"20 Fußball-Felder verschwinden täglich"

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Elmar Wenisch hatte die undankbare Aufgabe, den Ramsauern das Natura 2000 Programm vorzustellen.

Ramsau - Es war ein großer Schock für die Landwirte als 2004 das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet kam. Vor allem in Ramsau waren die Bauern nicht begeistert, jetzt gibt es noch etwas neues.

Natura 2000 heißt das Gebietsmanagement, das auch im Berchtesgadener Land bestimmte FFH-Gebiete in ihrem aktuellen Zustand erhalten soll. Im konkreten Fall handelt es sich um die Extensivwiesen in Ramsau.

Extensivwiesen zeichnen sich durch ihre Artenvielfalt aus. Sie müssen mindestens 20 bis 25 verschiedene Arten auf 25 Quadratmeter Fläche vorweisen. Auf den Wiesen in Ramsau - wir sprechen von rund 43 Hektar - sind es wesentlich mehr. Bis zu 105 verschiedene Pflanzenarten sind dort zu finden.

So können Extensivwiesen aussehen.

Deshalb sollen diese Wiesen durch das europäische Programm Natura 2000 geschützt werden. Für die Landwirte bedeutet das, dass sie die Wiesen in dem Zustand von 2004 erhalten müssen.

Grundsätzlich ist das für die Ramsauer Landwirte kein Problem. Allerdings befürchten sie durch das neue Programm noch mehr Einschränkungen als durch das FFH-Gebiet. "Uns hat das Landratsamt damals mit dem FFH-Gebiet überrumpelt", erklärte ein Betroffener bei der Vorstellung in Ramsau. "Bis heute haben wir es nicht schriftlich vorliegen, dass unsere Wiesen FFH-Gebiet sind." "Wir haben unsere Wiesen bis jetzt ohne Vorgaben erhalten, also brauchen wir sie auch jetzt nicht", meldete sich ein anderer Grundbesitzer zu Wort. "Mei Opa hat's ned gebraucht, mei Vater ned und i brauch's a ned", betonte ein dritter Landwirt.

Zahlreiche betroffene Landwirte waren zu der Vorstellung von Natura 2000 gekommen. Sie wollen es nicht!

Deutlicher Gegenwind also, der Elmar Wenisch von der Regierung von Oberbayern entgegenweht. "Der Ärger der Bauern ist berechtigt", zeigt er Verständnis. Immerhin gibt es für sie ein Verschlechterungsverbot. Das bedeutet, dass die Wiesen in ihrem jetztigen Zustand erhalten werden müssen und überschüssige Gülle oder ähnliches darf nicht auf diesen Wiesen entsorgt werden. "Die Bauern fühlen sich in ihrer bisherigen Arbeit eingeschränkt, aber sie werden sehen, dass sich eigentlich nichts ändern wird." Zumindest so lange diese Generation vorne dran steht. Sollte die nächste Generation übernehmen, könnte es schon zu Schwierigkeiten kommen. Immerhin kann und darf mit den Wiesen, die in das Natura 2000 Programm aufgenommen werden, nichts gemacht werden, außer sie mähen, dass die verschiedenen Pflanzenarten weiter leben können.

Welche Wiesen genau in das Natura 2000 Programm aufgenommen werden, wird im Mai und Juni ermittelt. Das Planungsbüro ArVE rechnet mit rund 27 Hektar Fläche. In einem halben Jahr oder einem Jahr wollen die Verantwortlichen dann das Ergebnis vorstellen und die betroffenen Landwirte über das weitere Vorgehen informieren. Die können das dann nur zur Kenntnis nehmen, denn aus dem FFH-Gebiet oder dem Natura 2000 Programm können sie nicht aussteigen. "Das ist wie eine Zwangsenteignung", resümiert ein Landwirt nach der Vorstellung von Natura 2000. Da wird Elmar Wenisch bei der Vorstellung der Ergebnisse gute Argumente im Gepäck haben müssen, um die Bauern doch noch von einem friedlichen Miteinandern zu überzeugen.

red-bgl24/cz

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