Forschen und Entdecken

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Berchtesgaden - Das Wasser blubbert, ein Motor versetzt die Flüssigkeit in Rotation. Im Schülerforschungszentrum tüfteln seit kurzem junge Wissenschaftler in verschiedenen Bereichen.

Immer wieder verändert das Wasser seine Farbe. Für die jungen Zuschauer ist das Experiment verblüffend. Zumal selbst Hand angelegt werden darf. Im Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land, bayernweit das erste seiner Art, gibt es viel zu entdecken. Nicht nur in der Chemie. Und dass es dabei jugendgerecht und trotzdem wissenschaftlich zugeht, dafür sorgen vier fest angestellte Mitarbeiter – vom promovierten Biologen, über eine Geoökologin, einen Mathematik-Lehrer bis hin zu einer Physikerin.

Martin Hofreiter ist Gymnasiallehrer in Berchtesgaden. Die letzten Monate war es vor allem das Schülerforschungszentrum, das bei ihm viel Zeit in Anspruch nahm. Erst kürzlich wurde es vom Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer eröffnet. Hofreiter zeigt, was Kinder und Jugendliche in Zukunft erwarten wird. Die ersten Kurse haben bereits stattgefunden. „Das ist aber alles ausbaufähig“, sagt Andreas Kratzer, Wissenschaftler an der Technischen Universität München (TU) und ebenfalls seit vielen Monaten intensiv mit dem Berchtesgadener Forschungszentrum beschäftigt. In enger Kooperation mit der TU und dem Landkreis Berchtesgadener Land ist dieses entstanden. Das Ziel ist die gemeinsame Nachwuchsförderung in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik. Besucher konnten sich am Tag der offenen Tür bereits einen ersten Eindruck verschaffen.

Jung-Wissenschaftler forschen und entdecken

Weihnachtszeit ist Bastelzeit. Warum also nicht einen blinkenden Weihnachtsbaum aus einfachen Mitteln herstellen? Ein paar Drähte, einige grüne und rote Lämpchen und ein Stück Holz in Baumform. „Ich löte gerade“, sagt etwa Christian, einer von mehreren Tüftlern, die viel Freude am Experimentieren haben. Unterstützt werden sie von Experten, die ihnen beim Basteln über die Schulter schauen. Zukünftig wird das Kultusministerium für das Schülerforschungszentrum zwei volle Lehrerstellen zur Verfügung stellen. Die TU München steuert eine halbe Stelle hinzu. Wissenschaftler Kratzer ist aber zuversichtlich, dass schon bald aufgestockt werden muss. Für das Schülerforschungszentrum wird während der Schulzeiten mit einem Einzugsgebiet von mindestens 50 Kilometern gerechnet.

In Ferienzeiten sollen die Jungforscher aus ganz Bayern, im besten Fall aus dem gesamten Bundesgebiet kommen. Die angebotenen Forschungsgebiete sind vielfältig. Lehrer Hofreiter verweist etwa auf ein Seminar, das mit Universitätsunterstützung ins Leben gerufen wurde und nun in Berchtesgaden weitergeführt werden soll. Es geht um die Entwicklung eines innovativen Antriebs für Elektroboote auf dem Königssee. Nicht per gewöhnliche

Schiffsschraube, sondern mit Hilfe eines sogenannten Oloids. Ein geometrischer Körper, der einzige bekannte, der über seine gesamte Oberfläche abrollt. Damit ließe sich ein entsprechendes Antriebskonzept für die Elektroschifffahrt umsetzen, meint Hofreiter. Im Schülerforschungszentrum möchte man an der Sache dran bleiben. Auch in den Weltraum soll es gehen. Ein Radioteleskop, das dem Zentrum zur Verfügung steht, soll helfen, astronomische Objekte zu beobachten. Ein ausgewiesener Experte, Hermann Hagn von der TU München, wird Kindern beim Blick in die Weiten des Alls wichtige Tipps geben. Insgesamt stehen mehr als ein Dutzend Forscherinnen und Forscher der TU München, der Universität und der Fachhochschule Salzburg als Berater und Betreuer bereit. Auch soll die Teilnahme an Wettbewerben wie „Jugend forscht“ oder „International Young Physicist Tournament“ aktiv gefördert werden.

Mehrere Projekte mit dem Nationalpark Berchtesgaden sind angedacht. Von der Roboterprogrammierung, über das Mikroskopieren bis hin zum handwerklichen Arbeiten soll in Berchtesgaden alles probiert werden dürfen. „Wissenschaft braucht aber auch das Handwerk“, sagt Andreas Kratzer. Deshalb würde es ihn freuen, wenn schon in naher Zukunft eine große Werkstatt im Gebäude entsteht. Dort würden Kinder und Jugendliche kleinere Arbeiten selbstständig erledigen können. „Früher haben wir Physiker das Handwerk von der Pike auf gelernt“, sagt Kratzer. Heute sei das anders. Wissenschaft und Handwerk laufen oft unabhängig voneinander. Gut möglich, dass im Schülerforschungszentrum in dieser Hinsicht eine kleine Zeitenwende stattfindet.

kp

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