Tragisches Skiunglück: doch Einigung?

Schönau am Königssee - Fünf Jahre ist es her, dass ein damals 15-jähriges Mädchen am Jenner schwer stürzte, seitdem sitzt sie im Rollstohl. Jetzt geht es um Schadensersatz.

Fast fünf Jahre nach einem folgenschweren Skiunfall am Jenner laufen hinter den Kulissen offenbar Gespräche für eine aussergerichtliche Lösung. Eigentlich hätte es am Donnerstag am Oberlandesgericht München zu einer Verhandlung um Schmerzensgeld und Schadensersatz kommen sollen. Laut eines Gerichtssprechers wollten sich beiden Parteien bemühen, sich auf einen Vergleich zu einigen. Das berichtet Bayernwelle Südost.

Wie der Münchner Merkur berichtete, habe die heute 20-Jährige damals nicht gut Skifahren können, sei aber auf einer mittelschweren Piste unterwegs gewesen. Sie stürzte, krachte gegen einen gepolsterten Liftmasten und landete mit dem Hinterkopf auf dem ungepolsterten Metallsockel. Die Ärzte konnten dem Mädchen nicht helfen. Sie ist seitdem vom Hals ab gelähmt.

Das Traunsteiner Landgericht wies eine Schmerzensgeld und Schadensersatzklage der jungen Frau zurück. Am Donnerstag beschäftigt sich das Oberlandesgericht München mit dem Fall. Der Anwalt der Behinderten fordert 250.000 Euro. Das OLG rechnet mit einem Vergleichsangebot von 200.000 Euro.

Zu klären sind in der Verhandlung die Fragen: Hat die Bergbahn AG ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt? War es tatsächlich der Aufprall auf dem Sockel, der zur Behinderung geführt hat? Und wie groß ist das Verschulden des Mädchens?

Die Position der Bergbahn AG ist nicht die schlechteste. Der Masten steht 2,50 Meter neben der Piste. Nur bis zu zwei Metern gilt der Pistenrandbereich und muss gesichert werden. Ein Gutachten soll klären, welche Verletzungen zu der Behinderung der 20-Jährigen geführt hat. Und das Mitverschulden des Mädchens und ihres Begleiters kann nicht ausgeschlossen werden. Immerhin habe sie ihr eigenes Können, offenbar überschätzt, heißt es im Münchner Merkur. Der Begleiter, der Lebensgefährte der Mutter der 20-Jährigen hat sich kurz nach dem Unfall das Leben genommen.

Der Bürgermeister von Schönau am Königssee, Stefan Kurz, als Vorstandsvorsitzender der Berchtesgadener Bergbahn AG will das Ergebnis erstmal abwarten. Sollte die junge Frau aber Recht bekommen, hätte das durchaus Konsequenzen, sagte Kurz der Südostbayerischen Rundschau. "Wenn wir auch Hindernisse außerhalb der Pisten absichern müssen, würde das erhebliche Kosten verursachen." Auch die Versicherungsprämie der AG würde steigen.

Rubriklistenbild: © dpa

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