Von „Facki Fotzn“, fiesen Versen und feinen Fruchtbarkeitsfideln

Moni, der menschgewordene, sprudelnde Wasserfall. Ein Plappermaul in Reinkultur.

Berchtesgaden – Bissig sind sie bis zuletzt, hinterfotzig, manchmal auch intrigant – in jedem Fall aber stehen sie für beste Unterhaltung beim geneigten Wellküren-Zuschauer.

Jene drei ausgewiesenen Vertreterinnen der Damenwelt – Moni, Burgl und Bärbi – haben es faustdick hinter den Ohren. Als Schwestern der Biermösl Blosn sind sie deren weibliches Pendant, eine Synthese aus kabarettistischem Anspruch und Stubenmusik der etwas anderen – eigenwilligen – Art. Frech, vorlaut, so, wie der Schnabel eben gewachsen ist.

Moni ist in dieser Hinsicht ein Paradebeispiel, eine lebendige Ausgeburt, eine mit höchsten Ambitionen versehene Anwärterin auf den bayerischen Ministerpräsidentenstuhl. „Wir retten Bayern“, haben sich drei Schwestern so eben mal gedacht, ein hehres Ziel, beinahe traute man es der wirbelnden volksmusikalischen Kabarett-Instanz auch zu.

Der entschuldigende Blick in Richtung Himmel. Gespielt wird auf der Nonnentrompete, der keltischen Fruchtbarkeitsgeige. Das können nur die Wellküren.

Die nächsten zwei Stunden standen im ausverkauften Kongresshaus-Saal in Berchtesgaden ganz im Zeichen der Wellküren. Das Publikum ist Spielball. Einer, der Leidensfähigkeit mit sich bringen sollte. Denn die Wellküren steigen gnadenlos in einen prächtig bunten Strauß mannigfaltiger Programmpunkte ein, nehmen sich das Auditorium vor, geben gepfefferte Seitenhiebe gen lokaler und überregionaler Politik-Prominenz – Roland Koch, die „Facki-Fotzn“ - und versüßen das Ganze mit einer dichten, variantenreichen musikalischen Beschallung, die sich vom Stuben-Musical über den keltischen Fruchtbarkeitsgeigen-Song bis hin zum weiblichen Blechblas-Triumvirat erstreckt.

Apropos Stuben-Musical: derart kreativ wurde der Zuhörer bislang wohl kaum geladen, sich „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu Gemüte zu führen. Ein waschechtes Duell weiß-blauer Spitzenpolitiker, inspiriert von „Homer, Dante und Vergil“, ausgetragen auf jenen Musikinstrumenten, die dem Trio gelegen kommen. Ob Hackbrett, Harfe oder Nonnentrompete: Das Repertoire der Schwestern ist beeindruckend.

Der ausverkaufte Saal applaudiert was das Zeug hält, lacht laut auf, „wir teilen Euch jetzt in Gruppen ein“, sagt die burschikose, oft aus der Haut fahrende, einzigartig alternativlos bleibende Well-Schwester Moni. Damenhaft hingegen Burgi, vornehm zurückhaltend Bärbi. Die Mischung macht’s! Das sieht auch das Publikum so, das zwischenzeitlich in das Dasein des Mitmach-Publikums eingestiegen ist, inbrünstig „Mei o mei, mei o mei“ im Chorus singt. Die Schwestern begleiten instrumentalisch, dann das abrupte Ende, der vernichtende Reim am Ende – „muas des sei“, so die Frage der Schwestern in Richtung Teilnehmer.

Unschuldig - wie auf diesem Bild – sind die Wellküren nicht wirklich: vielmehr frivol, frech, feinsinnig-fies.

Der beabsichtigte Publikumsbauchschlag in die Magengegend. Gerade eben hatte man sich noch so verbunden gefühlt mit den selbsternannten „besten Schwestern“, nun, das jähe Ende der „Zusammenarbeit“ zwischen zahlender Zunft und zischenden Zicken. Wie gesagt, leidensfähig muss der Wellküren-Besucher sein, will er nicht auch in den abwärtsgerichteten (Politik-)Strudel hineingeraten.

Seehofer, „der Horst“, der es auf seine Vorgänger abgesehen hat, Erwin, „den niederbayerischen Ratz und seinen fränkischen Mäuse-Sheriff“. Und auch Well’sche Ehemänner kriegen musikalisch ihr Fett weg, in einer gezupften Instrumentalfassung in AC/DC-Manier, „der Deifi soi eam hoin“, den Ehemann, den verfetteten, der zuhause auf der Couch flackt, für nichts zu gebrauchen scheint. Die Mädels müssen es ja wissen, Frauenrechtlerin, Sozial-Pädagogin, berufsgemäßes Plappermaul.

Aus einer großen Volksmusikantenfamilie stammen die drei Wellküren, insgesamt 17 Geschwister, darunter auch die Biermösl Blosn, die zuletzt zusammen mit Gerhard Polt in Berchtesgaden Station machten. Aufgewachsen sind sie in Günzlhofen, in ihrem aktuellen Programm entfliehen sie dem kleinen Mikrokosmos Oberschweinbach, der Globalisierung entgegen, was die musikalischen Allrounder in einem die Lachmuskeln anstrengenden, in bester Mundart vorgetragenem China-Allerlei darreichen.

Zu lachen gab es viel, auch über eigene Fehler konnten sich die „besten Schwestern“ ausgiebig amüsieren.

Der Well’sche Vater: örtlicher Chorleiter, der das Instrumentenspiel vermittelte, ein väterliches Sprungbrett in eine großartige volksmusikalisch-kabarettistische Zukunft, die das Trio vor 24 Jahren angetreten ist, noch immer verfolgt, erfolgreich, den berühmten Biermösl Blosn in nichts nachstehend. Derzeit sind sie auf bayerischem Rettungskurs, haben den Anker gesetzt, die Rettungsleine im Kongresshaus-Publikum ausgeworfen, das Spektakel ist ein prächtiges, teils Zwerchfell in Anspruch nehmend, ein Star-Trio ohne gekünsteltes Gebaren. Gesagt wird, was aus dem Mund tönt. Dem Publikum gefällt das, Mission erreicht. Auf ein nächstes Mal, mit den „besten Schwestern“.

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