vorgaben des Lehrplans genutzt werden können. Beispiele sind die Technikexperimente unseres Lego Education Innovation Studios und Astrophysik-Projekte. Die Einbindung in den Schulalltag braucht natürlich die Unterstützung aller Beteiligten. Es sieht aber sehr gut aus und dazu hat der Schulcluster sicher einen großen Beitrag geliefert.

Und nach der Schule?

Kratzer:

Die reine Schülerforschung ist natürlich keine schulische Veranstaltung. Dafür wird das Schülerforschungszentrum gerade außerhalb der Schulzeit zur Verfügung stehen. Neben der Einbindung in den schulischen Alltag ist auch die Abstimmung mit anderen Bildungsangeboten wichtig. Beispiele sind das „Haus der Berge“ und das „Biosphärenreservat“. Gemeinsame oder ergänzende Angebote sind als Kurse denkbar und offenbaren Möglichkeiten für Forschungsprojekte. Wir freuen uns über alle Anregungen und Hilfsangebote. Insbesondere hoffen wir auch auf ehrenamtliche Spezialisten, die uns etwa in den Werkstätten und Laboren unterstützen.

Schülerfo​rschung TU München

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser