Förderunterricht hat sich bewährt

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Lehrerin Kristina Hölzl (links) unterrichtet im Adipositas-Zentrum Insula eine Auffangklasse mit Schülern aus unterschiedlichen Schulhintergründen.

Bischofswiesen - Im Adipositas-Reha-Zentrum Insula in Bischofswiesen besteht nun schon im zweiten Jahr ein mobiler sonderpädagogischer Dienst zusätzlich zum Schulangebot an den öffentlichen Schulen.

Die Jugendlichen können hier als Mitglied der Wohngruppen oder während ihrer Gewichtsreduktion im Reha-Zentrum Insula an vier Tagen in der Woche nach ihren individuellen Bedürfnissen beschult werden. Dazu wurde von der Regierung Oberbayern extra eine Lehrerin für die Insula-Klasse abgestellt. „Wir haben immer wieder Patienten im Reha-Zentrum und Bewohner unserer beiden therapeutischen Wohngruppen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht an die örtlichen Schulen vor Ort gehen können oder erst wieder an einen regelmäßigen Schulbesuch herangeführt werden müssen.“ So Dr. med. Wolfgang Siegfried, Ärztlicher Leiter des Adipositas-Zentrums Insula, der deshalb im Sommer 2008 Gespräche mit dem damaligen bayerischen Kultusminister Siegfried Schneider aufnahm, um das Pilotprojekt in die Wege zu leiten.

Die Insula hat hierzu ein eigenes Klassenzimmer mit Tafel und Schulmöbeln im Therapiegebäude des Adipositas-Zentrums eingerichtet. Zum Start des Schulversuchs im Januar 2009 übernahmen zunächst zwei beamtete Lehrerinnen aus Berchtesgaden die Lehraufgaben bis zum Schuljahresende. Kristina Hölzl – früher in der Klinik Schönsicht – steht als erfahrene Lehrerin für die Förderklasse seit dem Schuljahr 2009/2010 in der Insula zur Verfügung. Der Unterricht findet an vier Tagen der Woche für insgesamt 15 Stunden statt, die auf zwei Leistungsgruppen aufgeteilt werden.

Dazu Kristina Hölzl: „Neben der Vermittlung des Lehrstoffs ist auch eine intensive erzieherische Arbeit Grundlage für einen effektiven Unterricht. In den Lehrveranstaltungen werde ich von zwei eifrigen Gymnasial-Praktikanten unterstützt, die selbst Patienten des Reha-Zentrums sind. Diese begleiten die Schüler/-innen mit erhöhtem Förderbedarf bei Lese- und Schreibübungen sowie in den Grundrechenarten.“

Ziel des Projekts ist die Reintegration der Patienten in den normalen Schulablauf einer Regelschule. Da einige Patienten in ihrer Heimatstadt längere Zeit keine Schule mehr besucht haben, sind individuelle Förderung und Defizitbewältigung unabdingbare Grundpfeiler des Programms. Hölzl führt weiter aus: „Dieses Projekt ist als Auffangklasse für unterschiedliche Schulhintergründe zu verstehen, damit der Schulpflicht genüge getan wird und Versäumtes nachgeholt werden kann. Wir haben hier Schüler/-innen aus allen Schularten – vom Förderschüler bis hin zum Gymnasiasten. Sie sind teilweise auch deshalb bei uns, weil die Klassen im Umland voll waren, oder weil das unterschiedliche Leistungsniveau in den Bundesländern eine Teilnahme am Unterricht in den Regelschulen nicht ermöglicht hat. Jeder Schüler arbeitet nach einem eigenen, individuell zusammen gestellten Wochenarbeitsplan, um den unterschiedlichen Alters- und Leistungsstufen gerecht zu werden. Es trägt auch dazu bei, das eigenständige Lernen und ein höheres Verantwortungsbewusstsein einzuüben. Neben den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch wird noch AWT (Arbeit-Wirtschaft-Technik) und GSE (Geschichte-Sozialkunde-Erdkunde) unterrichtet.“

Die Verantwortlichen loben die Bemühungen und die Fortschritte der Schüler einerseits, aber auch die Geduld und das große Engagement der Lehrerin andererseits. Zurzeit wird vier Schülern die Möglichkeit gegeben, sich auf die Hauptschulab­schlussprüfung bzw. den qualifizierenden Hauptschulabschluss vorzubereiten, um damit deren Chancen am Arbeitsmarkt zu erhöhen. Die Prüfungen finden am CJD Asthmazentrum statt, wo Schulleiter Anton Kaunzner auch für die Organisation des mobilen Sonderpädagogischen Dienstes verantwortlich ist.

Pressemitteilung Evang.- Luth. Diakoniewerk Hohenbrunn

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