Großaufgebot bei Einsatzübung

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Schneizlreuth/Baumgarten - 23 Mitglieder der Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger haben einen Großeinsatz unter realistischen Bedingungenam Röthelbach im Lattengebirge durchgespielt.

Selbst wenn die Einsatzstelle nur rund 1.000 Wegmeter von der Bundesstraße 21 entfernt liegt, bringt die bodengebundene Rettung von zwei Verletzten aus unwegsamen Gelände einen enormen logistischen Aufwand mit sich.

23 Mitglieder der Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger haben einen derartigen Großeinsatz unter realistischen Bedingungen dreieinhalb Stunden lang am Röthelbach im Lattengebirge im Rahmen einer Übung durchgespielt. Dunkelheit, die schwer beschädigte Forststraße, poröses Gestein und die Geröllreste des Unwetters vom Juli erschwerten dabei die Arbeit zusätzlich. So mussten Bohrhaken gesetzt, großräumige Kräftedreiecke gebaut und loses Geröll beseitigt werden.

„Der Unterschied zwischen einer Einsatzübung und einem echten Einsatz besteht für uns lediglich in der Bekanntgabe der Uhrzeit. Was auf die Übungsteilnehmer zukommt wissen nur die Ausbilder“, erklärt Bergwacht-Pressesprecher Marcus Goebel. Entsprechend groß waren die Erwartungen, als sich um 17.30 Uhr 18 Bergwachtleute der Bereitschaften Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger am Bergwachtdepot in Bad Reichenhall einfanden. Um 17.45 Uhr gab Ausbildungsleiter Stefan Strecker dann die erste Lagemeldung bekannt: „Eine abgestürzte Person mit Kopfplatzwunde und Unterarmverletzung im Bereich des Todsbaches an der Röthelbachstraße; ein Kontakt zum Melder konnte nicht mehr hergestellt werden!“

Einsatzübung Bergwacht

Der Einsatzleiter schickte daraufhin ein Vorauskommando von sechs Mann zur Röthelbachstraße, die nach dem Unwetter von Anfang Juli mit mehreren Murenabgängen nur mehr wenige hundert Meter weit befahrbar ist. Er selbst bezog Stellung in Baumgarten und leitete von dort das weitere Einsatzgeschehen. Bereits am Ende des noch befahrbaren Abschnitts der Forststraße mussten zwei Einsatzkräfte zu Sicherungszwecken an dem abgerutschten Straßenstück über eine Länge von rund 30 Metern ein Seilgeländer errichten. Der Rest des Voraustrupps stieg weiter zum Unfallort auf. Dort stellten die Retter fest, dass oberhalb der abgestürzten Person im Steilgelände des Todsbachs noch ein zweiter Patient mit Sprunggelenksfraktur und großflächigen Abschürfungen auf Hilfe wartet.

Bei der medizinischen Erstversorgung des ersten Patienten - gemimt von Bereitschaftsleiter Urs Strozynski - diagnostizierten die Retter neben einer Kopfplatzwunde auch eine Unterkühlung, eine Pfählungsverletzung am Arm und eine Herzerkrankung. Goebel: „Die medizinischen Anforderungen an die Erstversorger wurden somit immer höher geschraubt und alle Maßnahmen vom anwesenden Bergwachtarzt kritisch begutachtet.“

Mitglieder der BRK-Bereitschaft Ruhpolding hatten die Mimen zuvor mit viel Schminke perfekt in realistisch anmutende Patienten verwandelt. Nach und nach steigerte Ausbildungsleiter Stefan Strecker mit zusätzlich eingespielten Schwierigkeiten das Anforderungsprofil an die Teilnehmer, die immer mehr beim Einsatzleiter nachforderten: Einen Bergwachtarzt, weitere zehn Mann und Material für den zweiten Verletzten. Der angeforderte Rettungshubschrauber sowie Unterstützung durch die Nachbarbereitschaften Freilassing und Ramsau waren laut Übungsleitstelle nicht verfügbar. Als die Dunkelheit einsetzte, mussten die Reichenhaller und Angerer Einsatzkräfte improvisieren, da sie ganz auf sich allein gestellt waren.

Als die Patienten auf der Forststraße angekommen waren, war die Übung noch lange nicht vorbei: Der schwer Verletzte wurde in der Gebirgstrage gesichert bis zum Seilgeländer gefahren. „Dabei mussten wir metertiefe Gräben in der Straße überwinden und Geröllhalden und umgestürzte Bäume überqueren“, berichtet Goebel. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit - es war bereits kurz vor 21 Uhr - hatte der Ausbildungsleiter schließlich Erbarmen mit den Übenden und ordnete aus Sicherheitsgründen an, dass der Patient bei der nun herrschenden Dunkelheit nicht mehr über das Seilgeländer mit der Gebirgstrage transportiert werden soll. Goebel: „Der einmal entfachte Ehrgeiz von Bergwachtmännern und -frauen ist aber nicht so leicht zu bremsen: Eine leere Gebirgstrage über die 30 Meter Seilgeländer zu transportieren ist keine wirkliche Herausforderung.“ So packten die Übenden das bisher getragene Material kurzerhand in die Gebirgstrage, die dadurch fast wieder das Gewicht wie mit dem Patienten hatte. So wurde die seilversicherte Stelle auch noch unter regulärer Belastung überwunden.

wohl wissend, dass ein Einsatz ähnlich der eben abgeschlossenen Übung wieder ganz andere und neue Herausforderungen für die Einsatzkräfte mit sich bringt. Um 21.45 Uhr gab der Ausbildungsleiter das Kommando zum Einrücken ins Depot, wo noch das Säubern und Aufräumen der Geräte auf die Teilnehmer wartete.

Pressemitteilung Bayerisches Rotes Kreuz, KdöR - Kreisverband Berchtesgadener Land

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