Grüner Alleskönner im Klimastress

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v.l.: Christian Huber, Dr. Roland Baier, Axel Göttlein, Andreas Rothe, Prof. Klaus Katzensteiner.

Berchtesgaden - Er ist Holzlieferant, Lebens- und Erholungsraum, Kulturgut, Wiege der Artenvielfalt und Luftfilter zugleich und er bietet Arbeitsplätze sowie Lawinen- und Trinkwasserschutz - der Bergwald. Aber: Er ist im Stress!

Der Bergwald ist ein echter Alleskönner, die Liste seiner Aufgaben und Leistungen ließe sich beliebig fortsetzen. Doch in Zeiten des Klimawandels müssen sich auch Fichte, Lärche und Co. warm anziehen. Im Nationalpark-Haus Berchtesgaden wurde kürzlich der Grundstein gelegt zu einem Projekt, das den Bergwald fit machen soll für künftige Aufgaben.

„Ziel des neuen Projektes ist die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen zum Erhalt und zur Verbesserung der Schutzfunktionen von Bergwäldern“, erläutert Professor Axel Göttlein von der Technischen Universität (TU) München. Der Wissenschaftler stellte bei der zweitägigen Auftaktveranstaltung im Nationalpark-Haus Berchtesgaden die wesentlichen Eckpunkte des Projekts mit dem Titel „Standortsicherung im Kalkalpin“ vor. Projektpartner Professor Andreas Rothe von der Fachhochschule Weihenstephan ergänzt: „Im Nationalpark Berchtesgaden untersuchen wir die Eignung der wichtigsten Baumarten wie Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Buche und Bergahorn zur Sicherung der Schutzfunktionen des Waldes. Dabei spielen die Toleranzen der verschiedenen Baumarten gegenüber Witterungsextremen und ihre möglichen Reaktionen auf den Klimawandel eine wichtige Rolle.“

Anlässe zum Start des neuen Forschungsprojektes gibt es reichlich: Jährlich fließen Millionen Euro Steuergelder in Erhalt und Regeneration der Gebirgswälder. Trotz dieses großen Aufwandes steigt die zu sanierende Waldfläche ständig an, denn Naturereignisse wie Windwürfe und Massenvermehrungen von Borkenkäfern nehmen im Zuge des Klimawandels zu. Die ökologischen und ökonomischen Schäden sind enorm, wenn auf den betroffenen Flächen nicht schnell wieder neuer Wald entsteht. „Oft zeigen Pflanzungen nicht den erhofften Erfolg für die Wiederbewaldung“, gibt Professor Göttlein zu bedenken und betont die Notwendigkeit zur Entwicklung alternativer Behandlungsmethoden für betroffene Waldflächen. Besonderes Augenmerk der Wissenschaftler gilt dabei dem Erhalt der Humus- und Nährstoffvorräte sowie der Wasserspeicherfähigkeit der Standorte.

Der Nationalpark Berchtesgaden dient mit seinen unbeeinflussten Naturverjüngungen mit Totholzbeständen vor allem als Vergleichfläche zu künstlich aufgeforsteten Gebieten wie beispielsweise im Lattengebirge. Dr. Roland Baier, stellvertretender Nationalparkleiter, ist in den Projektbeirat berufen worden und an der praxisrelevanten Aufbereitung der Ergebnisse besonders interessiert: „Die Sicherung empfindlicher Gebirgsstandorte über eine erfolgreiche Waldverjüngung ist der Grundstein für kommende Generationen. Nach Abschluss des Projektes sollen Waldbesitzern und Forstverwaltungen wissenschaftlich fundierte Grundlagen zur Erstellung von Managementplänen zur Verfügung gestellt werden.“ Diese werden sowohl die Frage nach standortgerechten Baumarten beantworten als auch Tipps geben zur Wahl der besten Pflanzmethoden.

Neben der TU München sind auch die Fachhochschule Weihenstephan und die Universität für Bodenkultur in Wien an dem internationalen Projekt beteiligt, das noch bis zum 31.12.2012 läuft. Das Untersuchungsgebiet umfasst die bayerisch-österreichischen Kalkalpen.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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