„Haus der Berge“: Nachvollziehbare Skepsis

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Die Direktorin des Staatlichen Hochbauamtes Traunstein, Doris Lackerbauer, stellte sich den Fragen der Heimatzeitung. Mit auf dem Bild (v. l.): Architekt Michael Butschkau, Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel, Marktbaumeister Helmut Grassl sowie Projektleiter „Haus der Berge“, Ulrich Brendel.

Berchtesgaden – Mit dem „Haus der Berge“ betreut Doris Lackerbauer eines der „attraktivsten Hochbauprojekte“ der Bayerischen Staatsbauverwaltung. Doch es gibt auch Skepsis.

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Nicht überall stieß das Projekt bislang auf Gegenliebe. Das soll sich nun ändern. Die Weichen für ein Umdenken in der Bevölkerung sind gestellt.

Als neue Leiterin des Bereiches Hochbau am Staatlichen Bauamt Traunstein obliegt Ihnen auch die Aufsicht über das „Haus der Berge“ in Berchtesgaden. Kann der Zeitplan eingehalten werden? Bereits im März, hieß es, sollen die Holzbauarbeiten erfolgen.

Doris Lackerbauer: Darf ich voranstellen, dass ich mich freue und auch stolz darauf bin, seit Oktober 2010 für eines der attraktivsten Hochbauprojekte der Bayerischen Staatsbauverwaltung verantwortlich zu sein. Ganz schnell, und von den Projektbeteiligten meist unverschuldet, kann eine Baustelle in dieser Ausführungsphase aus dem Ruder laufen, oft durch Vergabeprobleme, aber etwa auch durch Witterungseinflüsse. Umso beruhigender ist es für mich, sagen zu können, dass unser Projektteam unter Leitung von Herrn Bauoberrat Andreas Fichtner die Maßnahme zum jetzigen Zeitpunkt exakt im Termin – und Kostenrahmen - hält. Die Betonarbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Bewusst wurde auf den Beginn der Holzbauarbeiten noch vor dem Winter verzichtet, weshalb der Baubetrieb in den vergangenen Wochen etwas ruhig wirkte. Wie vorgesehen sind aber im Winter Planung und Vorfertigung weitergelaufen, so dass im Mai mit dem konstruktiven Holzbau begonnen werden kann. Die Holzfassaden werden plangemäß ab Ende August aufgebracht. Das von der Marktgemeinde geforderte und für den Bauablauf sehr wichtige Einvernehmen über die Ausführung der Fassade konnte vor kurzem erzielt werden. Ich bedanke mich für die kritische und konstruktive Diskussion ganz herzlich bei Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp und den beteiligten Gemeinderäten, ebenso bei dem beratenden Architekten Manfred Brennecke.

Haus der Berge: Baustellen-Begehung:

Haus der Berge: Baustellen-Begehung

In die Kritik geraten ist die moderne Gestaltung. Passt das „Haus der Berge“ nach Berchtesgaden oder wird es sich ähnlich verhalten wie beim Kongresshaus Berchtesgaden?

Lackerbauer: Gerade, weil ich erst in der Phase der Ausführung ins Projekt eingestiegen bin, ich mich auch nicht mehr mit dem Entwurf des Gebäudes „schmücken“ kann, habe ich doch den Vorteil der objektiven und kritischen Betrachtung. Und nicht nur als Architektin kann ich Ihnen versichern, dass sich das „Haus der Berge“ in seiner „modernen Gestaltung“ hervorragend und für Berchtesgaden - vorerst einzigartig - einfügen wird. Sie können die beiden Gebäude, Kongresshaus und „Haus der Berge“, nicht vergleichen - weder in Optik noch in der Bauausführung. Unser Gebäude wird sich aufgrund seiner nutzungsorientierten, aufgegliederten Struktur und der flachen Dachform, vor allem auch mit dem vorherrschenden Baustoff „Holz“, so perfekt wie nur möglich einfügen. Das umstrittene Flachdach ist durch den heutigen Stand der Bautechnik in Betrieb und Unterhalt auch nicht mehr mit den Dächern der 60er Jahre vergleichbar. Die „Bergvitrine“, so nennen wir den bisher ebenfalls sehr diskutierten „Würfel“, möchte ich nicht nur als ein wichtiges architektonisches Moment im Neubau verstanden wissen. Sie wird für den Betrachter im Zusammenhang mit der spannenden Natur der umgebenden Berge erlebbar werden, von außen wie von innen.

Grundsteinlegung beim Haus der Berge:

Grundsteinlegung für das "Haus der Berge"

Können Sie kritische Stimmen verstehen?

Lackerbauer: Ja. Ich kann die Skepsis der Bürgerinnen und Bürger gut nachvollziehen. Mit dem „Haus der Berge“ wird eine bisher ungewohnte Architektursprache in Berchtesgaden einziehen. Angst davor und Ablehnung ist aber unnötig. Der Gebäudekomplex wird im Einklang mit der umgebenden baulichen Struktur stehen und ist mit großem Respekt vor dem Anspruch der einzigartigen Natur Berchtesgadens entworfen worden.

Was können Sie über die beim Bau verwendeten Materialen sagen?

Lackerbauer: Bei der Planung lag der Fokus auf Natürlichkeit und Nachhaltigkeit der Baustoffe und auf der Verwendung heimischer Produkte – Hölzer sowie Naturstein.

kp

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