Elektromobil durch Berchtesgaden und Bad Reichenhall

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Dr. Peter Brandauer will die Elektromobilität in alpinen Urlaubsdestinationen wie Berchtesgaden und Bad Reichenhall etablieren.

Berchtesgaden - Damit die Urlauber vor Ort auf umweltfreundliche Weise mobil sein können, sind Berchtesgaden und Bad Reichenhall in dieser Hinsicht auf dem Vormarsch.

Erste informierende Gespräche über die Ausstattung von Urlaubsdestinationen mit Elektrofahrzeugen haben bereits stattgefunden. Dr. Peter Brandauer, Präsident der Alpine Pearls, ein Zusammenschluss von Urlaubsdestinationen im grenzübergreifenden Alpenraum, treibt das Vorhaben, künftig nachhaltig mobil unterwegs zu sein, voran. Die Heimatzeitung hat sich mit dem Verfechter der Elektromobilität unterhalten.

Bad Reichenhall und Berchtesgaden sind Mitglieder der „Alpine Pearls“, der alpinen Perlen. Als Präsident treiben Sie die sanfte Mobilität bei Ihren Mitgliedern voran. Künftig soll es Elektrofahrzeuge geben. Können Sie uns das Konzept näher erläutern?

Dr. Peter Brandauer: In den Kriterien von Alpine Pearls ist unter anderem festgelegt, dass Urlaubsgäste, die in die „Perlen“ umweltfreundlich mit der Bahn anreisen, auch vor Ort mobil sein müssen. Ob ein Ausflugsziel in der Region, ein Restaurant in der Nähe oder der Besuch einer Therme - die verschiedensten Ziele, die ein Urlaubsgast während des Urlaubs erreichen möchte, muss er auch ohne eigenes Auto erreichen können. Dazu gibt es selbstverständlich mehrere Möglichkeiten. Zu allererst muss dazu das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln in den Mitgliedsorten von Alpine Pearls sehr gut sein – etwa Bus- oder Bahnangebote, Wanderbusse, Skibusse oder Shuttlebusse. Um aber umweltverträgliche, individuelle Mobilität anzubieten, sollen künftig Elektroautos zum Einsatz kommen. Vor allem die Kombination einer Anreise in den Urlaubsort mit einem „großen Elektrofahrzeug“, nämlich der Bahn, und die Mobilität während des Urlaubs mit einem „kleineren Elektrofahrzeug“, dem E-Auto, ist ein konkretes Ziel von Alpine Pearls. Urlaubsangebote dieser Art soll es bereits ab dem nächsten Sommer für unsere Gäste geben. Dazu soll auch eine Kooperation mit Herstellern von Elektroautos, den großen Bahngesellschaften der Alpenländer und den Energieversorgern der Regionen, in denen die Alpine Pearls gelegen sind, aufgebaut werden.

Kleinere Elektrofahrzeuge, wie E-Fahrräder, E-Scooter oder E-Quads werden schon jetzt in vielen Mitgliedsorten von Alpine Pearls angeboten. Hier geht es aber vor allem um Spaßmobilität. Wer möchte nicht mit einem Elektrofahrzeug durch die Landschaft gleiten oder mit einem Pedal Electric Cycle lächelnd den Berg hinauffahren? Elektromobilität bringt also auch Spaß im Urlaub.

Gibt es bereits konkrete Gespräche mit den Bürgermeistern von Bad Reichenhall und Berchtesgaden? Haben Sie Interesse an der E-Mobilität geäußert?

Brandauer: Im Rahmen der Mitgliederversammlung von Alpine Pearls ist das geplante Projekt „E-Motion“ vorgestellt worden. Dabei waren auch die Bürgermeister von Bad Reichenhall und Berchtesgaden, die auch diese Idee befürworteten. Natürlich sind aber noch viele Details abzuklären, bis hier auch definitive Entscheidungen fallen können. So ist ja auch die Investitionssumme bei der Anschaffung von Elektroautos nicht gering. Der Bürgermeister von Berchtesgaden, Franz Rasp, ist zudem auch Mitglied des Vorstandes von Alpine Pearls, der alle weiteren Projektschritte berät und absegnet.

Was muss ein Urlaubsort in den Alpen Ihrer Meinung nach bieten, um zukunftsfähig zu bleiben?

Brandauer: Es gibt sicher viele und auch unterschiedliche Möglichkeiten, um als Urlaubsort in den Alpen attraktiv zu sein. Neben den vielen Angeboten wird es aber zukünftig ganz entscheidend sein, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen, wie wir auf den Lebens- und Erholungsraum „Alpen“ achtgeben. Die Gäste der Zukunft werden hier auch viel genauer schauen und jene Urlaubsziele auswählen, die sorgsam mit der Natur und der Umwelt umgehen. Viele Aspekte spielen eine Rolle: Neben der umweltverträglichen Mobilität, dem Kernanliegen von Alpine Pearls, geht es auch um die Verwendung von erneuerbarer, sauberer Energie, um das Einsparen von sinnlosem Energieverbrauch, um die Förderung der regionalen Kreisläufe – gesunde Produkte von den Bauern aus der Region verursachen viel weniger Belastung durch kurze Transportwege und auch der sorgsame Umgang mit der Natur ist ein weiterer Aspekt. Jede Maßnahme im alpinen Gelände muss sehr kritisch überlegt werden, ob sie notwendig und verträglich ist.

Wo gibt es in Berchtesgaden, wo in Bad Reichenhall Verbesserungsbedarf?

Brandauer: Für die Organisation der Alpine Pearls ist es wichtig, dass die festgelegten Kriterien auch eingehalten werden. Dazu muss jedes Mitglied jährlich einmal einen Bericht abgeben. Es gibt es darüber hinaus auch ein externes Kontrollorgan, das die Einhaltung der Kriterien überprüft. Es ist aber wichtig, festzuhalten, dass in den Anstrengungen zu einem nachhaltigen Tourismus der Prozess der Veränderung wichtig und auch entscheidend ist. Kommt ein Gast in einem Jahr wieder in den Urlaubsort, soll er sofort spüren, dass sich etwas verändert hat, dass etwa die Mobilität „sanfter“ geworden ist. Und so hat jedes Mitglied bei Alpine Pearls doch auch Verbesserungsbedarf in unterschiedlichen Bereichen. Ich bitte aber um Verständnis, dass ich als Präsident von Alpine Pearls nicht konkrete Defizite einzelner Mitgliedsorte anführen kann.

kp

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