Großübung im Nebel

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BRK-Kreis-Wasserwacht testet am Höglwörther See unter realistischen Bedingungen das Improvisationsvermögen ihrer Einsatzkräfte aus

Anger/Höglwörth - Die Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) der BRK-Wasserwacht aus Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing und Laufen haben bei einer Großübung am Höglwörther See mit 50 Helfern die Rettung von mehreren verletzten und vermissten Schwimmern trainiert.

Angenommen wurde, dass zwölf Kinder und Jugendliche einer Schulklasse am Wandertag trotz der herbstlich-kühlen Witterung vom Wasserfall über den See in Richtung Bad schwimmen und im Nebel erschöpft und unterkühlt die Orientierung verlieren.

Zwei Mitglieder der Gruppe sind untergegangen und werden vermisst, die restlichen retten sich mit Schock und ausgekühlt ans Ufer und auf eine nahe Schwimminsel. Zwei weitere Jugendliche stürzen im Bergwald ab und verletzen sich schwer, nachdem sie wegen fehlendem Handyempfang in Richtung Zellberg losgelaufen waren, um Hilfe zu holen. Das Team für Realistische Unfall- und Notfalldarstellung (RUD) des Jugendrotkreuzes (JRK) hatte im Vorfeld insgesamt zehn Mimen mit viel Schminke und Kunstblut in schaurig-schöne Patientendarsteller verwandelt.

Als der Erkundungstrupp der ersteintreffenden Reichenhaller Wasserwacht kurz nach 9 Uhr am Vormittag an der Wachstation am Seeufer auf einen Schüler trifft, der losgeschickt worden war, um Hilfe zu holen, ertönen Hilferufe über die von Nebelschwaden bedeckte Wasserfläche; drei völlig unterkühlte Kinder sitzen auf einer Schwimminsel fest, sechs weitere warten erschöpft am gegenüberliegenden Ufer auf Hilfe. „Wir haben die eingesetzten Einheiten bewusst mit nicht vorhersehbaren Schwierigkeiten konfrontiert, an ihre Grenzen gebracht und zum Improvisieren gezwungen: Das an der Wachstation vorhandene Boot ist wider Erwarten nicht einsatzbereit und zu Beginn stehen viel zu wenig Helfer und kaum Material zur Verfügung, um alle Patienten adäquat versorgen zu können“, erklärt Übungsleiter Günter Eisenschink.

Da noch keine Boote gewassert wurden, muss eine Wasserretterin des Voraustrupps gesichert von einem Leinenführer mehrmals die weite Strecke bis zur Plattform schwimmen, um ein Mädchen vor dem Ertrinken zu retten und zwei weitere bewusstlose Schüler zu versorgen. Nach und nach treffen weitere Einheiten ein, wobei insgesamt drei Boote eingesetzt werden, mit denen im Pendelverkehr Retter und Material durch den Nebel zu den Patienten gebracht und die liegenden Verletzten abtransportiert werden. Während sich die Fußtrupps um die medizinische Erstversorgung an der Patientenablage kümmern, suchen weitere Helfer das Ufer und den nahen Wald nach den beiden Vermissten ab; schnell wird klar, dass die Schüler völlig erschöpft im See versunken sind, weshalb der „Einsatzleiter Wasserrettung“ Rettungs- und Bergetaucher per Boot ins Suchgebiet bringen lässt.

Großübung im Nebel von der BRK-Kreis-Wasserwacht

„Die eingesetzten Helfer sollten vor allem auf ihre Eigensicherheit achten und die Patienten fachgerecht medizinisch versorgen. Als Abschnittsleiter wurde ein eigener Taucheinsatzführer bestimmt, der das Suchgebiet eingrenzen und unterteilen sowie die angewendeten Techniken festlegen musste“, erklärt Eisenschink. Nach rund zwei Stunden, viel Schweiß, Muskel- und Nervenarbeit sind alle zehn Mimen adäquat versorgt und an den Landrettungsdienst zum Weitertransport in die Kliniken übergeben; die Rettungstaucher finden schließlich trotz extrem schlechter Sicht am Seegrund zwei Holzpuppen und bergen sie an die Oberfläche; trotz intensiver Wiederbelebungsversuche kommt für beide jede Hilfe zu spät.

Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer dankte bei der Nachbesprechung dem Seeeigentümer, der Firma Wieninger, die sich spontan bereit erklärt hatte, das Gewässer zu Übungszwecken zur Verfügung zu stellen. Der gesamte Übungsablauf wurde durch das Team der Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG-SanEL) der BRK-Bereitschaften im Auftrag der Übungsleitung vom Einsatzleitfahrzeug aus gelenkt und dokumentiert.

www.kvberchtesgaden.brk.de

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