Erste Bürgermeisterin im BGL

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Dini kann sich durchaus vorstellen, später mal „echte“ Bürgermeisterin zu werden.

Bad Reichenhall - Dini Wieser hat alle Hände voll zu tun. Sie hetzt von einem Pressetermin zum nächsten, setzt sich mit den Sorgen und Nöten ihrer Bürger auseinander und leitet diskussionsreiche Stadtratssitzungen.

Die neunjährige Pidingerin ist das gewählte Oberhaupt der Kinderstadt, die diese Woche im Nonner Stadion in Reichenhall entstanden ist. 100 Kinder aus dem ganzen Landkreis haben daran teilgenommen und unter „echten“ Bedingungen gesellschaftliche Zusammenhänge spielend gelernt. Am „Tag der offenen Tür“ konnten am Donnerstag Besucher das Ergebnis begutachten.

Sonja Lang hat gerade im Cafe gekündigt und marschiert in Richtung Beauty-Salon. Und das obwohl der Zehnjährigen die Arbeit im Gastronomie-Zelt eigentlich richtig Spaß macht. Aber weil sie schon den ganzen Tag Getränke und Milchshakes mixt, ist jetzt Vergnügung angesagt. 27 „Nonntaler“ hat Sonja in ihrem Portemonnaie, das Spielgeld hat sie sich in der vergangenen Woche mit ihren Jobs verdient. Außer im Cafe und in der Küche hat die angehende Fünftklässlerin auch in der Bank gearbeitet – dabei liegt ihr Rechnen eigentlich gar nicht so. Besonders stressig war es am Nachmittag, wenn alle Kinderstadtbewohner ihren Tageslohn gleichzeitig einzahlen wollten. Was hat sie in den letzten Tagen vor allem gelernt? „Dass Arbeiten anstrengend ist.“

Bürgermeisterin in der Kinderstadt

Durchschnaufen muss auch Bürgermeisterin Dini Wieser. Beim „Tag der offenen Tür“ ist sie eine gefragte Persönlichkeit in der Kinderstadt. Bei der Scheckübergabe durch die Sponsoren muss sie natürlich mit ins Bild. Je 2.000 Euro gespendet haben die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost, das Landratsamt mit der Katholischen Jugendstelle BGL, die Bürgerstiftung der Sparkasse BGL und die Wirtschaftsjunioren BGL aus den Einnahmen des Frühlingsballs.

Gekonnt gibt die Viertklässlerin Dini den Pressevertretern ein Interview. Bei der Bürgermeisterwahl hat sie sich klar gegen ihre Mitbewerber durchsetzt und durfte eine Woche lang testen, wie viel Arbeit und Verantwortung hinter diesem Posten steckt.

Lob bekommt Dini von Kinderstadt-Mitorganisator und Marktschellenbergs stellvertretendem Bürgermeister Thomas Jander. In den Stadtratssitzungen sei es zugegangen wie in echt. Als eine Beschwerde über die Müllabfuhr einging, die zu selten den Abfall einsammelte, waren die Kinder-Volksvertreter gefragt. Schnell war der Entschluss gefasst, mehr Personal einzustellen. Blieb nur die Frage: wie soll das bezahlt werden? Die Antwort lag auf der Hand, ab sofort mussten die Bürger Steuern zahlen. Drei Euro pro Tag und Kind und 15 Euro für jede Werkstatt. Das habe funktioniert, berichtet Thomas Jander. „Keiner ist pleite gegangen“. Auch Bürgersprechstunden haben Dini Wieser und ihre zwei Stellvertreter abgehalten. Allerdings nur zwei Mal, wie die Bürgermeisterin erklärt. „Es waren nur zwei Leute da, da haben wir das wieder abgeschafft.“

Ziel des Projektes „Kinderstadt“ war es, den Kindern auf spielerische Art gesellschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln. Sie schlüpften in die Rolle von Erwachsenen, gingen einer Arbeit nach, verdienten Geld und gaben es wieder aus. So entwickelte sich ein eigenes kleines Gemeinwesen. Der Kreativität der Kinder waren fast keine Grenzen gesetzt. Nur als ein Junge eine Zahnarztpraxis aufmachen wollte, äußerten die Betreuer Bedenken. Dafür wurden Transportunternehmen gegründet, Stadtführungen organisiert und Getränke per Bauchladen verkauft. Dem zehnjährigen Luca Bittner hat vor allem das Werkeln in der Schreinerei gefallen. Dort haben die Kinder Straßenschilder für ihre Stadt gebaut und Briefkästen und Kassen für die Geschäfte. Elf Nonntaler hat Luca pro Tag verdient und die will er morgen im Vergnügungspark ausgeben. Sein Fazit: „Das macht viel mehr Spaß als Schule“.

„Ich bin beeindruckt von der Begeisterung der Kinder“, sagt Thomas Jander. Streit habe es so gut wie keinen gegeben, höchstens mal Tränen, wenn beim Arbeitsamt nicht der Traumjob frei war. Und auch Petra Braun vom Jugendamt ist zufrieden mit der ersten Kinderstadt im Berchtesgadener Land. Ob es das Projekt im nächsten Jahr wieder gibt, konnte sie noch nicht versprechen. Aber Nachfragen lägen schon haufenweise vor.

Kathrin Thoma-Bregar

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