Ohne Wasserkraft ging’s den Fischen besser

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Berchtesgaden – Wasserkraft ist schön und gut. Fischereivereine haben mit der alternativen Energiegewinnung aber so ihre liebe Not.

Nicht einfach haben es derzeit die Mitglieder des Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee. Allein im Talkessel von Berchtesgaden betreuen sie 35 Kilometer Fließgewässer. Und an zahlreichen Stellen existieren bereits Kleinstwasserkraftwerke oder sind zumindest geplant. Der Fischereiverein muss dazu Stellung beziehen. Sich gegen die Wasserkraft aussprechen? Nicht möglich. Immerhin wird sie gesetzlich gefordert. Obwohl es den Fischbeständen ohne Wasserkraftwerke besser erginge.

Gewässerwart Christian Fries vom Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee sagt, dass verschiedene Rechte miteinander konkurrieren. Das Fischereirecht und das der Wasserkraftwerks-Betreiber. „Mit der Wasserkraft wird zwischenzeitlich richtig viel Geld verdient“, sagt Fries. Allerdings, und das ist das Problem, sei die Einwirkung auf den Lebensraum Wasser „massiv“. Und trotzdem gibt es Wasserkraftwerke, bei denen der Fischereiverein wenig Bedenken hat, wenn er sich als Träger öffentlicher Belange dazu äußern soll. Keine Bedenken gibt es etwa dann, sofern Restwasser vorhanden ist, Fischaufstieg und –abstieg gewährleistet sind und die Durchgängigkeit für die Fische ermöglicht wird. So etwa bei jenem am Hintersee geplanten Werk: „Es bestehen keine dringenden Gründe für eine Ablehnung“, sagt Lenz. Siegfried Lenz sagt aber auch, dass Wasserkraftwerke, wie etwa das in der Königsseer Ache geplante, ein „No-go“ darstellten: „Da sind wir total dagegen, für uns ist das eine Katastrophe“. Weil es eine politische Entscheidung zur Energiewende war, müsse der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee Wasserkraftwerke grundsätzlich akzeptieren. Und deshalb immer wieder den Einzelfall, je nach Standort, abwägen. Der Bund Naturschutz formuliert das etwas radikaler. Zwar sagt etwa der 2. Vorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern, Sebastian Schönauer: „Wir wollen doch nicht alle Kraftwerke sprengen und wir wollen die Wasserkraft auch nicht verbieten“. Aber: Es müssten zumindest die gesetzlichen Notwendigkeiten erfüllt werden. In Schönauers Sicht der Dinge ist das bislang nicht der Fall. Überhaupt scheint ihm die Wasserkraft ein Dorn im Auge – zumindest die unzähligen Kleinstwasserkraftwerke, die hierzulande betrieben werden. Auch für den Fischereiverein wäre eine Welt ganz ohne Wasserkraft einfacher, man müsste weniger abwägen, das Fischsterben aufgrund von Turbinen und anderen technischen Maßnahmen würde deutlich geringer ausfallen. Ein „komplexes Thema“ nennt die Sache deshalb Siegfried Lenz. Denn der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee hat die Gewässer gepachtet, um sich darum zu kümmern. Derzeit sind die Rahmenbedingungen nicht die besten. Hat Wasserkraft für den Fischereiverein auch einen Vorteil? „Gar keinen“, so ist man sich in der Vorstandschaft einig. Für die Vereinsmitglieder bedeutet die Möglichkeit der Energiegewinnung nur zusätzliche Arbeit. „Aber politisch ist es nun mal so gewollt“. Und eine Blockadehaltung - „die würde doch rein gar nichts bringen“, sagt Christian Fries. Wasserkraftwerke, Vogelfraß und Geschiebeaufkommen – all jene Faktoren spielten in heimischen Gewässern zusammen und sorgten dafür, dass es der Fischwelt an so manchem Ort nicht gut geht. Trotzdem: Man scheint sich mit der Situation abgefunden zu haben. „Wir müssen mit der Problematik leben“, sagt einer. Immerhin: Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land und dem Wasserwirtschaftsamt in Traunstein wird als sehr gut und konstruktiv bezeichnet. Und das sei ja immerhin schon mal viel Wert.

kp

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