Freiwillige unter der Flagge des BRK

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„Qualität zählt in der Krisenintervention mehr als Quantität, zumal es um einen extrem sensiblen Arbeitsbereich geht, der die Intimsphäre und das Privatleben der Menschen tangiert; ohne ausreichend Erfahrung könnten die Helfer hier viel kaputtmachen“, erklärt Helmut Langosch, Fachdienstleiter für Psychosoziale Notfallversorgung der BRK-Bereitschaften im Landkreis.

Berchtesgadener Land - Durchschnittlich dreieinhalb Stunden bei 69 Einsätzen im Jahr: Das ist das Pensum eines Ehrenamtlichen unter der Flagge des BRK.

Der Kriseninterventionsdienst (KID) des Roten Kreuzes war vergangenes Jahr im Berchtesgadener Land bei insgesamt 69 Einsätzen gefordert. „Die Einsatzzahlen pendeln sich auch heuer auf demselben Niveau ein, wobei aber die Intensität mit durchschnittlich dreieinhalb Stunden pro Betreuung immer mehr zugenommen hat. Das liegt einfach daran, dass unser Rettungsdienst, die Polizei und die Feuerwehr mittlerweile immer besser erkennen, wann eine Betreuung wirklich notwendig ist. So werden wir unserer Aufgabe eher gerecht“, berichtet Helmut Langosch, Fachdienstleiter für Psychosoziale Notfallversorgung der BRK-Bereitschaften im Landkreis.

Über Spenden finanziert: Einsätze sind kostenfrei

Im Schatten des Blaulichts, abseits spektakulärer Einsatzstellen leisten die ehrenamtlichen Krisenberater des Roten Kreuzes oft mehrmals pro Woche denjenigen Menschen Beistand, die nach einem Notfallereignis unter starken seelischen Belastungen leiden oder unter akutem psychischem Schock stehen. Die Einsätze erfolgen immer kostenfrei, da der Dienst ausschließlich durch Spenden finanziert wird. Davon braucht das Rote Kreuz jede Menge, denn für Aus- und Fortbildung sowie Supervision fallen jährlich Kosten von rund 15.000 Euro an.

Das Geld ist gut investiert, denn der vor rund zehn Jahren ins Leben gerufene Dienst hat sich bewährt wie kein anderer: Durchwegs positive Rückmeldungen von Betroffenen, die unmittelbar nach schweren Unglücken oder dem Tod eines nahestehenden Menschen betreut wurden, bestätigen den ehrenamtlichen Krisenberatern, dass ihre Arbeit ein unverzichtbarer Bestandteil im Rettungsdienst geworden ist. „Hier können wir den Menschen unmittelbar helfen und dazu beitragen, dass seelische Langzeitschäden ausbleiben“, erklärt Langosch, der als Vorreiter in der Region mit seinem Projekt eine Lücke geschlossen hat.

Wir therapieren nicht, sondern bauen Brücken

„Wenn ein psychiatrischer Notfall oder Selbstmordgefahr vorliegen, dann hören unsere Kompetenzen auf“, erklärt der erfahrene Sanitäter, der hauptberuflich als Rettungsassistent des Roten Kreuzes in Berchtesgaden arbeitet. Die Krisenberater machen keine Therapie; sie leisten Soforthilfe und bauen Brücken, die dem Traumatisierten Orientierung geben und zum selbstständigen Handeln zurückführen.

Da jeder Betroffene anders reagiert, gibt es kein Patentrezept zur Krisenintervention. Lediglich besondere Einsatzlagen wie der plötzliche Kindstod oder schwere Unfälle erfordern eine besondere Ausbildung und Sensibilisierung der Helfer.

Basisnotfallnachsorge, Krisenintervention & Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen

Unter dem Oberbegriff Psychosoziale Notfallversorgung bieten die BRK-Bereitschaften derzeit drei verschiedene Leistungen an: Basisnotfallnachsorge (BNN) soll möglichst bald nach dem traumatischen Ereignis beginnen und das therapiefreie Intervall von rund 30 Minuten bis zum Eintreffen geeigneter Fachkräfte überbrücken. Diese grundlegende psychische Erste Hilfe kann nach einem Wochenendlehrgang jeder Ersthelfer und jede Einsatzkraft anwenden.

Krisenintervention beginnt ebenfalls möglichst während oder kurz nach einem Notfallereignis; die Krisenberater sind durchschnittlich zwei bis vier Stunden im Einsatz und stellen die Weichen für den weiteren psychischen Werdegang des Betroffenen, zielen also auf Nachhaltigkeit ab. Die speziell geschulten Krisenberater haben eine längere Ausbildung und ein Praktikum an der Seite eines erfahrenen Kollegen durchlaufen.

Critical Incident Stress Management (CISM) oder Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen (SbE) ist eine speziell auf traumatisierte Einsatzkräfte zugeschnittene Betreuung. CISM bedeutet hauptsächlich Prävention, um Helfern konkrete Anleitungen zur kompetenten Selbsthilfe innerhalb ihrer Einsatzorganisation zu geben.

Krisenberater müssen seelische Last abbauen

Damit die Ehrenamtlichen ihre Erlebnisse bei der Betreuung von Angehörigen und Betroffenen besser verarbeiten können, finden monatlich verpflichtend so genannte Supervisionen statt, bei denen ein neutraler Psychologe den Freiwilligen in Gruppengesprächen hilft, ihre seelische Last nach schweren Einsätzen abzubauen. „Qualität zählt in der Krisenintervention mehr als Quantität, zumal es um einen extrem sensiblen Arbeitsbereich geht, der die Intimsphäre und das Privatleben der Menschen tangiert; ohne ausreichend Erfahrung könnten die Helfer hier viel kaputtmachen“, erklärt Langosch. Der ehrenamtliche Fachdienstleiter wünscht sich für die Zukunft, dass sich weitere Aktive aus den BRK-Gemeinschaften finden, um im KID mitzuarbeiten: „Wir segeln unter der Fahne des Roten Kreuzes und brauchen Mitarbeiter, die sich in der Hilfsorganisation gut auskennen.“

Als Fachdienst der BRK-Bereitschaften muss die Psychosoziale Notfallversorgung speziell bei Großschadenlagen nicht auf Helfer aus den Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) zurückgreifen, sondern ist autark einsatzbereit. Dadurch arbeiten die Krisenberater selbständig und binden keine Sanitäter, die sich um die Verletzten kümmern müssen.

Pressemitteilung BRK Berchtesgadener Land

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