"Identität muss gewahrt werden"

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Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp spricht dich für das "Bauen im Bestand" aus.

Berchtesgaden - Mit dem Hotel Edelweiss und dem im Bau befindlichen Haus der Berge wurden bzw. werden in Berchtesgaden derzeit zwei touristische Großprojekte umgesetzt, die vor allem architektonisch für Aufregung sorgen.

Das ist nicht nur in Berchtesgaden so. Deshalb hat der Tourismusverband München Oberbayern die AlpenTourismusAkademie ins Leben gerufen. Bei der zweiten Fachtagung "Tourismusarchitektur" geht es am Donnerstag um das "Bauen im Bestand".

Für Berchtesgadenes Bürgermeister Franz Rasp bedeutet "Bauen im Bestand" keine neuen Großprojekte auf der grünen Wiese. "Außerdem soll die Identität eines Ortes mit Bauen im Bestand gewahrt werden", betont Karlheinz Beer von der bayerischen Architektenkammer.

Für dieses "Bauen im Bestand" steht wohl das Hotel Edelweiss im historischen Ortskern von Berchtesgaden. Obwohl modern lehnt es sich an die bestehende Bebauung an und wahrt somit die Identität. "Die Zeiten der Almhütten sind vorbei", erklärt der Architekt. "Zeitgemäße Architektur soll aber die Historie des Ortes achten und verstehen."

Karlheinz Beer weiß, das zeitgenössische Architektur ins Ortsbild passen muss.

Eine Voraussetzung, die den Architekten des Kur- und Kongresshauses in Berchtesgaden zu seiner Bauzeit wohl nicht gelungen ist. "Das Kongresshaus ist ein Kind seiner Zeit", versucht Beer zu erklären. "Allerdings wurde nicht die richtige Antwort gegeben." Die Antwort auf die Frage: achtet und berücksichtigt der Bau die Historie seiner Umgebung.

Über diese Themen wird am Donnerstag in Berchtesgaden ausreichend diskutiert. Aus eigener Erfahrung kann Franz Rasp dabei erklären, wie man touristische Großprojekte nach außen hin richtig verkauft. "Landschaft ist nicht vermehrbar", erklärt der Bürgermeister auf Nachfrage von BGLand24. Deshalb sei es sinnvoll Bauprojekte dort anzusiedeln, wo bereits ein entsprechendes Gebäude stehe beziehungsweise abgerissen werden müsse. "Dort ist die nötige Infrastruktur wie Kanäle, Straßen, Gehwege bereits vorhanden", so Rasp. Im speziellen Fall Berchtesgadens habe auch etwas getan werden müssen, um der wachsenden Konkurrenz aus Salzburg etwas entgegenzusetzen.

Der Bürgermeister ist sich klar, dass man solche Prozesse der Bevölkerung nur Schritt für Schritt vermitteln kann, aber ein weitere Schritt ist die Fachtagung mit Kommunalvertreter und Touristikern. Der Austausch soll allen Gemeinden in Oberbayern einen neuen Blickwinkel auf möglicherweise geplante touristische Großprojekte liefern. Für Karlheinz Beer dabei besonders wichtig: "Kaum ein Wanderer läuft heute noch mit den Wollsocken auf den Watzmann." Also auch in Sachen Architektur müsse man mit der Zeit gehen, um die nötigen Alleinstellungsmerkmale im Tourismus, die für die Vermarktung wichtig sind, zu erreichen.

In diesem Zusammenhang betont Franz Rasp aber auch, dass ein Projekt wie das Hotel Edelweiss und die Umgestaltung des Ortskerns in Berchtesgaden nicht möglich gewesen wären, wenn es die Städtebauförderung nicht gebe. Diese soll jetzt aber reduziert werden. "Die geplante Kürzung macht mir große Sorgen", so der Bürgermeister. "Gerade im ländlichen Raum haben die Kommunen nicht die Möglichkeit, große Summen zu investieren. Die Qualität wird aber benötigt, um touristisch erfolgreich zu sein", so sein abschließender Appell an den Bund und den Freistaat Bayern.

Christine Zigon

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