Von Gipfelstürmern, Abstürzen und den vollen Überblick

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Wer „oben“ ist, hat den „vollen Überblick“: Prof. Dr. Dagmar Schmauks beschäftigt sich mit Redewendungen mit Berg-Bezug.

Berchtesgaden - Über bergische Redewendungen ging es zum Auftakt der Wintervortragsreihe des Alpenvereins. Hierzu kehrte eine Berliner Professorin nach Berchtesgarden zurück:

Mühsam müsse man sich "hocharbeiten", sagt Professorin Dr. Dagmar Schmauks, stehe häufig „vor einem Berg von Problemen“, um dann leicht wieder „abzustürzen“. In der Auftaktveranstaltung zur Wintervortragsreihe des Deutschen Alpenvereins Sektion Berchtesgaden, beschäftigte sie sich mit dem Gebirge in Redewendungen. Auch Menschen, die selbst nie in den Bergen wandern, kennen Gebirge aus dem Fernsehen. „Deshalb versteht man entsprechende Wendungen im Alltag ohne Weiteres“, sagt sie.

Dagmar Schmauks ist Professorin am Institut für Sprache und Kommunikation der Technischen Universität Berlin. Mit Berchtesgaden verbindet sie viel. Zehn Jahre lang hat sie hier gewohnt. Das war in den 70er und 80er Jahren. Auch zur Bergwelt hat sie einen besonderen Bezug. Sie liebt die Natur, kennt sich in den Berchtesgadener Alpen aus. Und weil es ihr Forschungsgebiet an der TU Berlin zulässt, hat sie sich dazu entschieden, die Berge auch auf ihre Verwendung in der deutschen Sprache hin zu beleuchten. „Gipfelsturm mit Hindernissen“ nennt sie ihren Vortrag. Das ist nicht ihr erster Abstecher in unbekannte Gefilde.

„In der Vergangenheit habe ich mich zwei Jahre lang mit Redewendungen zur Dummheit beschäftigt“, sagt Schmauks. Berge hingegen seien ein weites Feld. Vom Berg gehe die Gefahr aus, sagt die Professorin, sie stellen eine Herausforderung dar und gelten in der Allgemeinheit als „ewig“ – obwohl die Erosion auch an ihnen nage. Weil Berge hoch sind, gelten sie oftmals als Heilige Orte, „dort oben, wo die Götter wohnen“. Und Berge bieten Orientierung und den Blick über die Dinge hinweg. „Meinen Sie wirklich, dass die Leute alle nur auf den Kehlstein gehen, weil dort oben gewisse Personen waren?“, fragt Schmauks. Der Rundumblick sei das Entscheidende. Denn wer „oben“ ist, hat den „vollen Überblick“ – und sieht auf andere „herab“, die ab und zu dastehen wie „der Ochs vor’m Berg“.

Viele Redewendungen seien jedoch in sich nicht schlüssig, auch unlogisch: „Ich habe immer angenommen, Ochsen seien schlaue Tiere“, meint die Sprachwissenschaftlerin. In der Redewendung ist davon nichts mehr zu spüren. Berge seien häufig auch Hindernisse. Man könne sie entweder bezwingen, für die Almwirtschaft nutzen, umgehen, überqueren, besiedeln oder umrunden – so wie das beim australischen Ayers Rock geschieht, da dieser zu „heilig“ ist, um bestiegen zu werden. Im alltäglichen Sprachgebrauch bedeute der Begriff „oben“ eine gute Ausgangsbasis. Der, der oben ist, besitzt eine gute Stimmung. Der, der „unten“ ist, ist bedrückt und am Tiefpunkt angekommen. „Es gibt unvorstellbar viele Redewendungen, die einen Berg-Bezug haben“, sagt Schmauks. Von „über den Berg sein“, was so viel bedeutet, wie das Schlimmste überstanden zu haben, bis hin zu „jemandem über den Berg helfen“ – Hilfe leisten in schwierigen Situationen. Redewendungen, Zitate, Sinnsprüche – Schmauks Sammlung ist riesig, abendfüllend.

Damit hinter dem Berg halten? Nein, dazu gibt das Thema zu viel her.

kp

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