„Für private Zwecke besitze ich kein Auto“

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Berchtesgaden - Gunter Mackinger, Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Bahn, fährt privat nicht mit dem Auto. In einem Interview spricht er außerdem über die Ziele ber BLB.

„Keine Staus, kein Parkplatzsuchen, keine glatten Straßen“ – das sagt Gunter Mackinger, der sich privat ganz auf die Bahn verlässt. Überhaupt lägen die Vorteile des Bahnfahrens auf der Hand – auch in der Pünktlichkeitsstatistik kann man zwischenzeitlich punkten, so das Ergebnis einer Untersuchung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Indes übernahm erst kürzlich die Marktgemeinde Berchtesgaden die Patenschaft für einen der modernen FLIRT-Triebwagen. „Damit wird das Band zwischen der Region, den Fahrgästen und der Berchtesgadener Land Bahn weiter gefestigt“, so Mackinger.

Welche Ziele hat sich die „Berchtesgadener Land Bahn“ (BLB) auf die Fahne geschrieben? Was zeichnet die BLB aus, speziell im Hinblick auf frühere Zeiten, als es noch keine BLB gab?

Vor 101 Jahren – im Jahr 1909 – hat die Salzburger Lokalbahn erstmals mit den bayerischen Nachbarn einen durchgehenden Verkehr von Salzburg nach Berchtesgaden und weiter zum Königssee angeboten. Unser Partner bei der BLB – die Bayerische Regentalbahn - ist als älteste bayerische Privatbahn seit vielen Jahrzehnten erfolgreich im Personen- und Güterverkehr tätig. Aus diesen Traditionen heraus haben wir auch einen hohen Selbstanspruch auf die Bedienungsqualität der Berchtesgadener Land Bahn.

Kundenorientierung und Servicequalität sind sicherlich zwei der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Das bestätigten auch die steigenden Fahrgastzahlen im zu Ende gehenden Jahr 2010. Der Einsatz von Zugbegleiter und Zugbegleiterinnen, der neue Fahrplan mit mehr Fahrten und unsere modernsten und umweltfreundlichen FLIRT-Triebwagen haben sich bewährt. Wie in Bayern schon auf vielen anderen Strecken geschehen, schrieb die Bayrische Eisenbahngesellschaft 2006 den Betrieb zwischen Freilassing und Berchtesgaden mit rund 420000 jährlichen Zugkilometern öffentlich aus. Der Landkreis Berchtesgadener Land war dabei ein großer Unterstützer der Vergabe im Wettbewerb. Landrat Georg Grabner hat die Ausschreibung nachdrücklich vorangetrieben, um das Angebot zu optimieren. Das Ziel war dabei klar: ein optimiertes Preis-Leistungsverhältnis und die langfristige Sicherung der Bahnstrecke von Freilassing nach Bad Reichenhall. Der Zuschlag für den Regionalverkehr ging an die deutsch-österreichische Bietergemeinschaft (Regentalbahn AG/ Salzburg AG-Salzburger Lokalbahn, d. Red.). Das Betriebskonzept, die neuen Fahrzeuge, der Schaffnerbetrieb, die Vermarktung und nicht zuletzt die langjährige Erfahrung der Partner haben den Ausschlag gegeben.

Die Berchtesgadener Land Bahn pendelt zwischen Freilassing und Berchtesgaden – 420.000 Zugkilometer pro Jahr.

„Die aktuelle Pünktlichkeitsstatistik der Bayerischen Eisenbahngesellschaft stellt der BLB ein sehr gutes Zeugnis aus: Die Berchtesgadener Land Bahn ist eine der pünktlichsten Bahnen in Bayern“ – können Sie ein paar Einblicke in die Auswertung geben?

Die BEG erfasst in ganz Bayern über die Messstellen im Netz der Deutschen Bahn AG, was Pünktlichkeit und Verspätung aller Züge angeht. Dies gilt auch für die BLB – die Auswertung erfolgt bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Verspätungen sind pönalisiert. Nach Aussagen der BEG im Sommer 2010 war die BLB – nach dem mühsamen Start zur Jahreswende 2009/2010 – die pünktlichste Bahn Bayerns.

Kürzlich wurde ein zweiter Triebwagen der Berchtesgadener Land Bahn auf den Namen „Markt Berchtesgaden“ getauft. Was dürfen sich künftige Fahrgäste vom „Markt Berchtesgaden“ erwarten?

Einer guten Tradition folgend, erhalten auch die modernen Triebwagen der BLB den Namen einer Anrainergemeinde respektive einer Gebietskörperschaft mit direktem Bezug zu unserer Bahn. Bereits im Frühjahr 2010 wurde ein Triebwagen auf den Namen „Landkreis Berchtesgadener Land“ getauft und so freuen wir uns, dass die Marktgemeinde Berchtesgaden anlässlich der Eröffnung des diesjährigen Adventmarktes im Rahmen einer kleinen Feier die Patenschaft für einen Triebwagen der BLB übernommen hat. Damit wird das Band zwischen der Region, den Fahrgästen und der Berchtesgadener Land Bahn weiter gefestigt.

Der FLIRT (Flinker leichter innovativer Regional Triebzug) gilt als einer der modernsten Nahverkehrszüge Europas. Was macht ihn zu diesem?

Der von Stadler-Rail in Berlin produzierte FLIRT ist ein speziell für den Regional- und S- Bahnverkehr konstruierter Niederflur-Triebzug. Dank modernster Technologie ist der FLIRT besonders leise. Aufgrund der großen Türen und ausfahrbaren Schiebetritten ist schnelles und bequemes Ein- und Aussteigen auch für mobilitätseingeschränkte Personen, Eltern mit Kinderwagen oder Passagiere mit Gepäck möglich. Der Niederfluranteil beträgt fast 90 Prozent. Es gibt also keine Stolperstufen im durchgehend barrierefreien Fahrgastraum. Drei Multifunktionsabteile an den breiten Türen schaffen Platz für Fahrräder, Kinderwagen, Rollstühle und große Gepäckstücke. Zusätzlich sind die Fahrzeuge der BLB auch mit 16 Plätzen der 1. Klasse ausgestattet. Ein behindertengerechtes WC zählt ebenfalls zu den besonderen Ausstattungsmerkmalen. Stadler hat mittlerweile schon über 500 FLIRT in Europa und Afrika geliefert. Neben der Schweiz und Deutschland sind die Fahrzeuge beispielsweise auch in Ungarn, Italien, Finnland und Algerien unterwegs.

Fahren Sie selbst Zug? Welche Vorteile hat Zugfahren Ihres Erachtens gegenüber dem Autofahren?

Für private Zwecke besitze ich kein Auto – wann immer es geht bin ich aus Überzeugung „öffentlich“ unterwegs. Dies ist oft sehr lehrreich und heilsam, weil man das Produkt mit allen Stärken und Schwächen am eigenen Leib kennen lernt. Die Bahn ist auf jeden Fall eine attraktive Alternative zum Pkw. Gerade in unseren Ballungsräumen liegen die Vorteile auf der Hand. Da ist man mit dem Zug nicht nur günstiger, sondern auch vielfach schneller unterwegs. Keine Staus, kein Parkplatzsuchen, keine glatten Straßen. Stattdessen eine bequeme, entspannte Fahrt mit Zeit zum Lesen, ohne sich auf den Verkehr konzentrieren zu müssen. Noch dazu ist die Bahn umweltfreundlicher und bedeutend leiser als ein Auto.

Kilian Pfeifer

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