Berchtesgaden auf internationaler Bühne

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Der Linienbus liegt auf der Seite, erste Einsatzkräfte sind an der Unfallstelle eingetroffen. Die satellitenbasierte Echtzeitunterstützung läuft innerhalb des internationalen „G2real“-Projektes.

Berchtesgaden - Im Zeichen der Wissenschaft wurde kürzlich eine anwenderbasierte Echtzeitübung getestet. Mit Hilfe der Galileo-Technologie wurde ein Manöver für Rettungskräfte umgesetzt.

Holger Schulz, Projektleiter am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik, Projektzentrum für Verkehr, Mobilität und Umwelt in Prien, über Erfolge, internationale Zusammenarbeit und die Chancen der Galileo Test- und Entwicklungsumgebung (GATE) in Berchtesgaden.

Holger Schulz: Das internationale Forschungsprojekt „G2real“ befasst sich mit der satellitenbasierten Echtzeitunterstützung für Sicherheits- und Rettungskräfte. Ziel ist dabei die Schaffung einer umfassenden, situationsspezifischen Informationsbasis zur optimierten intra- und inter-organisatorischen Kommunikation und Koordination. Hintergrund des Projektes war es vor allem, die Potenziale der Satellitennavigation, gerade auch im Hinblick auf das europäische Satellitennavigationssystem Galileo, im Bereich Sicherheit stärker zu nutzen.
Im Mittelpunkt des Projektes G2real stehen die standardisierte Integration sowie die anwenderorientierte Aufbereitung von via Satellitennavigation referenzierten Daten in Form von speziellen Diensten. Dies umfasst beispielsweise die Entwicklung und Integration von räumlichen Informationsebenen, wie aktuelle Luft-Satellitenbilder, Messsensorik und Wetterprognosen in Kombination mit ‚live‘-Messdaten, Biometrie-Informationen und neuen Galileo-unterstützenden Ortungssystemen.

Schulz: Das international ausgerichtete Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Partnern aus Österreich, Spanien und Bayern realisiert. Aufgabe der österreichischen Projektpartner waren dabei Implementation und Design einer Systemarchitektur zur Zusammenführung von Geodaten, Echtzeitmesswerten und aktueller Erdbeobachtungsinformationen. Hierbei wurden sie durch den spanischen Projektpartner unterstützt. Auf bayerischer Seite stand die Optimierung der internen Kommunikation und Koordinierung von Sicherheits- und Rettungskräften via Satellitennavigation, insbesondere Galileo, im Vordergrund. Zu diesem Zweck wurden auf Satellitennavigation basierende Dienste entwickelt und in der Galileo Test- und Entwicklungsumgebung Berchtesgaden mit handelsüblichen Smartphones erfolgreich auf ihre Praxistauglichkeit getestet.

Schulz: Die jeweiligen Projektergebnisse der österreichischen sowie der bayerischen Seite wurden anhand zweier Anwendungsszenarien erfolgreich demonstriert. Das bayerische Anwendungsszenario bestand aus einer übergreifenden Einsatzübung mit der Annahme eines Massenanfalls an Verletzten und Erkrankten in Folge eines schweren Busunfalls in Berchtesgaden. Ziel der bayerischen Forschung war es, die verschiedenen Einsatzhierarchien - von der Einsatzleitung über den Gruppenleiter bis hin zur einzelnen Einsatzkraft – mittels die Einsatzkommunikation und –koordination verbessernde Dienste spezifisch zu unterstützen. Die dafür entwickelte G2real-Technologie wurde im Rahmen dieser Einsatzübung getestet:

Ausgewählte Einsatzkräfte wurden mit einem handelsüblichen Smartphone ausgestattet, um dessen Dienste sowie dessen Praxistauglichkeit an sich unter Realbedingungen testen zu können. So befähigt beispielsweise der G2real-Applikations-Dienst „Sichtung“ die Einsatzkraft dazu, Positionsdaten und Verletzungsgrad eines gefundenen Verletzten per einmaligen Knopfdruck an die Einsatzleitung zu übertragen. Neben der Sichtung ist die Angabe des eigenen Status der Einsatzkraft vor Ort ein weiterer zentraler Aspekt, genauso wie der Zugriff auf von der Einsatzleitung erhaltene Einsatzmeldungen. Die von den mobilen Endgeräten der Einsatzkräfte übertragenen Daten und Informationen sowie die regelmäßig von den mobilen Endgeräten versendeten eigenen Positionsdaten dienen als Datenbasis für den G2real-Webserver, dessen Basisfunktionalität eine Echtzeitlagedarstellung des Einsatzes darstellt. Der Webserver fungiert dabei als hierarchie- und organisationsübergreifende Schnittstelle zur Optimierung der Einsatzkommunikation und –koordination, indem er den zugriffsberechtigten Einsatzbeteiligten ein auf der Echtzeitlagedarstellung aufbauendes umfassendes Diensteangebot zur Verfügung stellt.
Dieses Angebot umfasst beispielsweise das Darstellen abgesuchter und nicht abgesuchter Bereiche, das Lotsen der Einsatzkräfte sowie das selektive Abrufen bestimmter Positionen und Anfahrtswege. Aber auch die vereinfachte Nachbereitung des Einsatzablaufes anhand der über den Einsatz hinaus gespeicherten Einsatzdaten ist ein weiterer zentraler Aspekt. Die Auswertungen der Testergebnisse zeigen, dass sowohl die G2real-Applikation als auch der G2real-Server einwandfrei funktioniert haben. Der Einbezug des europäischen Satellitennavigationsprogramms Galileo führte nachweisbar zu genaueren und zuverlässigeren Positionsdaten. Bei der Verwendung handelsüblicher Smartphones wurden jedoch auch Schwachstellen hinsichtlich Funktionalität unter extremen Einsatzbedingungen – etwa Kälte - festgestellt.

Welche Testszenarien gibt es über die Notfallübung in Berchtesgaden hinaus?

Schulz: Das österreichische Anwendungsszenario bestand in einer Strahlenschutzübung im Strahlengarten Seibersdorf. Die dabei zugrunde liegende Annahme war der Absturz eines radioaktiven Satelliten, dessen über ein großflächiges Areal verteilte, teilweise kontaminierte Wrackteile gefunden werden mussten. Die Strahlenschutzübung veranschaulichte das von den österreichischen und spanischen Projektpartnern erfolgreich realisierte Zusammenführen der über das Internet frei verfügbaren Geodaten mit den gemessenen Echtzeitmesswerten zu einer „Strahlen“-Karte.

Welches mittelfristige Ziel verfolgt das Konsortium? Wie soll im Idealfall das „Endergebnis“ aussehen?

Schulz: Die zwei beschriebenen, durchgeführten Anwendungsszenarien markierten den Projektabschluss von G2real. Für den bayerischen Teil kann festgehalten werden, dass die verwendete G2real-Technologie einwandfrei funktioniert hat, die verwendeten handelsüblichen Smartphones jedoch für einen derartigen Einsatz einige Schwachstellen aufwiesen.

Aus diesem Grund forscht ein Großteil des bayerischen G2real-Konsortiums bereits an je nach Einsatzzweck optimierten Hardwarelösungen. So geht es in dem Projekt SafeNav - Sichere Navigation für Sicherheitsanwendungen - um die Eigenentwicklung eines modularen Kernsystems, welches als Standardbaukasten für die Bereiche Sicherheit und Verkehr dienen soll. In den beiden Anwendungsszenarien Rettungskräftemanagement und Gefahrgut-Monitoring wird hierbei beispielsweise der Einbezug mobiler Endgeräte, moderner Ortungs- und Kommunikationstechnologien sowie entsprechender Server-Anwendungen fokussiert.

Pfeiffer

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