Gemeinde schüttet Schnee in Ache!

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Berge von Schnee, den die Gemeinde Schönau am Königssee in die Ache befördert hat. Derzeit laichen Fische. Die Folgen sind nicht absehbar.

Schönau am Königssee - Wohin mit dem vielen Schnee? Die Gemeinde Schönau am Königssee schüttete ihn kurzerhand in die Königsseer Ache - ohne Genehmigung!

„Wir haben momentan zu viel Schnee und brauchen Platz für die anstehende Wok WM“, sagt Hannes Rasp, Geschäftsführer der Gemeinde Schönau am Königssee. Deshalb hat sich die Kommune ihres Schnees in der Ache entledigt. „Normal machen wir das nicht. Eine Genehmigung dauert aber sehr lange“, entschuldigt sich Rasp kleinlaut. Die Schneeentsorgung hat nachweislich ohne Genehmigung stattgefunden, wie Andreas Bratzdrum vom Landratsamt Berchtesgadener Land bestätigt. Doch könnte die für die Gemeinde peinliche Angelegenheit nun Folgen nach sich ziehen.

Schneeproblem in Schönau am Königssee

Aufmerksam geworden, dass da was nicht mit rechten Dingen vor sich geht, wurde der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee. Christian Fries sagt, dass die Gemeinde nicht einfach ohne Genehmigung Räumschnee in der Ache abladen könne. „Es fehlt die Erlaubnis.“ Denn das Areal rund um das Grafenlehen, wo Schönau am Königssees Räumtrupp ganze Berge an Schnee in den örtlichen Fluss geschoben hat, ist ein sensibler Bereich, in dem heimische Fischarten leben. Es gehe, so Fries, gar nicht darum, dass im entsorgten Schnee Salz zu finden sei. Vielmehr ist es die Kälte, die Fischen wie Regenbogenforelle und Bachforelle zusetzt; „Bei so viel Schnee kühlt der Fluss künstlich ab.“ Die Folgen sind nicht absehbar. Hinzu kommt, dass derzeit Laichzeit ist, Schonzeit, die Eier liegen im Kiesbett. „Das ist ein schützenswerter Zeitraum, der Laich könnte vernichtet sein“, sagt Fries. Es gehe auch nicht nur um die Fische, sondern generell darum, was da vor sich geht. Ein Gewässer werde nachhaltig beschädigt, „die Bürgermeister als Markgrafen haben für unsere Belange nichts übrig“, sagt Fries. Und handelten einfach nach dem Sankt-Floriani-Prinzip: „Bevor sie einen eigenen Nachteil haben, entsorgen sie den Schnee einfach dort, wo ein anderer die Folgen tragen muss.

Hannes Rasp von der Gemeinde Schönau am Königssee sagt, dass überschüssiger Schnee grundsätzlich auf dem Wölflerfeld abgeladen würde. Auch dort zeigt sich ein großer Schneeberg. Doch könne nicht jede Art von Schnee dort abgeladen werden. Am Großraumparkplatz Königssee, der für Stefan Raabs Wok WM geräumt sein muss, befinde sich sehr viel Kiesel, sagt Rasp. Allerdings dürfe Schnee, der mit Kiesel vermischt sei, nicht einfach auf das Wölflerfeld geladen werden. „Dann hätten wir im kommenden Frühjahr, nach dem Schmelzen, ein Problem dort“, sagt er. Also bedient sich die Gemeinde einer Methode, die nicht rechtens ist? „Es tut uns ja leid“, entgegnet Rasp. Seit Jahren habe man den eigenen Schnee schon nicht mehr in der Ache entsorgt. Der erforderliche Platz habe ein solches Handeln aber notwendig gemacht. Auf die Frage, warum man sich denn bei der Gemeinde um keine Genehmigung beim Landratsamt gekümmert habe, wird der Geschäftsführer ein wenig sprachlos: „Das war nicht ganz richtig.“ Eine solche Genehmigung dauere aber seine Zeit. Zeit, die die Gemeinde angesichts der bevorstehenden Wok Weltmeisterschaft nicht zu haben scheint. Die Vorbereitungen für das TV-Großereignis laufen langsam an.

In der Marktgemeinde Berchtesgaden herrscht derzeit ein ähnliches Chaos angesichts der Mengen an Neuschnee, die in den vergangenen Tagen gefallen sind. Klaus Rosenberger vom Berchtesgadener Bauhof sagt, dass es verschiedene Abladestellen gebe, die dafür genutzt würden – etwa am Salinenplatz, im Rostwald oder beim Hirschensprung. Darüber hinaus hat die Kommune eine Genehmigung des Landratsamts, kleinere Mengen in das Fluss-Gewässer zu befördern. Kleinere Mengen? Eine konkrete Zahl kennt Rosenberger auch nicht.

In Sachen Königsseer Ache hat sich zwischenzeitlich das Wasserwirtschaftsamt Traunstein eingeschaltet. Reinhard Prokoph, zuständig für das Berchtesgadener Land, sagt, der Schnee müsse wieder aus dem Wasser entfernt werden. „Unbedingt.“ Der Pressesprecher des Landratsamts, Andreas Bratzdrum, bestätigt das. „Ja, der Schnee muss raus.“ Ein Bescheid müsse nun ausgestellt werden. Die Frage ist, wie lange das dauert. Schnee schmilzt bekanntlich sehr schnell.

kp

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