Hotel muss ohne Parkplätze auskommen

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Das traditionsreiche Hotel Vier Jahreszeiten hat ab September keinen eigenen Parkplatz mehr. Dort, wo einst die Gäste ihre Fahrzeuge abstellten, wird eine Wohnanlage errichtet.

Berchtesgaden - Seit Donnerstag besitzt das "Hotel Vier Jahreszeiten" keinen eigenen Parkplatz mehr. Hotelier Peter Miller sucht jetzt nach Stellplatz-Alternativen.

Für den Hotelier Peter Miller ist es eine Tragik besonderen Ausmaßes. Das traditionsreiche Hotel Vier Jahreszeiten im Herzen Berchtesgadens verliert ab September den an das Hotel angegliederten Parkplatz mit insgesamt 30 Stellflächen. Weil der Grundstückseigentümer den Grund veräußert hat. Dort soll bis nächstes Jahr eine Wohnanlage entstehen. Wie es für das Hotel ohne eigenen Parkplatz weitergeht, weiß keiner. Die Anfrage, Stellplätze der Gemeinde – unterhalb des Hotels gelegen – anzumieten, wurde abgelehnt. „Oberirdische Stellplätze vermieten wir in der Regel nicht“, sagt Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp. Tragik und Glück zugleich: Der Markt Berchtesgaden, der vor Jahrzehnten den jetzt von Hotelier Peter Miller so dringend benötigten Parkplatz von dessen Vater angekauft hatte, möchte entgegenkommen.

Bei jedem Satz von Peter Miller hört man seine Verzweiflung heraus. Ein Hotel ohne direkt angrenzenden Parkplatz – wie soll das funktionieren? Bislang war es so: Hotelgäste kamen mit dem Auto, konnten dieses hinter dem Haus parken, von dort aus mit ihren Koffern über den hinteren Hoteleingang das Haus betreten. „Dieser fällt nun komplett weg“, weiß Miller. Wegen der neu entstehenden Wohnanlage. Ihm schaudert bei dem Gedanken. In der Wohnanlage integriert ist eine Tiefgarage. Jedoch nur für Hausbewohner. Zu teuer wäre eine Tiefgaragenerweiterung gekommen. Künftig werden Gäste also mit ihren Koffern ein gutes Stück laufen müssen, um in das Hotel Vier Jahreszeiten zu gelangen. 30 Stellplätze fallen Hotelier Peter Miller weg. Alternative Parkmöglichkeiten gibt es kaum.

Das Hotel liegt zentral gelegen, die wenigen Stellplätze, die sich in der Hand des Marktes Berchtesgaden befinden, sind für die Öffentlichkeit bestimmt. Da könne man nichts machen, hört man aus dem Rathaus. Wäre das Geld dagewesen, hätte Miller den Parkplatz, auf dem nun die Wohnanlage entstehen soll, auch ankaufen können. 1,1 Millionen Euro habe der Grundstückseigentümer gefordert. Das sei aber nicht drin gewesen. Tragisch wird es, wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft. Denn das Hotel Vierjahreszeiten war durchaus einmal im Besitz eines nahe gelegenen Parkplatzes unterhalb des Hotels. Vor vielen Jahrzehnten wurde dieser an den Markt Berchtesgaden verkauft. „Hätten wir das nur gewusst…“, stöhnt Miller, der nun ratlos ist, machtlos. Natürlich möchte er auch künftig seinen Gästen das Parken ermöglichen. Nur wie?

Miller stand bereits mit dem Markt Berchtesgaden in Verhandlungen, wollte ehemalige Hotel-Parkplätze anmieten, 15 Stück. Aber: keine Chance.
Dennoch kam man ihm entgegen. Beim nahe gelegenen Parkdeck wurde die Höchstparkdauer aufgehoben, so Bürgermeister Rasp, eine „Lex Vier Jahreszeiten“ geschaffen. Für 3,50 Euro pro Tag kann man nun – auf öffentlichen Stellflächen – parken. Allerdings weiß Miller, dass diese nicht immer zur Verfügung stehen. „Wenn kein Platz frei ist, haben die Hotelgäste das Nachsehen“, sagt er. Kopfzerbrechen bereitet Peter Miller vor allem die Wegstrecke, die man in diesem Fall bis zum Hotel zurücklegen muss. „Für Gäste, die mit ihren Koffern anreisen, ist das nicht ideal“, sagt Miller. Deshalb hat er sich erneut an die Gemeinde gewandt, nachgehakt. Ob denn die Möglichkeit eingeräumt werden könnte, zwei Stellplätze auf dem Gemeindeparkplatz zu entleihen, um von dort „wenigstens das Ein- und Ausladen des Gepäcks“ bewerkstelligen zu können. Von Seiten des Rathauses willigte man ein.

Ein kleiner Teilerfolg für den Hotelier, der in Zukunft viel Aufklärungsarbeit leisten möchte. „Wir müssen unseren Kunden die Parkplatz-Problematik näherbringen“, sagt er. Denn: „Unsere Gäste hier auf dem Land erwarten sich, dass Parkplätze beim Hotel mit dabei sind“, erklärt der Hotelier. Der Belegungsschnitt liege bei drei Tagen. Die meisten Gäste seien auf der Durchreise, einige kämen sowieso mit dem Zug nach Berchtesgaden – da entfällt das Parkproblem. Eben jene, die mit dem Auto anreisten, gelte es zu sensibilisieren. „Das, was jetzt folgt, ist ein großes Experiment. Ab September erwischt es uns voll“, so Miller. Hotel ohne Parkplatz – die Zukunft scheint ungewiss, Miller hofft darauf, dass die Gäste die einzigen Alternativen annehmen werden. „Uns bleibt ja gar nichts anderes übrig“, so das kurze, knappe Fazit.

kp

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