Einkaufen bei Kaiserwetter

Verkaufen in historischem Gewand: Dieses fesche Madel konnte dem Fotoapparat nicht mehr entkommen.

Berchtesgaden – Ausverkaufsstimmung herrschte am Sonntag im Markt Berchtesgaden. Dicht gedrängt schoben sich Gast nebst Einheimischen durch die engen Straßen, vorbei an etlichen Verkaufsständen.

Die Sonne lacht, der Mensch lacht mit. Sei es findiger Kunde oder tüchtiger Geschäftsmann. Dieser Kraxn-Sonntag war einmalig. Einmalig gut besucht, einmalig schönes Wetter. Ein Rückblick auf einen Tag, der gleichzeitig vor 20 Jahren die Einheit brachte.

Der erste Sonnenschein weckt den müden Mann. Auf geht’s zum Kraxn-Sonntag, verkaufsoffener Sonntag in Berchtesgaden. Groß angekündigt - das Jubiläum „Berchtesgaden 200 Jahre bayerisch“ steht in den Startlöchern. Ein Markt, der dem Ereignis entgegenfiebert, fünf Gemeinden, die das Jubiläum gemeinsam angehen werden.

Die Geschäftsleute der Marktgemeinschaft Berchtesgaden sind bereit, viele haben sich in historische Kleidung geworfen, schick, dem Anlass entsprechend, ein Blickfang für den Besucher. Die Absage des „Balles der Marktgemeinschaft“ scheint vergessen. Heute soll der Rubel rollen und selbst wenn keine offiziellen Zahlen vorliegen – ein offenes Auge reicht aus, um zu bestätigen, dass am Sonntag, an solch einem schönen Tag, das Geld etwas lockerer saß.

Beim Kraxn-Sonntag wird Einkaufen als Ereignis verstanden. Shopping-Tour, gemütliches Flanieren, Sehen-und-gesehen-werden, ein Abstecher in das Café der Wahl, der Eisbecher wartet. Ein Tag, definitiv nicht wie jeder andere. Halb elf am Morgen, der Uhrzeiger wackelt unaufhörlich in Richtung Mittagsstunde. Von elf Uhr bis 16 Uhr haben die Geschäfte geöffnet. Ein langer Autokorso peilt den Markt an, rollt in Richtung Tiefgarage. Die automatischen Anzeigentafeln zeigen, dass die Parkplätze langsam aber sicher begrenzt werden. Nichts mit Ausflügen auf den Berg, mit großangelegten Märschen durch die umliegenden Landschaften. Heute wird durch den Markt „gewandert“ und sei auch nur einmal durch die Metzgerstraße und wieder zurück.

Gegen Mittag ist dies ein kaum zu bewältigendes Unterfangen, unzählige Menschen, befreundete Musikkapellenabordnungen aus der näheren Umgebung, die den märktischen Besuchern den Marsch blasen, in etlichen Standkonzerten Blechblaskunst zum Besten geben, dann, später, im Sternmarsch auf dem Weihnachtsschützenplatz Einzug halten.

Kraxn-Sonntag in Berchtesgaden

Interessiert schauen die Besucher zu, Fotos über Fotos, „mir gefällt die Tracht“, sagt eine ältere Dame, die im Hotel Edelweiß urlaubt und überdeutlich den Gefallen an der Wahl der Kleidung eines jungen Mädchens äußert, das im Dirndl über den Weihnachtsschützenplatz flaniert – besser gesagt, sich durch die Menschentraube drängt. „In ein Dirndl würde ich nicht mehr passen“, sagt sie, klagend: „Obwohl ich auch gerne mal eines getragen hätte“.

Viele Dirndl sieht man am heutigen Tag, häufig auch besagte historische Gewänder, in welchen der Kunde etwa im Modehaus Seiberl bedient wird. Jedes Geschäft hat geöffnet, der eigentliche Tag der Ruhe wird zum umsatzstarken Verkaufstag. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt eine Verkäuferin eines Modegeschäftes, die sich gerade um das Anliegen einer Kundin kümmert. Im Hintergrund warten weitere Kaufwillige, bereits tütenbehangen, scheinbar waren sie schon erfolgreich.

Spannend wird es bei der Suche nach einem Sitzplatz in einem der Cafés. Sonnige Plätze sind rar, äußerst begehrt, wie die Tauben auf der Stange sitzen Sonnenanbeter auf den Bänken, belegen Stühle, überall dort, wo ein Standkonzert stattfindet, bilden sich Halbkreise, Menschentrauben, kein Platz ohne Lebendigkeit, etwa am Busparkplatz am Kurhaus, weiter hinten in der Dr.-Imhof-Straße oder im Bereich des Marktbrunnens, vor dem Torbogen, wo eine Musikkapellenabordnung aus Laufen aufspielt.

Der Markt lebt, es wird gelebt, gekauft, geschaut, geplauscht. Leben am Puls der Zeit. „So wünscht man sich das“, sagt ein Berchtesgadener, der häufig im Markt anzutreffen ist. „Hier ist viel passiert und das ist nun der Dank dafür“. Sein Weg führt ihn der Nase nach in Richtung kühles Bier. „Schauen wir mal, ob ich einen Sitzplatz finde…“, sagt er und macht sich auf.

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