„Ich bin froh, nicht das G8 machen zu müssen“

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Julius Bitterling (G9): „Ich bin froh, nicht das G8 machen zu müssen“.

Berchtesgaden – Wenn im März und Mai dieses Jahres etwa 100 Schüler am Gymnasium Berchtesgaden ihr Abitur angehen werden, liegen stressige Zeiten hinter ihnen.

Julius Bitterling ist Schüler in der letzten G9-Schulklasse, die nach neun Jahren Gymnasium das Abitur ablegen wird. Andrea Gugg und Sebastian Werner absolvieren ihren gymnasialen Abschluss bereits nach acht Jahren. Das angestrebte Ziel blieb immer gleich, nur der Weg dahin unterschied sich mitunter stark.

„Anfangs war es ein Prozess, sich mit dem G8 zu identifizieren“, sagt Andrea Gugg rückblickend. Die elfte Jahrgangsstufe sei besonders hart gewesen, nun, im Abschlussjahr, „läuft es wieder ruhiger“. „Ich bin froh, nicht das G8 machen zu müssen“, sagt Julius Bitterling, Oberstufe, 13. Klasse, gewählte Leistungskurse: Spanisch und Musik.

Andrea Gugg ist G8-Schülerin: „Heute finde ich es gar nicht mehr so schlecht“.

„Leistungskurse wird es zukünftig nicht mehr geben“, sagt Bitterling, der den ersten und bislang einzigen Musik-Leistungskurs besucht, froh darüber ist, da er sich mit dem gewählten Fach identifizieren kann. Musik ist seine Leidenschaft. Auch das Spanische liegt ihm, lange Zeit war er in Uruguay, da lag es nahe, dass er sich für jene Fremdsprach in vertiefender Hinsicht entschied. Anders bei Andrea Gugg, die sich wohl niemals für das Fach Deutsch entschieden hätte, in dem sie nun Abitur machen muss.

Im achtjährigen Gymnasium bleibt keine Wahl: Mathematik und Deutsch sind verpflichtend, gleichgültig, ob man gute oder schlechte Leistungen darin zeigt. Abwahlmöglichkeiten – Fehlanzeige. „Viele haben sich am Anfang über G8 beschwert“, sagt Gugg, „ich musste mich damit erst abfinden, habe mich auch ein wenig beeinflussen lassen“, resümiert sie. „Heute finde ich es gar nicht mehr so schlecht“, gibt sie zu verstehen, auch deshalb, weil das aktuelle Schuljahr etwas mehr Ruhe mit sich bringt. Die Zeit in der elften Klasse sei deutlich stressiger gewesen, nun – trotz anstehendem Abitur – kommt langsam Ruhe rein.

Dass keine Spezialisierungen à la Leistungskurse mehr möglich sind, bedauert auch Sebastian Werner, G8-Schüler und alles andere als glücklich darüber, Deutsch und Mathematik als Abiturfächer aufgebrummt bekommen zu haben. Dennoch würde er nicht mit den „G9lern“ tauschen wollen. „Ich spare mir mit dem achtjährigen Gymnasium ein ganzes Jahr“. Hinzu kommt die Reform bei Bundeswehr und Zivildienst, sodass das Studium im Idealfall um zwei Jahre früher beginnen kann. Darin liegt allerdings das wesentliche Problem, sagt Andrea Gugg, die G8-Schülerin, die später einmal Pferdewissenschaften in Wien studieren möchte. „Wir machen alle gemeinsam Abitur, die Bundeswehr-Verpflichtung fällt weg – und plötzlich wollen alle auf einmal zum Studieren“.

Der Gedanke missfällt ihr, denn hinsichtlich zusätzlich zur Verfügung gestellter Studienplätze schaut es schlecht aus. Die Welle an Abiturienten schwappt ohne sinnvoll getroffene Maßnahmen auf die bayerischen Universitäten herein. Wie diese mit der Flut an Studienanfängern umgehen sollen, ist fraglich. Ein großes Fragezeichen bleibt daher. „Die Aussichten sind in manchen Studiengängen richtig schlecht“, sagt Gugg.

Julius Bitterling sagt, dass der Lehrplan verkürzt worden sei – „um unser G9-Abitur vorzuziehen“. Der Hintergedanke: Der jetzige G9-Jahrgang soll bereits im Sommersemester zum Studieren beginnen können. „Damit die Unis entlastet werden“, meint Bitterling, wissend, dass bei Weitem nicht alle Studiengänge zum Sommersemester hin angeboten werden, darüber hinaus ein Großteil der Schüler sich dazu entschieden hat, sowieso erst im Wintersemester, das im Herbst des Jahres startet, einzusteigen. „Nur eine Handvoll Schüler meines Jahrgangs beginnen im Sommer mit dem Studieren“, weiß er. Au-pair, Auslandsaufenthalte, ein soziales Jahr, Freizeit – die Vorstellungen bis zum Beginn des Studiums, das ein Großteil der Abiturienten anstrebt, sind vielfältig. Der Run auf die Universitäten dürfte dann also dementsprechend groß ausfallen.

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