Die Entdeckung der Langsamkeit

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Mit maximal 25 km/h sind Klaus Kubatschka (l.) und Rudolf Nömayer mit ihren Oldtimer-Traktoren durch Bayern unterwegs.

Berchtesgaden - Es regnet wie aus Eimern. Das richtige Wetter, um sich zuhause zu verkrümeln. Aber nicht für Klaus Kubatschka und Rudolf Nömayer - sie zieht es auf ihr Freiluft-Gefährt.

Das "Gefährt" von "Rudl" hat einen Zwei-Takt-Dieselmotor mit 16 PS. Klaus' "Porsche" hat zwei Zylinder und 18 PS.

Ein Porsche mit 18 PS?! Ja, das gibt es. Nämlich einen Oldtimer-Traktor. Bis 1963 hat Porsche die Landmaschinen hergestellt. Klaus ist stolzer Besitzer eines solchen "Bulldogs". Oder hat er doch mehrere? So genau will uns das der Baden Württemberger nicht verraten. Es ist auf jeden Fall eine Familien-Leidenschaft im Hause Kubatschka. Die beiden Töchter gehen auch mit den Oldtimern und alten Traktoren auf Tour.

Vor dem Start braucht Rudls "Hatz" noch ein "Startpapier".

Bei dem Niederbayern Rudolf ist es der "Junior" der die Leidenschaft des Vaters teilt. Nömayer sammelt Traktoren und Landwirtschaftliche Maschinen. Die guten Stücke sind zum Teil 85 Jahre alt. Da ist es kein Wunder, dass die beiden Oldtimer-Liebhaber sich gefunden haben.

Ursprünglich wollte der "Oldtimer" Nömayer mit seinem Freund Robert Hausmann "mit dem Bulldog rund um Bayern". Die beiden hatten die Tour schon geplant und suchten bereits nach Sponsoren, als der heute 72-Jährige einen traurigen Anruf von Hausmanns Tochter erhielt: "Papa ist heute Mittag gestorben." Das war im September 2007. Gute zwei Jahre hat es dann noch gedauert, bis sich Rudl und Klaus einig waren, wann sie wo und wie mit ihren Bulldogs durch Bayern fahren.

"Mit dem Bulldog rund um Bayern"

Das selbst ernannte "Auslaufmodell" Nömayer startete am 17. Mai in seiner Heimat Inzing am Inn. Entlang der österreichischen und der tschechischen Grenze, durch den Oberpfälzerwald und das Fichtelgebirge bis hin zur Rhön tuckerte er alleine durch seine Heimat. Am 25. Mai traf er dann in Lauingen an der Donau mit Klaus Kubatschka zusammen. Nach einer Führung durch die Firma Deutz ging es für die beiden gemeinsam auf Tour. Die führte sie über die Schwäbische Alb, durch das Allgäu nach Oberbayern. Wir treffen sie letztendlich in Ramsau am Hintersee. Es gießt aus Eimern und da muss die Frage einfach erlaubt sein: "Macht es euch noch Spaß?" Das Funkeln in den Augen sollte eigentlich Antwort genug sein.

"Wenn man immer schon mit solchen Geräten gearbeitet hat, hängt man halt an ihnen, egal ob alt oder neu", erklärt der frühere Nebenerwerbslandwirt Nömayer. Er gibt aber zu, dass der Regen nach drei Tagen schon ganz schön nerven kann - obwohl er den Bulldog mit dem "Dachi" hat. Der Diplom-Ingenieur Klaus packt sich dagegen in Regenhose, Motorradhose, mehrere Pullover, einen Nierengurt, Windjacke und Regencape. Er sitzt demnach "an der Luft". Für ihn macht der Erhalt der Technik und des Kulturgutes den Reiz am Oldtimer-Traktor aus. "Außerdem kann man auf einem solchen Bulldog die Landschaft genießen - fernab von allem Streß."

Bevor es losgeht, sprechen Kubatschka (r.) und Nömayer noch einmal die Route durch. Alles ist genau geplant.

Kein Wunder, weil schneller als 25 km/h fahren die Gefährte nicht. Dafür sind sie aber um die 15.000 Euro wert. Verkaufen würden weder Rudolf noch Klaus auch nur ein Stück aus ihrer Sammlung, für kein Geld der Welt. Da nehmen sie sich lieber die Zeit und sind drei Wochen mit ihren Traktoren quer durch Bayern unterwegs. "Vor mir ist immer frei", lacht Klaus. Er weiß aber, wie sehr ein so langsames Gefährt einen Autofahrer reizen kann. Deshalb halten die beiden immer 30 bis 40 Meter Abstand, dass sie gut überholt werden können.

Bald müssen sie allerdings keinen Abstand mehr halten. Von Berchtesgaden begleitet Klaus Kubatschka seinen "Leidensgenossen" nämlich zurück nach Inzing. Von dort fährt er dann alleine noch weiter über Neumarkt in der Oberpfalz zurück in seine Heimat nach Baden Württemberg. Das Projekt "Mit dem Bulldog rund um Bayern" ist dann abgeschlossen. Wiederholung nicht ausgesgeschlossen.

red-bgl24/cz

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