Es geht los: Bergrettungswache wird neu gebaut

Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner (in der Mitte) übergab am Dienstag die Baugenehmigung für die neue Rettungswache an Bergwacht- Bereitschaftsleiter Dr. Klaus Burger (l.). 

Bad Reichenhall - Nach drei Jahren Vorbereitung und vielen Turbulenzen beginnen nun im Oktober die Arbeiten am Neubau der Bergrettungswache.

Der Bauausschuss der Stadt Bad Reichenhall hat am 12. September 2011 grünes Licht für das Vorhaben gegeben. Bereits eine Woche später konnte Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner an Bergwacht-Bereitschaftsleiter Dr. Klaus Burger sowie die Verantwortlichen des Neubau-Projekts auf dem Baugrundstück die Baugenehmigung überreichen. Damit ist der Weg frei für die neue Bergrettungswache in der Reichenbachstraße mit der neuen Hausnummer 17. Bereits im Juni 2012 wollen die freiwilligen Bergretter von dort zu ihren Einsätzen ausrücken.

Rosenberger setzt der neuen Rettungswache ein Dach auf Wie bereits mehrfach berichtet und schon bald gebetsmühlenartig vorgetragen ist die Bergwacht Bad Reichenhall seit Juli 2009 in einer Notunterkunft in der Frühlingstraße untergebracht. Raumnot, schlechte Verkehrsanbindung und fehlende Ausbildungsmöglichkeiten ließen die Bergretter vor einem Jahr fast verzweifeln, als sich der dringend notwendige Neubau einer Bergrettungswache aus finanziellen Gründen scheinbar nicht mehr realisieren ließ. Die Bergretter traten mit ihrem ehrgeizigen Projekt buchstäblich auf der Stelle und so sah sich der damalige Bereitschaftsleiter Urs Strozynski im März dieses Jahres zum Rücktritt gezwungen. „Diesem Paukenschlag und dem daraus resultierenden Medienecho ist es zu verdanken, dass die einheimische Bevölkerung und Gewerbebetriebe die Notlage der Bergwacht Bad Reichenhall erkannten. Die anschließende Spendenbereitschaft, aber auch weitere öffentliche Zuschüsse, lassen den Neubau nun Wirklichkeit werden“, freut sich Projektleiter Marcus Goebel. Mit Bernd Rosenberger, Geschäftsführer für Forschung und Entwicklung der Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH & Co. KG aus Tittmoning, der seit zweieinhalb

Jahren auch in Bad Reichenhall wohnt, haben die Reichenhaller Bergretter in der Stunde der Not einen verlässlichen und engagierten Mentor und Mäzen gefunden: Er spendete die für den Baubeginn fehlenden 60.000 Euro und setzte der neuen Rettungswache damit buchstäblich das noch nicht finanzierte Dach auf.

Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner (in der Mitte) Bereitschaftsleiter Dr. Klaus Burger (l.).

Das Problem mit den Bäumen „Bereits Mitte Oktober sollen die Handwerker in der Reichenbachstraße anrücken, um die Bodenplatte zu fertigen und anschließend den Rohbau hochzuziehen“, berichtet Bereitschaftsleiter Dr. Klaus Burger. Vorher muss allerdings das Grundstück für den Neubau noch vorbereitet werden. Obwohl die Planer des Bergwachthauses das Gebäude schon möglichst weit weg vom Stadtwald in die äußerste Spitze des Grundstücks geschoben haben, wo die Reichenbachstraße in die Bundesstraße einmündet, sind trotzdem noch umfangreiche Baumfällarbeiten notwendig. „Es tut uns als Bergwachtler und erklärte Naturschützer in der Seele weh, die Bäume fällen zu müssen, aber die behördlichen Anforderungen und Verkehrssicherungspflichten lassen uns keine andere Wahl. Die neue Bergrettungswache ist eine Einrichtung mit Publikumsverkehr. Zudem müssen wir bei Sturm und Hagel und auch bei hoher Schneelast ausrücken und dabei die Sicherheit der Einsatzkräfte gewährleisten“, erklärt Projektleiter Goebel. Der Vorsitzende des Fördervereins „Bergrettung Bad Reichenhall e.V.“ Martin Neubauer, ist zugleich als Statiker Planer der neuen Rettungswache; er weiß aus seiner beruflichen Erfahrung: „Die Bauvorschriften besagen, dass kein Gebäude in der Baumwurfzone errichtet werden darf. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden wir mit Gestaltung der Außenanlagen wieder neue Bäume und Sträucher pflanzen. Die notwendigen Ausgleichsflächen wurden bereits ermittelt und werden nach den Vorgaben der Naturschutzbehörde in Abstimmung mit den Bayerischen Staatsforsten angelegt.“ Übliche Sicherheitsvorgaben sind von jedermann einzuhalten. Bereits in der Vergangenheit hat die Bergwacht Bad Reichenhall immer wieder Maßnahmen zu Ausgleichsflächen unterstützt und wird so auch in Zukunft verfahren.

Zeitweise Verkehrsbehinderungen Für die notwendigen Baumfällungen müssen die Bundesstraße, die Reichenbach- und die Einfahrt in die Goethestraße zeitweise gesperrt werden, was auch zu Beeinträchtigungen des Verkehrs führen wird, wofür die Bergwacht schon jetzt um Verständnis bittet. „Die Stadt Bad Reichenhall wird dann in Abstimmung mit der Bergwacht Bad Reichenhall und den beauftragten Firmen zeitgleich die notwendige Baumpflege entlang der Umgehungsstraße sowie an der Reichenbachstraße durchführen, die Standfestigkeit unsicherer Bäume prüfen und Bäume gegebenenfalls aus dem Bestand nehmen“, erklärt Hans-Werner Zauner, Liegenschaftsverwalter der Stadt.

Planungssicherheit für die nächsten Generationen „Es ist unserer Alpenstadt ein besonderes Anliegen, dass die Bergwacht Bad Reichenhall vernünftig und in angemessenen Räumen untergebracht ist, um auch in Zukunft ihre Aufgabe so gut und zuverlässig erfüllen zu können.“ sagt Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, der sich, ebenso wie der verstorbene Stadtkämmerer Franz Rehrl, für die Realisierung der neuen Bergrettungswache sehr eingesetzt und verdient gemacht hat. Das Gebäude wird nur wenige Meter entfernt vom alten Standort im BRK- Haus in der Riedelstraße errichtet. Das Grundstück wird der Bergwacht auf Erbpachtbasis für 99 Jahre durch die Stadt zur Verfügung gestellt. Damit haben die Bergretter für die nächsten Generationen Planungssicherheit. In der neuen Rettungswache entstehen Garagen für die Einsatzfahrzeuge, die derzeit in einem Carport untergestellt sind. Eine Einsatzzentrale sowie ein Umkleideraum für die Einsatzkräfte und Toiletten befinden sich ebenfalls im Erdgeschoss. Das Obergeschoss ist für die Ausbildung mit einem Besprechungsraum, einem Ausbildungsraum sowie einem Lehrsaal vorgesehen. Neben der Rettungswache der Bergwacht Bad Reichenhall entstehen im neuen Bergwachtgebäude auch Büroräume für die Geschäftsstelle der Bergwacht-Region Chiemgau sowie ein Serverraum für das Rechenzentrum der Bergwacht Bayern. „Damit bleibt Bad Reichenhall neben Bad Tölz ein bedeutender Standort der Bergwacht Bayern“, versichern die Bauplaner und Einsatzleiter der Bergwacht, Hans Lohwieser und Walter Aßmann. Die Büroräume im neuen Bergwachthaus werden an die Bergwacht Chiemgau und Bergwacht Bayern vermietet, so dass sich die Mehrkosten für das Gebäude langfristig selbst tragen.

Für Anwohner und Gäste gehen keine Parkplätze verloren Für die Einsatzkräfte der Bergwacht Bad Reichenhall und Besucher der Geschäftsstelle der Bergwacht Chiemgau werden auf dem Grundstück acht Parkplätze ausgewiesen. Damit gehen den Anwohnern der Reichenbachstraße und der Goethestraße sowie den Besuchern der Kreisklinik keine Parkplätze verloren. Die Einsatzkräfte der Bergwacht haben ausreichend Platz vor der Haustüre und müssen nicht, wie derzeit noch in der Notunterkunft, zuerst auf Parkplatzsuche gehen, wodurch sie im Ernstfall wertvolle Minuten gewinnen. Anders als beim hauptamtlichen Landrettungsdienst sind die Bergretter in Bayern alle ehrenamtlich tätig. Bei einer Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle in Traunstein müssen die Bergretter daher von ihrem Arbeitsplatz oder von Zuhause zuerst zu ihrer Wache fahren, von wo aus sie dann zum Einsatz ausrücken. Soweit die Baumaßnahme nach Plan verläuft, werden die Reichenhaller Bergretter bis zum 31. Mai 2012 den Betrieb in der neuen Bergrettungswache aufnehmen können. „Das wird dann mit einem Tag der offenen Türe gebührend gefeiert“ verrät schon heute der stellvertretende Bereitschaftsleiter Christian Schieder.

Markus Leitner, BRK BGL

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