40 Tage Fasten für eine gerechtere Welt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Pfarrer Miroslav Gombita aus Schönau am Königssee.

Schönau am Königssee - Der Pfarrer Miroslav Gombita spricht im Interview über das christliche Fasten, über Christus und wie er diese Zeit praktiziert: Beten, Fasten, Teilen.

Die Faschingszeit ist vorüber, 40 Tage christliche Fastenzeit sind angebrochen. Doch was hat es damit auf sich? Die Antwort in kirchlicher Hinsicht liefert der Heimatzeitung Pfarrer Miroslav Gombita aus Schönau am Königssee, der in der Fastenzeit vieles anders macht - intensiver betreibt - als den Rest des Jahres über. 

Welche historische Entwicklung, welches Ereignis liegt der Fastenzeit zugrunde? 

 Wenn wir vom Fasten allgemein sprechen, finden wir in zahlreichen Religionen diverse Arten des Fastens: als Buße, Sühneleistung, Bittstellung, Opferersatz, Vorbereitungsritus für kultische, also gottesdienstliche, Handlungen. Uns ist auch das sogenannte Trauerfasten bekannt, um der Seele des Verstorbenen zum Friedenfinden zu helfen.

Darüber hinaus existiert auch asketisches Reinigungsfasten und ein prophetisches Fasten. Das Fasten als organisierte Gemeinschaftsaskese, etwa in der christlichen, österlichen Bußzeit oder im moslemischen Ramadán, hat ihr ursächliches Vorbild in der Einzelaskese der religiösen Persönlichkeiten - bei uns war das Jesus Christus.

Er fastete 40 Tage und Nächte in der Wüste und widerstand der Versuchung, aus Stein ein Brot zu erhalten, wie es das Evangelium berichtet. Er, der Sohn Gottes, setzt auf die Möglichkeit des Menschen, sich zu ändern und dadurch Veränderungen in der Welt herbeizuführen. Historisch gesehen rückte Jesus Fasten die Wichtigkeit des Wortes Gottes ins Zentrum des menschlichen Denkens und Handelns zurück.

Viele Menschen fasten heute, um gesund zu bleiben oder besser auszusehen. Christliches Fasten greift weiter aus als der ästhetisch-kosmetische Effekt. Christliches Fasten hat vielmehr seine ethisch-religiöse Bedeutung und besteht aus dem Dreiklang, auch Trias, genannt: Beten, fasten, teilen. Sich für eine gerechtere Welt einzusetzen, ist das richtige Fasten. 

Was sollte man als Christ innerhalb jener 40 Tage beachten? 

 In der Fastenzeit geht es um die Vorbereitung auf das Hohe Fest der Auferstehung Christi an Ostern, denn die Feier der Auferstehung Christi ist das größte Fest überhaupt und steht zentral im kirchlichen Jahreskreis. Von diesem Fest ausgehend entwickeln sich auch andere wichtige Festtage im Jahr: Christi Himmelfahrt (40 Tage nach Ostern), Pfingsten (50 Tage nach Ostern) bis hin zu Fronleichnam und dem Herz Jesu-Fest. Es geht darum, dass wir uns in der Fastenzeit im Glauben erneuern und verfestigen, in dem wir in der Erkenntnis Jesu Christi heranwachsen. 

Zeit der Umkehr – was bedeutet das während der Fastenzeit? 

 Ganz einfaches Beispiel: Ich fahre mit dem Auto auf der Autobahn und ich stelle fest, dass ich in die falsche Richtung fahre oder dass ich mich verfahren habe. Ich muss runter von der Autobahn, umdrehen, umkehren, damit ich in die richtige Richtung fahre und so mein Ziel erreiche. Auch im übertragenen Sinn ist es wichtig, dass wir unser Leben korrigieren. Wie die Geräte immer neu geeicht werden müssen, so müssen auch wir unser Leben an dem Maßstab, den uns Gott vorgibt, messen, wenn wir im Einklang und im Frieden mit Gott und seiner Schöpfung leben wollen. 

Und was macht der Pfarrer in dieser Zeit anders als sonst? 

 Ich bete mehr, ich spende mehr, ich faste auch körperlich mehr, ich besuche öfter als sonst die Kranken oder vom Lebensschicksaal Heimgesuchten. Als Seelsorger biete ich meinen Pfarrangehörigen mehrere Andachten an, wie etwa die Kreuzwegandacht an jedem Freitag in der Fastenzeit. Häufiger als sonst im Kirchenjahr biete ich auch die Bibelstunden an. Ich versuche auch meine Ansprachen und Predigten weiter zu optimieren. Die Vorbereitung auf den Empfang der Sakramenten, wie die Erstkommunion und die Firmung, ist in der Fastenzeit in meiner Pfarrei am intensivsten, so dass ich das Osterfest mit vielen Jugendlichen und Kindern feien und sie gleichzeitig auf dieses höchste Fest der Christen und seine Bedeutung hinweisen will. Ich biete auch die Exerzitien oder die Besinnungstage für die ehrenamtlichen Mitarbeiter an, für den Pfarrgemeinderat und unsere Kirchenverwaltungsmitglieder. Ich bete vor allem in diesem Jahr innig dafür, dass Gott uns allen helfen möge, dass wir die Zeichen unserer Zeit richtig erkennen, trotz vieler Verwirrungen und Skandale, trotz unserer eigenen Schwachheit und Armut, trotz so viel Elend und Katastrophen in der Welt wie zuletzt das Erdbeben in Japan. Dass wir trotz alldem im Glauben an Gott nicht misstrauisch werden und nicht verzweifeln, sondern wachsen und in Gott einen festen Halt und Orientierung finden. 

kp

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser