Haus der Berge: Staunen, forschen, verstehen

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Hier werden bis 2012 die Umweltbildungswerkstätten des „Hauses der Berge“ errichtet.

Berchtesgaden - In einem „harmonischen Dreiklang“ soll das Konzept vom Millionen-Projekt "Haus der Berge" Ende 2012 schließlich aufgehen: Alle Bereiche sollen eng miteinander verknüpft sein.

Drei Teilbereiche wird es geben: Ein Informationszentrum mit Dauerausstellung, das weitläufige Außengelände sowie die Umweltbildungswerkstätten. Letztere haben einen „sehr hohen Stellenwert“ im 19-Millionen-Euro-Projekt, dem „Haus der Berge“ - künftiges Aushängeschild des Nationalparks Berchtesgaden. Alle Bereiche sollen eng miteinander verknüpft sein. Ziel des Konzepts: Den Besuchern „den nachhaltigen Umgang mit der Natur in verschiedenen Facetten näher zu bringen“, so die Nationalpark-Beauftragte für die Umweltbildungsstätten, Andrea Heiß.

Projektleiter „Haus der Berge“ Ulrich Brendel (r.) und der leitende Architekt Andreas Fichtner.

Natürlich liege der Fokus auch weiterhin auf dem Nationalpark, der Erforschung der Natur, beteuert die Nationalpark-Mitarbeiterin. „Wir versuchen, in den Umweltbildungswerkstätten das zu machen, was wir draußen nicht umsetzen können“, sagt Andrea Heiß. „Im Nationalpark erlebt man die Natur, in den Werkstätten wird man praktisch tätig.“ Gegenseitig sollen sich die Teilbereiche beleben, das Außengelände rund um das „Haus der Berge“, das Informationszentrum, die Labors. Die Umweltbildungswerkstätten nennt der Projektleiter „Haus der Berge“, Ulrich Brendel, „das kreative Herz“. Eine Machbarkeitsstudie des Büros „Ps.Planungsstudio“ aus Biberach an der Riß zeigt auf, was den Besucher in der Zukunft erwarten soll. Das Konzept ist flexibel. Ulrich Brendel sagt: „Bildung befindet sich in einem stetigen Wandel. Darauf müssen wir reagieren können.“ Auf statische Inhalte wird der Besucher in den Umweltbildungsstätten nicht treffen. Vielmehr auf inhaltlich vielfältige Themenräume wie Werkstatt, „Küche“, Labor- und Medienraum. Die Bezeichnungen sind noch nicht endgültig getroffen. Geschultes Personal wird durch die Werkstätten führen, „man wird nie alleine gelassen“, sagt Andrea Heiß. „Gemeinsam in der Gruppe können Dinge bewegt werden.“, heißt es in der Machbarkeitsstudie. Unabhängig von der Witterung und der Saison können Besucher in den Themenräumen Inhalte der Ausstellung praktisch vertiefen, aber auch Exkursionen in den Nationalpark vor- und nachbereiten. Darüber hinaus sollen die schwer zugänglichen Lebensräume des Nationalparks Berchtesgaden veranschaulicht werden können und „anhand praktischer Tätigkeiten erlebnisorientiertes Lernen im Sinne einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ermöglicht werden. „Forschen, suchen, entdecken, gestalten und verhalten“, so die beschreibenden Schlagworte, die verdeutlichen sollen, was man sich bei den Machern vorgenommen hat.

Andrea Heiß (r.) zeichnet für die Umweltbildungswerkstätten im „Haus der Berge“ verantwortlich. Links: die Leiterin des Staatlichen Hochbauamtes Traunstein, Doris Lackerbauer.

Flexibilität, Mobilität und Freiräume für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten der Lerninhalte, aber auch zum Austausch zwischen den Bildungseinheiten im „Haus der Berge“ sollen selbstverständliche Kriterien werden. Zur Zielgruppe der Umweltbildungsstätten gehören in erster Linie Schulklassen. Ziel sei es aber auch, individuelle Besucher mit speziellen Programmen in den Werkstätten direkt anzusprechen. Für Projektleiter Ulrich Brendel ist es durchaus vorstellbar, Klassen von der Grundschule an zu betreuen und in regelmäßigen Abständen, über die Jahre hinweg, mit neuen Inhalten zu versorgen. Ein ganzheitliches Konzept, das Schule machen soll. Beim angestrebten erlebnisorientierten, multisensorischen Lernen sollen die „unterschiedlichen Sinne angesprochen werden“, so dass das Erlernte sich schneller einprägen kann. Maximal zwei Gruppen mit je 15 Personen plant man, gleichzeitig zu betreuen. Überschaubar soll es bleiben, um Informationen gut vermitteln zu können. Im Foyer des zweigeschossigen Gebäudes orientiert sich das Gestaltungskonzept an den vier Hauptlebensräumen Wasser, Wald, Almweiden und Fels beziehungsweise Karst sowie den vier Elementen. Als Grundbausteine des Lebens bilden Wasser, Luft, Erde und Feuer die Basis der Umweltbildung und werden unter anderem gleich zu Beginn im Foyer dargestellt. Unterschiedliche Tierspuren weisen dem Publikum den Weg zu den „Aktivräumen“. Der Gast begibt sich somit auf Spurensuche. Gestaltungselemente, die je nach Jahreszeit abgeändert werden, sollen ein Ambiente mit saisonalem Bezug schaffen. Sogenannte Entdecker-Ecken, die inhaltlich regelmäßig abgeändert werden, haben die Aufgabe, Besucher mit all ihren Sinnen vor eine Herausforderung zu stellen: Naturmaterialien erfühlen, Hör- und Riechproben analysieren, Gucklöcher erforschen. Wiederkehrende Besucher können sich immer wieder aufs Neue überraschen lassen.

Aufwendige Wandgestaltungen, unter anderem Karstgestein, bieten regelrechte Einblicke in die Natur: Durch transparente Rohre und Wasserbecken können Besucher im Labor den unterirdischen Wasserfluss verfolgen. Das hierfür notwendige Wasser muss für eine erneute Demonstration aus der Karstquelle wieder in die Wolke gepumpt werden. Die Muskelkraft des Besuchers ist notwendig. In den Karsthöhlen wird das unterirdische Leben für den Besucher sichtbar. Schaukästen sollen die verschiedenen Phänomene des Karsts veranschaulichen, Wassergeräusche – aus der Natur entnommen – schaffen ein besonderes Ambiente.

Darüber hinaus wird es Bildungsmodule geben, große Kisten auf Rollen, die mehrere Funktionen und Eigenschaften miteinander vereinen: Aus Holz und robust wie eine Überseekiste, geheimnisvoll wie eine Schatztruhe, praktisch wie ein Schrankkoffer. „Für den Besucher werden die Kisten ganz besondere Überraschungen bieten“, sagt Ulrich Brendel. Die Umweltbildungswerkstätten werden ganzjährig geöffnet sein und zeitglich mit dem Informationszentrum und dem Außengelände des „Hauses der Berge“ eröffnet werden.

kp

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