Grüne Gründe gegen Olympia 2018

Schönau am Königssee - Die Grünen im Berchtesgadener Land haben das Votum der Bundesversammlung der Grünen gegen eine Bewerbung für die Olympische Winterspiele 2018 begrüßt.

Wie Kreisvorstandsmitglied und Kreisrat Edwin Hertlein auf der letzten Grünen-Kreisversammlung ausführte, gebe es durchaus gute Argumente gegen die derzeit laufende Bewerbung von München, Garmisch und Königssee. Hertlein wies die Aussage des Chefs der Bayerischen Staatskanzlei, Siegfried Schneider, zurück, der Die Grünen ob dieses Beschlusses im „gesellschaftlichen Abseits“ sieht. Große Teile der Bevölkerung lehnten diese Bewerbung ab. Hertlein wies unter anderem auf eine Internetumfrage von Bayern 2 hin, bei der eine knappe Mehrheit gegen die Bewerbung votiert habe. Dass die Befürworter dieser Bewerbung offenbar „Angst vor der Bevölkerung“ hätten, belegt aus Sicht Hertlein´s der schnellen Rückzug vom geplanten Veranstaltungsort Oberammergau, nachdem dort ein Bürgerentscheid gedroht habe. Im gesellschaftlichen Abseits sieht Hertlein vielmehr jene Olympiabefürworter, die mit Morddrohungen gegen exponierte Olympiagegner versuchten, deren Haltung zu beieinflussen.

Dies sie wiederholt in Garmisch-Partenkirchen geschehen. Ausführlich erläuterte Hertlein die Argumente der Grünen im Berchtesgadener Land gegen die laufende Olympiabewerbung. So seien die geplanten ökologischen Eingriffe in Garmisch-Partenkirchen durchaus erheblich. Den Versprechungen, Olympia 2018 in München, Garmisch und Königssee würden „ökologische“ Winterspiele, schenke er wenig Glauben. Was aus solchen Versprechungen werde, zeige die für nächstes Jahr geplante Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen. So war unter anderem die Umsetzung eines ambitionierten Verkehrskonzeptes versprochen worden. Nach diesem Konzept, das der renommierte Klimaforscher Professor Wolfgang Seiler ausgearbeitet hatte, sollten 70 Prozent aller Wettkampfbesucher mit Bus oder Bahn befördert werden. Nachdem die Umsetzung dieses Konzeptes vom Organisationskomitee aber abgelehnt wurde, zog sich Seiler aus dem Organisationskomitee zurück.

Ökologisches Konzept wieder verworfen

Ob Wintersportgroßveranstaltungen in unseren Breitengraden unter dem Einfluss des Klimawandels überhaupt ökologisch betrieben werden könnten, sei immer zweifelhafter. So würden in Garmisch-Partenkirchen an der Kandahar Abfahrt jetzt sogar Kühltürme für die künstliche Beschneiung errichtet. Aber auch im Laufe dieser Bewerbung habe es Veränderungen am ökologischen Konzept gegeben. So musste das ökologische Hauptprojekt, die Einrichtung eines Biosphärenreservates im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, schon nach wenigen Wochen wieder beerdigt werden. Das zweite Hauptargument für die Ablehnung dieser Olympiabewerbung durch die Grünen sind die finanziellen Risiken. Nach Ansicht Hertleins zeige allein die Kostensteigerung innerhalb eines Jahres, welche finanziellen Risiken die Durchführung von Olympia 2018 berge. So sei das Durchführungsbudget von 1,074 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf nunmehr 1,3 Milliarden angestiegen. Das sei eine Kostensteigerung von mehr als 10 Prozent. Die Kosten für das Athletendorf am Königssee seien im letzten Jahr noch auf 26 bis 30 Millionen Euro geschätzt worden. In diesem Jahr würden die Kosten auf 42 Millionen Euro taxiert. Das sei eine Steigerung von fast 30 Prozent. Interessant sie in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Zahlen von Vancouver, dem Schauplatz der letzten Olympischen Winterspiele.

Dort habe es eine Kostensteigerung von 50 Prozent gegenüber der ursprünglichen Kostenschätzung gegeben. Bemerkenswert im Zusammenhang mit den Kostenschätzungen für die aktuelle Olympiabewerbung sei, dass die Einnahmen wie auf wundersame Weise im selben Maß anstiegen wie die Ausgaben. Dass man den Beteuerungen der Befürworter auf keinerlei finanzielle Risiken bei den Kosten nicht unbedingt Glauben schenken müsse, belege auch das Beispiel mit den Kosten für die Bewerbung. Hier sei vollmundig versprochen worden, dass die zunächst auf 30 Millionen geschätzten Bewerbungskosten ausschließlich von privaten Sponsoren aufgebracht würden. Inzwischen seien die Bewerbungskosten auf 33 Millionen Euro angestiegen. Schätzungsweise die Hälfte dieser Summe werde vom Steuerzahler aufgebracht werden müssen. Wenn man schon bei der im Vergleich „lächerliche“ Summe von 33 Millionen Euro mit einem Defizit abschließe, wie glaubwürdig sei dann das Versprechen, 1,3 Milliarden Euro Durchführungskosten für Olympia 2018 ohne ein von der öffentlichen Hand zu finanzierendes Defizit „stemmen“ zu können.

Kritik an Vertragsgestaltung mit dem IOC

Ein weiterer Kritikpunkt aus Sicht der Grünen ist die Vertragsgestaltung mit dem IOC. Die vorgelegten Verträge wären „Knebelverträge“ bei der das IOC sich das Recht einräume, nachträglich und einseitig Vertragsgegenstände zu ändern. Zudem sei das IOC ein völlig intransparenter Verein. Die laufende Bewerbung nannte Hertlein „die schlechteste, an der das Berchtesgadener Land bislang teilgenommen habe“. Ständige Wechsel in der Geschäftsführung, mehrere Umplanungen bei den Wettkampfstätten, und ein völlig indiskutables Vorgehen gegenüber Grundstücksbesitzern kennzeichneten diese Bewerbung. Dass Grundstücksbesitzer in Garmisch-Partenkirchen erst aus der Zeitung erfahren hätten, dass ihre Grundstücke für Olympia verplant wären, sei „eine Sauerei“, so Hertlein. Bis zum heutigen Tag hielten viele der betroffenen Grundstückeigentümer an ihrer Haltung, für Olympia 2018 ihre Grundstücke nicht zur Verfügung zu stellen, fest.

Es stelle sich die Frage, ob die Befürworter diese Grundstücksbesitzer enteignen wollten. Das erinnere fatal an die Enteignungen im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen von 1936. Aufgrund all dieser „Mängel“ bei der Organisation dieser Bewerbung hätten auch zahlreiche prominente ehemalige „Sportgrößen“ wie Markus Wasmeier und Erhard Keller diese Bewerbung kritisiert. Zahlreiche Organisationen wie der Bayerische Jugendring oder der Deutsche Naturschutzring lehnten diese Bewerbung ab. Der Jungen Union Berchtesgadener Land, welche die hiesigen Grünen im Anschluß an die letzte Kreistagssitzung wegen ihrer ablehnenden Haltung zu Olympia 2018 kritisiert hatte, empfahl Hertlein, sich in dieser Frage mal mit ihren Parteifreunden aus Garmisch- Partenkirchen zu unterhalten. Die lehnten nämlich ebenfalls diese Olympiabewerbung ab.

Hertlein/Pressemeldung Grüne

Rubriklistenbild: © dpa

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